· Fachbeitrag · Best Practice
Datenschutz in der Hausarztpraxis
Interview von PPA-Redakteur Stefan Lemberg mit Romy Bertram, Praxisleitung Dr. med. Hans von Schuckmann, Jesteburg
| Die Idee für das Schwerpunktthema dieser Ausgabe bekam die PPA-Redaktion durch eine Leserzuschrift auf eine Kurzinformation zum Thema Datenschutz (siehe PPA 04/2016, Seite 1). Die allgemeinmedizinische Praxis Dr. von Schuckmann aus Jesteburg arbeitet schon seit rund eineinhalb Jahren mit einem externen Datenschutzbeauftragten zusammen. Die Redaktion sprach mit der Praxisleitung Romy Bertram. |
Redaktion: Frau Bertram, wie wurde der Datenschutz in Ihrer Praxis gehandhabt, bevor Sie einen externen Spezialisten eingeschaltet haben?
Bertram: Die Ausgangssituation war, dass es faktisch keinen Datenschutz gab. Unsere Mitarbeiterinnen hatten schon mal vom Datenschutz gehört, aber sich bei der Arbeit auf ihr Gefühl verlassen.
Redaktion: Was hat Sie dazu veranlasst, einen Fachmann hinzuzuziehen?
Bertram: Diverse Datenschutzpannen sensibilisierten die Praxisleitung für das Thema Datenschutz. Zum Beispiel hatten Patienten an der Anmeldung mitbekommen, wie ein neuer Patient nach seinen persönlichen Daten gefragt worden war und diese bereitwillig mitgeteilt hatte. Wir haben einen externen Datenschutzbeauftragten engagiert. Er sollte sich die Praxis näher ansehen und ein Konzept vorlegen.
Redaktion: Worauf kam es Ihnen bei der Einführung der Datenschutzmaßnahmen an?
Bertram: Wir haben sehr viel Wert darauf gelegt, dass sich der Datenschutz gut in die Praxisabläufe integriert, sodass sich der Mehraufwand in Grenzen hält.
Redaktion: Ein gutes Stichwort. Neue Datenschutzmaßnahmen bedeuten ja vor allem Veränderungen in Arbeitsabläufen. Wie gehen Sie als Team damit um?
Bertram: Wegen des lockeren Umgangs und der dörflichen Atmosphäre - jeder kennt jeden -, müssen wir uns stets daran erinnern, welche Verantwortung wir tragen. Regelmäßige Besprechungen sind dabei unabdingbar.
Redaktion: Wo besteht bei Ihnen im Datenschutz die größte Herausforderung?
Bertram: Eine große Herausforderung ist die Aufteilung der Praxisräume, da diese sehr klein sind. Der Empfang befindet sich direkt hinter unserem Praxiseingang und bietet somit wenig Schutz, was die Patientendaten und die Patientenannahme betrifft.
Redaktion: Wie haben Sie die Situation kurzfristig gelöst?
Bertram: Telefonate werden im hinteren Bereich der Anmeldung geführt, Gespräche im Labor oder Sprechzimmer. Ich muss zugeben, in einer dörflichen Gemeinschaft ist das mitunter sehr schwierig, da wir unseren Chef immer wieder darauf hinweisen müssen.
Redaktion: Welche weiteren Maßnahmen wurden umgesetzt?
Bertram: Unser Datenschutzbeauftragter gab uns Anweisungen, wie wir korrekt und sensibel mit unseren Patienten umgehen sollen, d. h. keine Befundausgabe direkt an der Anmeldung, Patienten werden gebeten, ihre Daten anhand eines Patientenaufnahmebogens mitzuteilen.
Redaktion: Wie haben die Patienten die Veränderungen aufgenommen?
Bertram: Die Reaktionen unserer Patienten waren durchweg positiv. Wir haben ein wenig Zeit investiert, um unseren Patienten das Thema Datenschutz näherzubringen. Schwieriger war die Kommunikation am Telefon mit anderen Praxen und Pflegediensten, was Befundmitteilungen etc. betraf. Aber auch dort läuft es mittlerweile gut.
Redaktion: Wie handhaben Sie in Ihrer Praxis das Thema IT-Sicherheit?
Bertram: Für die Datensicherheit sorgt eine Firewall und Zugänge zur Software gibt es nur mit Passwörtern. Patienten haben keine Einsicht.
Redaktion: Wie groß ist Ihr Zeit- und Kostenaufwand für die Umsetzung des Datenschutzes? Können Sie unseren Lesern Zahlen nennen?
Bertram: Der zeitliche Aufwand für unsere Praxis liegt in etwa bei einer bis anderthalb Stunden pro Monat. Unser Datenschutzbeauftragter arbeitet relevante Themen aus, die dann mit der Praxisleitung und dem gesamten Team - inklusive dem Arzt - besprochen werden. Die Kosten belaufen sich für unsere Praxis auf circa 150 bis 200 Euro im Monat. Diese Kosten würden sich deutlich reduzieren, wenn man mit anderen Praxen Synergien bilden würde und sich einen Datenschutzbeauftragten teilt.
Redaktion: Welche weiteren Maßnahmen haben Sie geplant?
Bertram: Zum Ende dieses Jahres steht ein Umzug in größere Räumlichkeiten bevor. Dabei wird die Umsetzung des Datenschutzes bei den Umbauarbeiten mit berücksichtigt, sodass dieser noch besser gelebt werden kann.