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· Fachbeitrag · Verband Medizinischer Fachberufe

Delegation ärztlicher Tätigkeiten bleibt Herausforderung

| Die Delegation ärztlicher Tätigkeiten an nicht-ärztliches Personal ist und bleibt eine der zentralen Herausforderungen in der Versorgung des Patienten. Zu diesem Ergebnis kam eine Podiumsdiskussion, zu der der Verband medizinischer Fachberufe (VMF) anlässlich der Einweihung seiner neuen Geschäftsstelle am 13. September 2013 geladen hatte. |

 

Angesichts des steigenden Versorgungsbedarfs der Bevölkerung bei gleichzeitigem Fachärztemangel ist die Delegation ärztlicher Tätigkeiten an nicht-ärztliches Personal längst Realität. Allerdings bewegen sich Ärzte und Fachpersonal noch immer in einer juristischen Grauzone, weil klare gesetzliche Grundlagen fehlen.

 

Das bereits vielfach präsentierte Modell der Entlastungs-Assistentin kann nach Ansicht von VMF-Präsidentin Sabine Ridder den Ärztemangel allenfalls abfedern. Eine langfristige Lösung kann nur bedeuten, durch politische Vorgaben und ökonomische Anreize mehr Fachärzte in die unterversorgten Gebiete zu lenken. Für die Berufsgruppe der MFA forderte Ridder mit Blick auf die Übernahme ärztlicher Tätigkeiten neben einer guten Aus-, Fort- und Weiterbildung eine verantwortungsadäquate Bezahlung, explizit eine Tarifangleichung der MFA-Gehälter an das Tarifsystem in Krankenhäusern.

 

Professor Dr. Henrik Schneider, Lehrstuhlinhaber der Universität Leipzig und Mitautor eines Gutachtens über „unterstützende Tätigkeiten“, erläuterte die juristische Problematik anhand der Delegation ärztlicher Leistungen in der Radiologie. Demnach sei die gängige Verwaltungspraxis, das Tätigkeitsspektrum der 
MTRA auf die „technische Mitwirkung“ zu beschränken, sogar ein Verstoß gegen § 82, Abs. 2 Strahlenschutzverordnung sowie gegen Art. 12, Abs. 1 Grundgesetz. Professor Schneider rät betroffenen Praxen, sich gerichtlich zu wehren.

 

Elisabeth Borg, Leiterin der Akademie für ärztliche Fortbildung der Ärztekammer Westfalen-Lippe, stellte als Modellprojekt das Curriculum der Entlastenden Versorgungsassistentin in der Neurologie-Praxis 
(Neuro-EVA) vor. Als Vertreterin einer Ärztekammer unterstützt sie die Forderungen des VMF nach qualifizierter Aus-, Fort- und Weiterbildung sowie nach einer leistungsgerechten Bezahlung.

 

Ute Repschläger, Vorsitzende des Berufsverbandes selbstständiger Physiotherapeuten (IFK) setzte sich für den „direct access“ von Physiotherapeuten zum Patienten ein. Eine höhere Autonomie des Physiotherapeuten vom behandelnden Hausarzt führt nach ersten Ergebnissen einer Studie der „Zürcher Hochschule Winterthur“ zu einer gezielteren Behandlung von kürzerer Dauer, zur Senkung der Behandlungskosten und zu einem besseren Befinden der Patienten als in einer Vergleichsgruppe. Gleichzeitig wies sie aber auch die Angehörigen ihres Berufsstandes darauf hin, dass direct access nur bei ausreichender Qualifikation der Physiotherapeuten funktionieren kann. Außerdem müssen Physiotherapeuten bereit seien, für die von ihnen verordnete Behandlung die vollumfängliche Verantwortung (einschließlich Haftung) zu übernehmen.

Quelle: ID 42313717