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· Fachbeitrag · Medizinwissen

Wenig genutzt: Der Check-up 35

von Dr. Marianne Schoppmeyer, Ärztin und Medizinjournalistin, Nordhorn

| Viele Patienten kennen die Krebsvorsorgeuntersuchung. Weit weniger in den Köpfen verankert ist dagegen der Check-up 35. Diesen allgemeinen Gesundheits-Check können alle gesetzlich Versicherten ab dem 35. Lebensjahr kostenlos alle zwei Jahre in Anspruch nehmen. |

Früherkennung von Erkrankungen

Der Check-up 35 dient der Früherkennung von Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems und der Nieren sowie einiger Risikofaktoren wie Bluthochdruck oder erhöhter Blutfettwerte. Werden diese Erkrankungen frühzeitig erkannt, können sie behandelt und Komplikationen verhindert werden. Obwohl der Check-up 35 nicht mit Unannehmlichkeiten verbunden ist, wurde er im Jahr 2010 nur von 23 Prozent der anspruchsberechtigten Frauen und 22 Prozent der anspruchsberechtigten Männer genutzt. Junge Menschen ab 35 Jahren denken häufig noch nicht daran, dass bereits in diesem Alter unbemerkt Gesundheitsprobleme auftreten können. Zumal Bluthochdruck, erhöhte Blutfettwerte oder ein latenter Diabetes mellitus keine Beschwerden verursachen. Daher ist es wichtig, diese Patientengruppe für die Prävention und Früherkennung von Krankheiten zu sensibilisieren.

 

 

© KBV

Erste Ansprechpartnerin des Patienten: die MFA

Bei der Motivation des Patienten kommt Ihnen als MFA eine Schlüsselrolle zu, da Sie ihn begrüßen und so seine erste Ansprechpartnerin sind. Sie können den Patienten bereits beim Empfang ermuntern, sich mit dem Check-up 35 auseinanderzusetzen. So kann er sich im Wartezimmer mit der Untersuchung beschäftigen und eventuelle Fragen klären oder auch beim Verlassen der Praxis einen Termin für den Gesundheitscheck vereinbaren.

 

Flyer mit Informationen zum Check-up 35 zum Auslegen im Wartezimmer oder im Empfangsbereich können Sie kostenlos bei der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) bestellen. Zusätzlich bietet die KBV auch ein Plakat zum Check-up 35 an (siehe dazu den Link in den weiterführenden Hinweisen.)

Was gehört zum Check-up 35 dazu?

Der Check-up 35 beinhaltet ein ausführliches Anamnesegespräch mit dem Arzt, eine Untersuchung und ein abschließendes beratendes Gespräch. Je nach Ergebnis des Check-up 35 können dem Beratungsgespräch unter Umständen weitergehende Untersuchungen folgen.

 

Anamnesegespräch

Der Check-up 35 beginnt mit einem Gespräch, bei dem der Arzt sich nach den bisherigen Krankheiten und eventuellen Beschwerden des Patienten, nach den Erkrankungen von Familienangehörigen sowie nach seinen Lebensumständen und -gewohnheiten erkundigt. Dazu gehören beispielsweise Fragen nach

 

  • Gewicht und Größe,
  • Alkohol- und Nikotinkonsum,
  • Ernährungsgewohnheiten,
  • Stress sowie
  • körperliche Aktivitäten/Sport.

 

Untersuchung

Es folgt eine körperliche Untersuchung: Die Lunge und das Herz werden mit dem Stethoskop abgehört, der Bauchraum abgetastet und Pulsfrequenz und Blutdruck gemessen. Gegebenenfalls wird ein EKG geschrieben. Dies ist besonders dann von Bedeutung, wenn der Arzt einen unregelmäßigen Puls feststellt oder der Patient Beschwerden wie Atemnot oder Brustschmerzen bei Belastung angibt. Es folgt eine Beurteilung des Bewegungsapparates, des Nervensystems, der Sinnesorgane und der Haut. Neben der körperlichen Untersuchung werden einige Blut- und Urinwerte bestimmt.

 

  • Laboruntersuchungen des Check-up 35
  • Glukose: Liegt ein Diabetes mellitus vor?

 

  • Cholesterin: Liegt eine Fettstoffwechselstörung vor? Sollte die Ernährung/der Lebensstil verändert werden?

 

  • Urinuntersuchung (Eiweiß, Glukose, Erythrozyten, Leukozyten, Nitrit): Gibt es Hinweise auf das Vorliegen einer Nieren- oder Blasenerkrankung oder eines Diabetes mellitus?
 

Beratungsgespräch

Abschließend bespricht der Arzt die Untersuchungsergebnisse mit dem Patienten und beantwortet seine Fragen. In der Regel berät der Arzt den Patienten zu einem gesunden Lebens- und Ernährungsstil. Unter Umständen schließen sich Folgeuntersuchungen an (zum Beispiel Langzeit-Blutdruckmessung, Lungenfunktionstest, Allergietest). Dann wird der Patient unter Umständen zur Kontrolle in drei oder sechs Monaten erneut einbestellt oder eine entsprechende Therapie wird eingeleitet.

IGeL als zusätzlicher Service

Im Zusammenhang mit dem Check-up 35 können dem Patienten auch private Zusatzleistungen, individuelle Gesundheitsleistungen (IGeL), angeboten werden. Diese gehören zwar nicht zum Check-up 35, können aber im Einzelfall durchaus sinnvoll sein. Im Rahmen des Check-up 35 können dies beispielsweise weitergehende Ultraschall-Untersuchungen einzelner Organe sein. Mitunter werden diese Leistungen auch gezielt vom Patienten erfragt.

 

PRAXISHINWEIS | In der Regel delegiert der Arzt die Patienteninformation über IGeL an die MFA. Ihre Aufgabe ist es dann, den Patienten sachlich und in unaufdringlicher Weise zu informieren. Sprechen Sie sich immer vorher mit dem Arzt ab, welche Leistung angeboten werden soll und weisen Sie den Patienten auf deren Kosten hin. Denn IGeL sind ärztliche Leistungen, die nicht zum Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenversicherung gehören und vom Patienten privat bezahlt werden müssen.

 

Eine allgemeingültige Zusammenstellung von IGeL gibt es nicht. Eine Übersicht über den IGeL-Markt mit wissenschaftlicher Bewertung der einzelnen IGeL bietet der IGeL-Monitor, der vom Medizinischen Dienst des Spitzenverbandes Bund der Krankenkassen (MDS) betrieben wird (siehe weiterführende Hinweise). Typische Selbstzahler-Leistungen des Patienten in der Hausarztpraxis sind:

 

  • Ultraschall-Untersuchung einzelner Organe
  • zusätzliche jährliche Gesundheitsuntersuchung
  • reisemedizinische Beratungen einschließlich Impfberatung und spezieller Impfungen
  • sportmedizinische Beratung, Tauglichkeitsuntersuchung für Extremsportarten
  • Bescheinigungen für den Besuch des Kindergartens, der Schule, des Sportvereins oder bei Reiserücktritt
  • ärztliche Berufseingangsuntersuchung
  • Blutgruppenbestimmung

 

Hinzu kommt eine Vielzahl von IGeL, die durch bestimmte Fachärzte angeboten werden. Hierzu gehören beispielsweise ästhetische Operationen, Augeninnendruckmessung zur Früherkennung eines Glaukoms, Stressbewältigungstherapie und andere psychotherapeutische Behandlungsverfahren. Davon zu unterscheiden sind medizinisch notwendige Untersuchungen, die sich aus unklaren oder auch pathologischen Befunden des Check-up 35 ergeben. Auch wenn der Patient Beschwerden hat, ist es selbstverständlich, dass er weitergehend untersucht wird.

 

Weiterführende Hinweise

  • Ein Plakat sowie kostenlose Druckvorlagen für den Flyer zum Check-up 35 in Englisch, Französisch, Spanisch, Türkisch oder Russisch finden Sie auf der Internetseite der KBV ().
Quelle: Ausgabe 05 / 2014 | Seite 10 | ID 42621681