· Fachbeitrag · Hygiene
Nicht vergessen: Händedesinfektion
von Dr. med. Marianne Schoppmeyer, Medizinjournalistin und Ärztin, Nordhorn
| Hygiene sollte in jeder Praxis einen zentralen Stellenwert einnehmen. Denn gerade hier kommt es tagtäglich zu unzähligen Kontakten zwischen den MFA und den Patienten. Einen wesentlichen Übertragungsweg von Infektionen stellen dabei die Hände dar. Das heißt: Erreger werden vom Patienten an die MFA oder den Arzt und von dort zum nächsten Patienten weitergegeben. Durch regelmäßige Händedesinfektion kann dies vermieden werden. |
Handhygiene ist wichtig
In Deutschland treten nach Schätzungen jedes Jahr 400.000 bis 600.000 Infektionen auf, die im Zusammenhang mit einer Einrichtung des Gesundheitswesens erworben werden. Vor diesem Hintergrund wird schnell deutlich, wie wichtig es ist, die Regeln zur Handhygiene gewissenhaft einzuhalten.
In der Ausbildung lernt jede MFA die Grundregeln der Hygiene, im hektischen Arbeitsalltag gehen diese Regeln dann jedoch nicht selten verloren. Ein Grund für eine unzureichende Händedesinfektion in Praxen ist sicherlich die Arbeitsüberlastung vieler Mitarbeiter. Da wird schnell einmal die eine oder andere Händedesinfektion ausgelassen. Zudem ist so manchem Mitarbeiter gar nicht bewusst, dass er seine Hände zu selten desinfiziert.
Wann sollte desinfiziert werden?
Die Desinfektion der Hände tötet Krankheitserreger ab und verhindert so deren weitere Ausbreitung. Die WHO (Weltgesundheitsorganisation) empfiehlt die Händedesinfektion bei fünf verschiedenen Tätigkeiten/Zeitpunkten:
- Vor jedem Patientenkontakt
- Vor einer aseptischen Tätigkeit
- Nach Umgang mit infektiösem Material, zum Beispiel nach einer Blutabnahme, nach dem Ausziehen der Handschuhe, nach dem Naseputzen
- Nach Patientenkontakt
- Nach Kontakt mit Oberflächen in unmittelbarer Umgebung des Patienten.
Zu beachten ist auch, dass die Händedesinfektion keine Kann-Bestimmung ist, sondern eine Muss-Bestimmung, die in Vorschriften detailliert geregelt ist.
Wie sollte desinfiziert werden?
Das Händedesinfektionsmittel sollte 30 Sekunden auf der Haut einwirken, dann sind die meisten Krankheitserreger abgetötet. Dabei sollte darauf geachtet werden, dass die Hände vollständig mit Desinfektionsmittel benetzt werden und während der gesamten Einwirkzeit feucht gehalten werden. Im Weiteren brauchen keine genauen Anweisungen eingehalten werden. In der Erfahrung hat sich gezeigt, dass eigenverantwortliches Händedesinfizieren genauso wirksam ist wie das nach starren Vorschriften. Besonderes Augenmerk sollte jedoch auf die Fingerkuppen und den Daumen gelegt werden. Diese Areale sind klinisch besonders relevant, da sie am häufigsten mit dem Patienten in Kontakt kommen und sich in diesem Bereich auch die meisten Bakterien befinden.
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Der Desinfektionsmittelspender muss gut erreichbar in allen hygienerelevanten Bereichen (beispielsweise Untersuchungsräume, Labor, Personaltoilette) aufgehängt sein, sodass er ohne Zuhilfenahme der Hände - sondern mit dem Ellenbogen - betätigt werden kann. Der Auslass am Spender darf nicht mit den Fingern berührt werden.
Wenn das Desinfektionsmittel aufgebraucht ist, darf es nicht nachgefüllt werden. Es muss ein neues Einmalgebinde verwendet werden. Beim Umfüllen aus großen Originalgebinden in kleine Spenderflaschen könnte es zur Kontamination mit bakteriellen Sporen (Dauerform, die Jahrzehnte überleben kann) kommen.
PRAXISHINWEIS | Mithilfe des Verbrauchs an Desinfektionsmittel kann die Frequenz der Händedesinfektion in der Praxis abgeschätzt werden. |
Nebenwirkungen sind selten
Beim Gebrauch von alkoholischen Händedesinfektionsmitteln kann es zu Hautunverträglichkeiten wie Rötungen oder Brennen kommen. Studien haben jedoch gezeigt, dass alkoholische Einreibepräparate auf intakter Haut dem Händewaschen mit Wasser und Seife deutlich überlegen sind. Alkoholische Präparate beeinträchtigen die Hautbarriere und die Hautfeuchtigkeit weit weniger als Wasser und Seife.
Durch zu häufiges Händewaschen wird die Haut strapaziert. Hautveränderungen und Ekzeme treten deutlich häufiger auf. Denn beim Händewaschen werden die hauteigenen Fette gelöst und abgespült, bei der Händedesinfektion werden sie lediglich umverteilt. Außerdem enthalten viele Desinfektionsmittel zusätzlich spezielle Rückfettungssubstanzen, die einer rauen und trockenen Haut vorbeugen.
Händewaschen
Entscheidend ist aber, dass ist im Gegensatz zur Desinfektion der Hände das normale Händewaschen mit Wasser und Seife nicht besonders effektiv ist. So wird zwar der Schmutz beseitigt, die Keimzahl der Hände jedoch kaum reduziert. Händedesinfektion ist mindestens um den Faktor 100 wirksamer als das Händewaschen. Daher gilt: Die Hände sollten nur gewaschen werden
- vor Arbeitsbeginn,
- vor dem Umgang mit Lebensmitteln und vor Nahrungsaufnahme,
- nach dem Toilettengang,
- bei starken Verunreinigungen der Hände,
- am Arbeitsende.
Hautpflege ist wichtig
Um Hautreizungen zu vermeiden, sollte eine milde, flüssige Waschlotion aus Wandspendern verwendet werden. Der Gebrauch von Stückseife und Gemeinschaftshandtüchern sollte unterbleiben. Die Hände sollten mit Einmalhandtüchern aus einem Wandspender gut abgetrocknet und anschließend eingecremt werden. So wird die Haut vor Austrocknung geschützt. Die Hautpflege ist wichtig und sollte keinesfalls vernachlässigt werden.
Der Arbeitgeber ist verpflichtet, entsprechende Hautpflegeprodukte bereitzustellen. Besonders eignen sich Produkte ohne Duft- und Konservierungsstoffe. Während der Arbeitszeit sollten die Hände möglichst mehrmals mit einer rasch einziehenden Öl-in-Wasser-Emulsion eingecremt werden. Vor Pausen und am Arbeitsende sollte dagegen ein Wasser-in-Öl-Produkt verwendet werden.
Und außerdem
Neben dem Händewaschen und -desinfizieren sollten noch einige weitere Punkte in Bezug auf die persönliche Hygiene beachtet werden:
- Achten Sie auf saubere, kurz geschnittene Fingernägel.
- Verwenden Sie keine künstlichen Fingernägel und keinen Nagellack.
- Tragen Sie keinen Schmuck an den Händen wie beispielsweise Ringe (auch Eheringe), Armbänder und Uhren.
Weiterführender Hinweis
- Eine Liste aller Desinfektionsmittel, die für den Gebrauch in der Praxis geeignet und zertifiziert sind, findet sich im Inter net unter (VAH): www.vah-online.de