· Fachbeitrag · Teammanagement
Beruf und Familie - die Quadratur des Kreises?
von Dr. phil. Doortje Cramer-Scharnagl, Edewecht
| Beruf und Familie unter einen Hut zu bringen, ist auch für MFA eine Herausforderung. Zwar lässt sich im Praxisteam vieles absprechen und oft nehmen die Kolleginnen Rücksicht auf junge Mütter oder pflegende (Schwieger-)Töchter. Dennoch ist es unabdingbar, den Alltag effektiv zu organisieren, um den Rücken für eine erfolgreiche Tätigkeit als MFA frei zu haben. PPA zeigt, wie der Spagat zwischen Praxis und Familie gelingen kann. |
Die Zeitplanung: Strukturierter Kalender als Voraussetzung
Unverzichtbar ist ein gut strukturierter Kalender, in dem Sie alle wichtigen Daten verzeichnen - vom Schulfest bis zum Babysitter-Urlaub, von den Praxisferien bis hin zur Wochenendfortbildung. Der beste Urlaubsplaner in der Praxis nutzt nichts, wenn Sie versehentlich ausgerechnet an dem Tag einen Dienst von der Kollegin übernehmen, an dem Ihre Anwesenheit beim Elternnachmittag nötig ist.
PRAXISHINWEIS | Verplanen Sie Ihre Zeit nicht bis in die letzte Minute, sondern bauen Sie Puffer ein. So geraten Sie nicht in Schwierigkeiten, wenn es abends in der Praxis einmal etwas länger dauert oder frühmorgens Ihr Kind krank aufwacht und schnell noch ein Babysitter organisiert werden muss. |
Notfall-Netzwerke
Zumindest für den familiären Bereich benötigen Sie eine „Feuerwehr“, die einspringen kann, wenn Plan B nötig wird. Wer sorgt für das Kind, wenn es wegen akuter Läuseepidemie nicht in den Kindergarten darf, während in der Praxis die Grippewelle zu bewältigen ist?
Auch in vielen Praxen besteht die Möglichkeit, „Notfall-Teams“ zu bilden. Verabreden Sie mit Kolleginnen, mit denen Sie sich gut verstehen, eine gegenseitige Hilfestellung. Überlegen Sie gemeinsam mit dem Chef, ob flexiblere Arbeitsstrukturen infrage kommen. Viele Chefs sind offen für neue Ideen, denn diese können gewährleisten, dass das Team engagierter und einsatzfähiger ist. Zudem profitiert die Praxis, wenn gute MFA auch in der Familienphase im Team bleiben.
PRAXISHINWEIS | Wenn Sie den Eindruck haben, dass es im Team zu Spannungen kommt - z. B. weil Sie wegen der Kita-Zeiten oft die Brückentage freinehmen (müssen) und Ihre Kolleginnen leer ausgehen -, sprechen Sie das Problem offen und sachlich an. Vielleicht können Sie Ihrerseits ein „Gegenangebot“ machen, mit dem Sie den Kolleginnen ohne Kinder entgegenkommen können? Auch ein offizieller, von Herzen kommender Dank an alle, die Sie unterstützen, kann die Stimmung im Beruf verbessern helfen. |
Hilfen für die Praxis
In der Praxis ist es wichtig, den Rücken für die Arbeit frei zu haben und sich unabhängig vom Tagesgeschäft fachlich weiterzuentwickeln.
In der Arbeitszeit geht die Arbeit vor!
Lassen Sie sich niemals dazu hinreißen, während Ihrer eigentlichen Arbeitszeit noch schnell zu Hause anzurufen und die Familie zu managen. Für aufgeschürfte Knie und Geschwisterkonflikte ist, während Sie arbeiten, jemand anders zuständig. Machen Sie nur bei echten Katastrophen eine Ausnahme. Pausen während der Arbeitszeit sollten Ihrer Erholung dienen.
Fachlicher Austausch und Weiterbildung: Nutzen Sie das Internet!
Wer Familie und Beruf unter einen Hut bringen möchte, hat in der Regel kaum noch Freiräume, um abends Kolleginnen zu treffen oder einmal ein mehrtägiges Seminar zu besuchen. Nutzen Sie daher das Internet für berufliche Weiterbildung und Austausch. Neben Blogs und Foren, die sich beruflichen Themen widmen (z. B. www.praxisfit.de, www.teramed.de, www.medi-jobs.de) gibt es auch interessante Online-Fortbildungen.
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Hilfen für das Familienmanagement
Zu Hause kommt es in erster Linie auf eine faire Arbeitsteilung und auf Gelassenheit an. Unter der Voraussetzung, dass Sie Ihr(e) Kind(er) nicht allein erziehen, sollten Sie sich klarmachen, dass Sie nicht für alles verantwortlich sind.
Achten Sie auf Arbeitsteilung!
Genau wie im Beruf können Sie auch in der Familie absprechen, wer für was zuständig ist. Achten Sie auf eine faire Aufteilung und holen Sie auch den Partner bzw. ältere Kinder für die eine oder andere Aufgabenerledigung mit ins Boot.
Üben Sie, loszulassen!
Planen Sie Zeiten für sich selbst zum Regenerieren ein. Üben Sie, loszulassen und auch einmal zu ertragen, wenn es anders läuft, als Sie es sich idealerweise vorstellen.
Weiterführende Hinweise
- Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA): Familie und Beruf, online unter: www.familienplanung.de > Schwangerschaft > Familie-und-Beruf (Abruf 04.03.2016)