· Fachbeitrag · Ambulante Versorgung
Hausbesuche durch die MFA: So bewerten es die Hausärzte
von Dr. med. Marianne Schoppmeyer, Ärztin und Medizinjournalistin, Nordhorn
| Bereits seit April 2009 können Hausärzte, die in unterversorgten Regionen tätig sind, Hausbesuche an qualifizierte MFA delegieren und bei bestimmten Patienten auch abrechnen. Erstmalig wurden nun die Hausärzte Mecklenburg-Vorpommerns befragt, inwieweit sie Hausbesuche an ihre MFA delegieren würden, welchen Mehrwert sie sich davon erhoffen und welche speziellen Qualifikationen die MFA haben müsse. |
Befragung in Mecklenburg-Vorpommern
Das Institut für Allgemeinmedizin der Charité Berlin verschickte Fragebögen an alle 1.096 in Mecklenburg-Vorpommern tätigen Hausärzte. Davon konnten genau 500 Fragebögen ausgewertet werden.
Dabei zeigte sich, dass bereits gut die Hälfte der Ärzte Hausbesuche an ihre MFA delegierten. Diese Ärzte waren im Durchschnitt eher jünger, weiblich, arbeiteten in ländlichen Gebieten in einer Einzelpraxis und beschäftigten drei oder mehr MFA. 30 Prozent der befragten Ärzte zeigten keine Bereitschaft, Hausbesuche zu delegieren, 20 Prozent bezogen keine klare Stellung.
Welche Fähigkeiten wünschen Hausärzte sich von ihrer MFA?
Als besonders wichtige Qualifikation für die Delegierung von Hausbesuchen an die MFA nannten die befragten Hausärzte neben der fachlichen Kompetenz auch organisatorische und präventive Fertigkeiten. Im Einzelnen gehören dazu:
- organisatorische Fähigkeiten sowohl in der Vor- und Nachbereitung als auch in der Koordination der Hausbesuche (von 90 Prozent genannt)
- Fertigkeiten zur standardisierten Dokumentation, hierzu zählten beispielsweise auch die Disease Management Programme (DMP) (von 73 Prozent genannt)
- Koordination von Terminen für Röntgenuntersuchung und andere Maßnahmen (von 71 Prozent genannt)
- Organisation von Patienteneinweisungen ins Krankenhaus (von 51 Prozent genannt)
- Kooperation mit weiteren Ärzten und anderen Leistungserbringern im Gesundheitswesen (von 48 Prozent genannt)
- Beratung zur Sturzprophylaxe (von 68 Prozent genannt)
- Impfungen (von 66 Prozent genannt)
- Ernährungsberatung (von 62 Prozent genannt)
- Raucherstoppberatung (von 47 Prozent genannt)

Quelle: © Miriam Dörr - fotolia.com
Was erhoffen sich Hausärzte von der Delegierung von Hausbesuchen?
Mehr als zwei Drittel der befragten Ärzte erhoffen sich eine Zeitersparnis durch die Übernahme von Hausbesuchen durch die MFA. Knapp die Hälfte erwartet eine höhere Arbeitszufriedenheit bei sich selbst und ein Drittel der befragten Ärzte vermutet, dadurch auch die Arbeitszufriedenheit ihrer MFA verbessern zu können. Weitere positive Effekte sahen die Ärzte darin, den Ruf der eigenen Praxis zu verbessern sowie die Lebensqualität und Gesundheitswahrnehmung ihrer Patienten positiv beeinflussen zu können.
Auf der anderen Seite gab es jedoch durchaus auch Befürchtungen von Seiten der Hausärzte. Fast ein Drittel der Mediziner sah keinen Mehrwert in der Delegierung der Hausbesuche oder sah die Hausbesuchstätigkeit als alleinige ärztliche Arbeit an. 15 Prozent glaubten auch, dass es zu einem Vertrauensverlust der Patienten gegenüber dem Arzt kommen könne. Der wichtigste Hemmschuh der Delegierung stellte jedoch das Geld dar. 34 Prozent der Hausärzte befanden es für zu teuer, die zusätzliche Qualifikation der MFA selber tragen zu müssen.
Weiterführende Hinweise
- Quelle der Studie: Dini L. et al.: Delegierung von Hausbesuchstätigkeiten an Medizinische Fachangestellte. Deutsches Ärzteblatt 2012 109(46): 795-801
- Medizinische Fachangestellte mit Zusatzqualifikation dürfen Hausbesuche machen (PPA Nr. 5/2009, S. 1)
- Zusatzqualifikation „EVA“ ermöglicht Hausbesuche durch MFA (PPA Nr. 7/2009, S. 1)
- Modell-Projekt in Niedersachsen: MoNi unterstützt Hausärzte (PPA Nr. 6/2010, S. 5)