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· Fachbeitrag · Prozessoptimierung

Methoden zum Fehlermanagement: Mind Mapping - Gedanken-Landkarte für Ideen

von Petra Meisel, Medienbüro Medizin (MbMed), Hamburg, www.mbmed.de 

| Kreative Prozesse sind für jeden Betrieb wichtig - auch für eine Arztpraxis. Durch sie entstehen maßgeschneiderte Lösungen von praktisch über individuell bis innovativ. Das sind Lösungen, mit denen sich die Praxis von anderen absetzt. Mind Mapping dient dazu, viele Ideen zu entwickeln und ständig neue Wege zu entdecken. Wie bei einer Landkarte zeigt Mind Mapping auf, wo man sich gerade im kreativen Prozess befindet und welche Möglichkeiten die Praxis hat, sich weiterzuentwickeln. |

Besondere Lösungen erfordern besondere Methoden

Standardlösungen sind schnell bei der Hand. Sie treffen aber nicht immer den Punkt des Problems und veralten rasch. Die Alternative sind individuelle Lösungen. Sie basieren auf guten Ideen. Ein Brainstorming dient dazu, den Gedanken freien Lauf zu lassen, um am Ende zu dem für die Praxis passenden Ergebnis zu gelangen. Der Amerikaner Tony Buzon hat dafür in den 1970er Jahren eine Methode entwickelt, mit der beim kreativen Gedankenspiel nachvollziehbar bleibt, welche Ideen auf anderen basieren: das Mind Mapping. Dazu wird der gesamte Brainstorming-Prozess visualisiert.

Mind Mapping - von den alten Griechen abgeguckt

Die Idee des Mind Mappings ist aber schon viel älter. Es ist eine grundsolide Kommunikationsmethode, die von den Griechen bereits 800 v. Chr. entwickelt wurde. Sie haben sich auf diesem Weg bei Versammlungen ihre verworrenen Familienverhältnisse vergegenwärtigt und so ergründet, wer welcher Sippschaft entsprungen ist. Damit waren sie ihrer Zeit weit voraus. Und was in der Antike bereits zu optimalen Ergebnissen führte, funktioniert auch in der heutigen Zeit ganz prima.

Linke und rechte Gehirnhälfte verbinden

Die Technik basiert auf der Annahme, dass das menschliche Gehirn zwei Hälften besitzt, die jeweils sehr unterschiedliche Funktionen wahrnehmen.

 

  • Die linke Gehirnhälfte steuert das analytische, vernunftbegabte Denken: Sie sucht erst nach einer logischen Verknüpfung, bevor sie zum darauf folgenden Sprung ansetzt.
  • Die rechte Gehirnhälfte ist dagegen für das bildhafte, assoziative Denken verantwortlich: Sie hüpft quasi wahllos von einer Idee zur nächsten.

 

Da Denken kein linearer Vorgang, sondern ein äußerst komplexer Prozess ist, bei dem ständig zwischen diesen Gedankenvorgängen hin- und hergesprungen wird, sollten Informationen nicht linear in Listen, sondern als Bilder dargestellt werden. Das Mind Mapping wird dieser Funktionsweise des Gehirns gerecht, indem es beide Gedankenvorgänge des Geistes fordert und auf Papier sichtbar werden lässt.

Mind Mapping als strukturiertes Brainstorming 

Die Gestaltung einer Mind Map ist denkbar einfach. Notieren Sie zunächst den Oberbegriff in die Mitte eines großen Blatts Papier: „Urlaubsregelung“. Sammeln Sie nun die Ideen, Inhalte und Fakten, die Ihnen und Ihrem Team dazu einfallen. Wie beim Brainstorming werden sie nicht bewertet. Versuchen Sie nun, Ihr Brainstorming zu ordnen und zu visualisieren. Dazu wählen Sie wichtige Unterbegriffe aus und schreiben diese um den Oberbegriff herum.

 

Beim Thema „QM“ sind das beispielsweise „Inhalte“ und „Schulungen“. Das bringt eine erste Struktur. Ihre Kollegen und Sie können so bereits auf einen Blick Zusammenhänge erfassen und erste Schlüsse daraus ziehen. Von jedem Unterbegriff ausgehend, können wieder neue Fakten und Ideen notiert werden. Obwohl die Gestaltung einer Mind Map formal einfach und intuitiv sein soll, ist es für ein möglichst optimales Ergebnis dennoch notwendig, die folgenden Grundregeln zu beachten:

 

  • Thema prägnant formulieren 
  • Überlegen Sie, wie Ihr Thema eigentlich lautet. Versuchen Sie dabei möglichst, sich auf ein prägnantes Wort zu beschränken. „Unstimmigkeiten im Team“ etwa ist zu unspezifisch. Wenn es regelmäßig bei der Urlaubsplanung Auseinandersetzungen gibt, sollte der zentrale Begriff „Urlaubsregelung“ lauten.

 

  • Visualisierung durch Struktur 
  • Je größer das Blatt Papier oder das Flip-Chart ist, umso übersichtlicher bleibt das Gedankenkonstrukt. Beschränken Sie sich grundsätzlich auf Begriffe und nehmen Sie keine Phrasen oder ausformulierten Sätze. Diese führen dazu, dass ein Thema durch unverständliche Formulierungen zunehmend komplizierter erscheint, als es tatsächlich ist. Begrifflichkeit dagegen zwingt, die Dinge auf den Punkt zu bringen. Sie gehen immer vom zentralen Thema aus und folgen einer Idee strahlenförmig mit dazugehörigen Schlüsselwörtern. Ihre Kollegen werfen dabei Begriffe in die Runde, die jeder eine Unterebene darstellt. Wie viele es davon gibt, hängt von dem Thema ab. Achten Sie jedoch darauf, dass Sie sich nicht zu sehr in Details verzetteln. An die jeweiligen Schlüsselbegriffe setzen weitere an, solange bis eine Idee erschöpft ist.

 

  • Zeitlimit setzen und einhalten 
  • Wie beim Brainstorming sollten die Teammitglieder in einem vorgegebenen Zeitrahmen von 20 bis 30 Minuten einbringen, was ihnen zu dem jeweiligen Thema beziehungsweise Unterbegriff in den Sinn kommt. Ist die Zeit um, wird der nächste Begriff in Angriff genommen.

 

  • Alles schön farbig 
  • Verbinden Sie zusammengehörige Begriffe mit Pfeilen gleicher Farbe. Ein Themenkomplex ist dann beispielsweise rot, der andere blau, samt aller Unterpunkte. Wie stark die Begriffe zusammenhängen, machen Sie mit der Stärke des jeweiligen Pfeiles sichtbar. Aber gehen Sie vorsichtig mit den Farben um. Beschränken Sie sich. Sonst verkomplizieren Sie - ähnlich wie bei Sätzen - den Sachverhalt bildlich.

 

  • Geordnet chaotisch 
  • Die Zuordnung von Ideen und Begriffen erfolgt intuitiv und wird zunächst nicht umgestellt. Da man grundsätzlich schneller denken als schreiben kann, würde dies nur den freien Gedankenfluss stören. Bei näherem Hinsehen erfolgt meist die Erkenntnis, dass die Zuordnung, auch wenn sie zunächst chaotisch erscheint, durchaus sinnvoll ist. Nehmen Sie sich daher im Team auch die einzelnen Unterpunkte vor und denken Sie von dort aus weiter. So entstehen mehrere Ebenen, die immer detaillierter werden.

 

  • „Gemapptes“ bleibt länger haften 
  • In einem letzten Schritt sollten Sie Ihre Mind Map noch einmal ordentlich abschreiben und im Aufenthaltsraum aufhängen. Zudem sollten die gemeinsam entwickelten Lösungen schriftlich festgehalten werden. Dieses Vorgehen hat zum Vorteil, dass sich das gesamte Team ein weiteres Mal mit der gemappten Thematik befasst. So kann der Inhalt besser erinnert und verstanden werden. Zusätzlich besteht die Chance, noch im Nachhinein den entscheidenden Gedanken zur Lösung zu finden.

 

FAZIT |  Bei der Gestaltung einer Mind Map entstehen häufig Lösungen, die Sie unverändert vereinbaren und in der Praxis umsetzen können. Gemeinsam im Team mit einer visuellen Darstellung nach Lösungen zu suchen, kann zudem dabei helfen, Konflikte zu entschärfen. Denn jeder sieht so auf einen Blick, wo die Möglichkeiten der Praxis und des Teams liegen. Sie werden sehen, ein Mind Mapping zeigt nicht nur neue Wege für die Praxis auf, es macht auch noch viel Spaß.

 

Weiterführende HinweisE

Quelle: Ausgabe 07 / 2013 | Seite 7 | ID 39934530