· Fachbeitrag · Pressegespräch
Ärztliche Versorgung und Patienteninformation im Internet stärker vernetzen
| Die Möglichkeiten des Internets im Gesundheitswesen sind enorm. Allerdings werden sie in Deutschland von vielen Ärzten und Gesundheitsdienstleistern noch viel zu wenig genutzt. Grund dafür ist die fehlende Vernetzung zwischen realer Gesundheitsversorgung und digitalen Informationsmedien. Zu diesem und anderen Ergebnissen kam die Podiumsdiskussion, zu der das Unternehmen Leo Pharma GmbH am 8. November 2013 anlässlich der Vorstellung des Informationsportals www.QualityCare-Schuppenflechte.de zur Podiumsdiskussion ins Business- and Conference Center „The Squaire“ am Frankfurter Flughafen geladen hatte. |
In seinem Einführungreferat beschrieb Professor Dr. Thomas Thiessen, Rektor der BSP Business School Berlin-Potsdam die Entwicklung des Arzt-Patienten-Verhältnisses bis zum digitalen Zeitalter. Im Vergleich zu früher sei der Patient, der sich zunehmend im Internet informiere, heute wesentlich kritischer und emanzipierter geworden. Seinen früheren Autoritätsstatus könne der Arzt nur wiedergewinnen, indem er mit der Zeit geht und die digitalen Medien ebenso nutzt wie der Patient: „Ein Arzt, der nicht weiß, wie sich Patienten informieren, wird künftig kein guter Arzt mehr sein“, so Thiessen.
Alexander Schachinger, Geschäftsführer healthcare42, Berlin stellte in seinem Vortrag fest, dass in Deutschland mit der realen Gesundheitsversorgung und den digitalen Medien zwei Parallelwelten existieren, die kaum bis gar nicht vernetzt seien: „Deutschland liegt bei digitalen Versorgungsinnovationen im Vergleich zu Skandinavien, Benelux und den USA zehn Jahre zurück.“
Dr. med. Jens Härtel, arvato healthcare GmbH, Kornwestheim, stellte eine intelligente Distributionslösung für Apotheken vor. Mobile Health und die IT-Verknüpfung von Produkt, Service und Kommunikation können nach seiner Auffassung dazu beitragen, die Therapietreue von Patienten und die Patientensicherheit langfristig zu steigern.
Ralf Blumenthal, Leiter der Pressestelle des Bundesverbandes der Deutschen Dermatologen, schilderte seine praktischen Erfahrungen aus der Prese- und Öffentlichkeitsarbeit. Die dringendsten Patientenwünsche seien individuelle Beratung, Sicherheit und Bestätigung.
Die Ausführungen Blumenthals wurden ergänzt durch den Vortrag von Christine Schüller, 1. Vorsitzende Selbsthilfegemeinschaft Haut e. V., Leichlingen und eines betroffenen Patienten: „Der Patient wünscht sich im Internet kurze, verständliche Informationen, Informationen zu kompetenten Ansprechpartnern und Hilfestellung zu der Frage, wie man lernen kann, mit einer Erkrankung umzugehen.“
In der abschließenden Diskussions- und Fragerunde, moderiert von Dr. Hans-Joachim Dutt, Unternehmenssprecher von LEO Pharma, waren sich alle Referenten einig, dass der Patient durch die Vielzahl der digitalen Informationen heute überfordert sei und eines Lotsen bedürfe.
Auf die Frage von „Praxisteam professionell“, ob künftig das nicht-ärztliche Fachpersonal in der digitalen Patienteninformation einen Teil dieser Funktion übernehmen und damit den Arzt entlasten könne, kam eine differenzierte Antwort: Unter bestimmten Umständen ja, aber es müssten - ähnlich wie bei der Delegation ärztlicher Leistungen - klare Grenzen und Zuständigkeiten definiert werden.
Weiterführender Hinweis
- Ein Facebook-Fotoalbum der Diskussion ist einsehbar unter: https://www.facebook.com/media/set/?set=a.392375644199151.1073741829.157785007658217&type=1