29.07.2010 | Fortbildung
Zertifikatslehrgang Notfallfachkraft - Für den Notfall gut gerüstet!
von Alexandra Schramm, Medienbüro Medizin, Hamburg
Ein Patient fällt in Ohnmacht, erleidet einen allergischen Schock oder einen Krampfanfall. Was tun? Als erstes: Ruhe bewahren. Wie dann weiter vorzugehen ist, lernen MFA in dem neuen Zertifikatslehrgang „Notfallfachkraft in der Arztpraxis“. Die ersten 50 MFA haben dieses Zertifikat bereits in der Tasche. Es qualifiziert sie auf dem Gebiet der Notfallmedizin und des Notfallmanagements in einer Arzt- oder Notfallpraxis.
Ausbildung in fünf Modulen
Die Bezirksärztekammer (BezÄK) Nordwürttemberg hat das Ausbildungskonzept entwickelt und es bislang als einzige in ihrem Programm. Damit die Ausbildung berufsbegleitend erfolgen kann, ist sie modular aufgebaut. Die insgesamt fünf Module werden als Tages-, Abend- oder Wochenendseminare angeboten. Sie müssen innerhalb von zwei Jahren absolviert werden. Eine extra Abschlussprüfung gibt es nicht. Der Lehrgang startet immer mit der Grundausbildung in Erster Hilfe - die restlichen Module können in beliebiger Reihenfolge besucht werden.
Modul 1: Erste Hilfe-Grundausbildung (16 Stunden)
Neben dem Arzt müssen auch die MFA in der Lage sein, bei einem Notfall Erste Hilfe zu leisten. Die Erste Hilfe-Grundausbildung vermittelt die Basis der lebensrettenden Maßnahmen wie
- die Durchführung eines Notrufs,
- die stabile Seitenlage,
- das Anlegen von Verbänden,
- die Herz-Lungen-Wiederbelebung,
- die Maßnahmen bei einem Herzinfarkt oder Schlaganfall.
Die Erste-Hilfe-Grundausbildung bei der BezÄK ist sehr praktisch ausgerichtet. Das heißt, die theoretischen Inhalte werden an Übungsstationen und im Rahmen von Fallsimulationen vermittelt und trainiert. Und zwar so, wie sie in einer Praxis auftreten könnten. Ziel der Grundausbildung ist es, den Teilnehmern mehr Sicherheit zu geben, damit sie auch in brenzligen Situationen mit kühlem Kopf routiniert Patienten versorgen können.
Modul 2: Erste Hilfe-Training „Reanimation“ (8 Stunden)
Neben den allgemeinen Maßnahmen in einem Notfall liegt der Schwerpunkt dieses Intensivseminars bei der Herz-Lungen-Wiederbelebung, auch Cardio Pulmonale Reanimation (CPR) genannt. Zuerst werden die verschiedenen Basismaßnahmen trainiert. Im Anschluss daran wird die Wiederbelebung Schritt für Schritt um die erweiterten ärztlichen Reanimationsmaßnahmen ergänzt. Dabei muss die MFA assistieren können oder, wenn der Arzt nicht zur Stelle ist, selbst wissen, was zu tun ist. Hinzu kommt der Einsatz des Automatisierten Externen Defibrillators (AED), auch Frühdefibrillator genannt. Die Ausbildung erfolgt so, wie sie von der Medizinprodukte-Betreiberverordnung, der Bundesärztekammer und der Bundesarbeitsgemeinschaft Erste Hilfe gefordert wird. Als erstes erfolgt eine Einweisung, dann wird das Gerät in den Gesamtablauf der Reanimation eingebunden. Am Ende des Seminars muss die MFA eine simulierte Reanimation mit dem Arzt und allen zur Verfügung stehenden Hilfsmitteln bewältigen.
Modul 3: Erste Hilfe-Training „Praxisfälle“ (8 Stunden)
Nachdem die wichtigsten Erste-Hilfe- und Notfallmaßnahmen wiederholt wurden, steht die Simulation von Notfallsituationen auf dem Programm. Hier werden die Teilnehmer mit „echten“ Notfallsituationen konfrontiert, die natürlich von gesunden Personen nachgestellt werden. Dies kann ein Patient mit Atemnot, Unterzuckerung, Krampfanfall oder aber auch ein Verletzter mit einem Knochenbruch sein. Für ein Notfallteam heißt es nun, die richtige Diagnose zu stellen und die notwendigen Maßnahmen zu treffen - nicht in der Theorie, sondern in der Praxis am Darsteller. Die anderen Teilnehmer beobachten unterdessen das Vorgehen und die Versorgung im Hintergrund. Mit der Übergabe des Patienten an den eintreffenden Rettungsdienst endet die Notfallsimulation. Nun werden Eindrücke und Erfahrungen ausgetauscht, und durch Feedbackgespräche erhalten die Teilnehmer Anregungen für ihr eigenes Vorgehen im Notfall. Hierbei geht es nicht um richtig oder falsch, gut oder schlecht. Vielmehr sollen Teilnehmer lernen, das in der Theorie erlernte Wissen in einer konkreten Notfallsituation in der Praxis umzusetzen.
Modul 4: Seminar „Notfallmanagement“ (8 Stunden)
Unter Notfallmanagement versteht man die vorbereitende Planung von Notfallsituationen. Sie umfasst alle Maßnahmen, die geeignet und erforderlich sind, damit die Versorgung eines Patienten auch im Notfall ruhig und geordnet abläuft und nicht im Chaos endet. Im Seminar erhalten die Teilnehmer einen Überblick über die verschiedenen Vorschriften und Maßnahmen, die bei der Notfallplanung beachtet und bedacht werden sollten. Darüber hinaus liefert es viele Anregungen und Beispiele, wie das Notfallmanagement in einer Praxis organisiert und umgesetzt werden kann. Zudem erarbeiten die Teilnehmer im Laufe des Seminars einen Muster-Notfallplan, der entsprechend angepasst in der eigenen Praxis eingesetzt werden kann.
Modul 5: Seminar „Brandschutz“ (4 Stunden)
Neben der Ersten Hilfe bei medizinischen Notfällen muss jedes Unternehmen auch Maßnahmen zur Brandbekämpfung und Evakuierung sicherstellen. Nach dem Arbeitsschutzgesetz müssen dafür konkrete Mitarbeiterinnen benannt werden. Doch wie entsteht eigentlich ein Brand? Was ist zu tun, wenn es in der Praxis anfängt zu brennen? Und was sind „Löscheinheiten“? Antworten auf diese Fragen gibt es in diesem Seminar. Gegen Ende des Seminars haben alle Teilnehmer Gelegenheit, an einem Brand-Simulations-Trainer zu üben, wie ein Feuerlöscher in der Praxis funktioniert. Dabei kommen auch die unterschiedlichen Löschmittel zum Einsatz.
Praxishinweis: Lesen Sie zum Thema „Brandschutz“ und „Notfallmanagement“ auch die Ausgaben 6/2008 sowie 6/2010 von „Praxisteam professionell“.
Kostenzuschuss der Berufsgenossenschaft möglich
Das Zertifikat kann die MFA auf zwei Wegen erreichen: Jedes Ausbildungsmodul kann einzeln gebucht und besucht und im Anschluss das Zertifikat unter notfallmedizin@baek-nw.de beantragt werden (Preise für die Module zwischen 30 und 65 Euro). Empfehlenswert ist es jedoch, direkt den kompletten Zertifikatslehrgang zu buchen: Der Paket-Preis beträgt dann 200 Euro statt 230 Euro bei der Einzelbuchung. Darüber hinaus prüft die BezÄK auf Wunsch, ob die zuständige Berufsgenossenschaft den Lehrgang bezuschusst. Dann reduziert sich der Betrag auf 170 Euro.
Auch Praxisinhaber profitieren
Nimmt mindestens eine MFA an diesem Lehrgang teil, erfüllt der Praxisinhaber gleichzeitig eine ganze Reihe von Verpflichtungen, die Praxen nach den gesetzlichen, berufsgenossenschaftlichen und qualitätssichernden Vorschriften umsetzen müssen - insbesondere präventive Schulungsmaßnahmen. Und mit einer Notfallkraft hat der Praxischef zudem eine kompetente Ansprechpartnerin, wenn es um die Planung des Notfallmanagements in der eigenen Praxis geht. Denn MFA sorgen für die Einsatzbereitschaft des Notfallkoffers, alarmieren den Rettungsdienst und händigen die gewünschten Notfallinstrumente aus.
Auffrischungskurs für die Notfallfachkraft
Wie funktioniert noch mal der Frühdefibrillator? Es ist ganz normal, dass man im Laufe der Zeit einige Dinge vergisst, wenn sie nicht angewendet werden. Zudem ändern sich auch die Behandlungsleitlinien immer wieder. Daher ist es nicht nur sinnvoll, sondern nach Vorgaben der Berufsgenossenschaft auch erforderlich, dass die Notfallfachkraft regelmäßig an Fortbildungsveranstaltungen teilnimmt. Im ersten Teil des Trainings wiederholen und vertiefen die gelernten Notfallfachkräfte die wichtigsten Erste-Hilfe- und Notfallmaßnahmen. Im zweiten Teil des „Fresh-up-Seminars“ wird ein Schwerpunktthema behandelt - 2010 beispielsweise der allergische Schock (Teilnehmerbeitrag: 45 Euro).