· Fachbeitrag · Verband Medizinischer Fachberufe
Unumgänglich: Delegation ärztlicher Tätigkeiten
| Die Delegation ärztlicher Tätigkeiten an nicht-ärztliches Fachpersonal ist heute in der Versorgung des Patienten unumgänglich. Zu diesem Ergebnis kam eine Podiumsdiskussion, zu der der Verband medizinischer Fachberufe (VMF) anlässlich der Einweihung seiner neuen Geschäftsstelle am 13. September 2013 geladen hatte. |
Wegen des steigenden Versorgungsbedarfs der Bevölkerung bei gleichzeitigem Fachärztemangel ist die Delegation ärztlicher Tätigkeiten längst Realität. Allerdings bewegen sich Ärzte und Fachpersonal noch immer in einer juristischen Grauzone, weil klare gesetzliche Grundlagen fehlen.

V. l. n. r.: Moderator Bülent Erdogan (Rheinisches Ärzteblatt), Sabine Ridder (Verband medizinischer Fachberufe), Elisabeth Borg (Ärztekammer Westfalen-Lippe), Ute Repschläger (IFK), Prof. Dr. Hendrik Schneider (Universität Leipzig) - Foto: © Verband medizinischer Fachberufe e. V.
Mit Blick auf die Übernahme ärztlicher Tätigkeiten forderte VMF-Präsidentin Sabine Ridder neben einer guten Qualifikation explizit eine Angleichung der MFA-Gehälter an das Tarifsystem in Krankenhäusern. Elisabeth Borg, Leiterin der Akademie für ärztliche Fortbildung der Ärztekammer Westfalen-Lippe, unterstützte diese Forderungen und stellte das Curriculum „Entlastende Versorgungsassistentin in der Neurologie-Praxis“ vor.
Professor Dr. Hendrik Schneider, Lehrstuhlinhaber der Universität Leipzig und Mitautor eines Gutachtens über „unterstützende Tätigkeiten“, erläuterte die juristische Problematik anhand der Delegation ärztlicher Leistungen in der Radiologie. Demnach sei die gängige Verwaltungspraxis, das Tätigkeitsfeld der MTRA auf die „technische Mitwirkung“ zu beschränken, ein Verstoß gegen § 82, Abs. 2 Strahlenschutzverordnung sowie gegen Art. 12, Abs. 1 Grundgesetz.
Ute Repschläger, Vorsitzende des Berufsverbandes selbstständiger Physiotherapeuten (IFK) stellte die Vorzüge des „direct access“ von Physiotherapeuten zum Patienten vor, wies aber ihren Berufsstand gleichzeitig darauf hin, dass direct access nur funktioniere, wenn die Physiotherapeuten entsprechend qualifiziert und bereit seien, für die von ihnen verordnete Behandlung die volle Verantwortung (einschließlich Haftung) zu übernehmen.