· Fachbeitrag · Medizinwissen
Zecken übertragen Krankheiten: FSME und Borreliose
von Dr. med. Marianne Schoppmeyer, Ärztin und Medizinjournalistin, Nordhorn, www.medizinundtext.de
| Mit dem schönen Wetter beginnt nicht nur die Zeit, in der sich jeder gerne in der freien Natur aufhält, auch für Zecken ist jetzt Hochsaison. Sobald es warm wird, lauern die Blutsauger auf Sträuchern, Gräsern und Büschen auf ihre Opfer. Zwar ist ein Zeckenstich an sich nicht gefährlich, Zecken können allerdings ernsthafte Erkrankungen übertragen: die Borreliose und die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME). |
Lebensbedingungen der Zecken
Zecken gehören zur Klasse der Spinnentiere. Sie sind Parasiten, die auf das Blut des Menschen oder eines Säugetieres angewiesen sind. Mit Beginn der wärmeren Jahreszeit werden Zecken aktiv. Sie benötigen Temperaturen von über 10 °C und eine hohe Luftfeuchtigkeit. Deshalb sind sie beispielsweise nach einem Regentag im Sommer besonders aktiv. Ideale Lebensbedingungen finden Zecken an Waldrändern, Lichtungen, in Gärten oder an Bächen. Sie halten sich meist in Bodennähe auf, können aber auch in bis zu 1,5 Metern Höhe vorkommen. Zecken lassen sich jedoch nicht fallen, wie oft angenommen, sondern werden von Büschen oder hohen Gräsern durch den Wirt abgestreift.
Die Zecken haken sich dann in Sekundenbruchteilen mit den Beinen an Tier oder Mensch fest und gehen auf die Suche nach einer gut durchbluteten Stelle wie Kopf, Ohren, Nacken, Ellenbeuge, Brust, Achsel, Leisten oder Kniekehle, um zuzustechen. Da die Zecke durch ihren Speichel die Einstichstelle betäubt, spürt man den Stich nicht, sondern kann den Übeltäter nur sehen.
MERKE | Gefährlich für den Menschen wird eine Zecke erst dann, wenn sie mit dem FSME-Virus oder mit Borrelien infiziert ist. Aus den Speicheldrüsen oder dem Darm des Insekts können dann während des Blutsaugens Krankheitserreger in den Körper des gestochenen Menschen gelangen. |
Borreliose
Die häufigste hierzulande durch Zecken übertragbare Erkrankung ist die Borreliose. Sie wird durch das Borreliose-Bakterium Borrelia burgdorferi hervorgerufen und betrifft Schätzungen zufolge etwa 30.000 Deutsche pro Jahr. Gegen Borreliose ist keine Impfung möglich.
Symptome einer Borreliose
Wenn einer Ihrer Patienten von einer Zecke gestochen wurde, sollte er die Einstichstelle immer gut beobachten. Bildet sich um die Einstichstelle eine kreisförmige Rötung mit einem hellen Zentrum, sollte er dem Arzt vorgestellt werden. Diese als Erythema migrans (Wanderröte) bezeichnete Rötung bildet sich frühestens drei Tage nach dem Zeckenstich, hat einen Durchmesser von etwa 5 cm und dehnt sich pro Tag 3 bis 5 mm weiter aus. Diese Ausdehnung lässt sich gut beobachten, wenn der Rand des Erythems auf der Haut angezeichnet wird. Ansonsten können allgemeine Krankheitssymptome auf eine Borreliose hinweisen. So klagen Betroffene unter Umständen über grippeähnliche Symptome wie
- Müdigkeit,
- Fieber,
- Kopfschmerzen und
- Konzentrationsstörungen.
Behandlung einer Borreliose
Wenn ein Erythema migrans frühzeitig mit Antibiotika behandelt wird, lässt sich der weitere Verlauf einer Borreliose fast immer stoppen. Geschieht dies nicht, drohen im weiteren Verlauf Erkrankungen der Nerven, der Gelenke, der Haut, des Herzens und der Augen.
Manche Patienten wünschen bereits bei alleinigem Zeckenstich eine prophylaktische Antibiotikagabe. Diese wird nach dem derzeitigen Wissensstand in Deutschland jedoch nicht empfohlen. Ebenso sind serologische Verlaufskontrollen oder eine Untersuchung der Zecke auf Borrelien überflüssig.
PRAXISHINWEIS | Erklären Sie Ihren Patienten, dass die Durchseuchung der Zecken mit Borrelien mit etwa zehn Prozent gering ist und daher auch eine Erkrankung relativ unwahrscheinlich ist. |
FSME
Im Süden Deutschlands, aber auch in Teilen von Thüringen, Sachsen, Hessen und Rheinland-Pfalz können Zecken auch das FSME-Virus übertragen. In den letzten Jahren hat man festgestellt, dass sich die FSME-Risikogebiete kontinuierlich vergrößern.
PRAXISHINWEIS | Karten der FSME-Risikogebiete in Deutschland finden Sie auf der Website des Robert Koch-Instituts, online unter http://tinyurl.com/o7zk6qp oder auf dem Informationsportal zecken.de, online unter http://www.zecken.de/presse/bilder.html. |
Symptome einer FSME-Erkrankung
Ein Drittel aller Personen, die sich durch einen Zeckenstich mit FSME infizieren, hat keinerlei Beschwerden. Bei den symptomatischen Patienten kommt es im Stadium 1 der Erkrankung zu
- Fieber,
- Unwohlsein,
- Kopf- und Gliederschmerzen.
Diese Symptome klingen nach einigen Tagen wieder ab. Wenn im weiteren Verlauf das Fieber erneut ansteigt, hat das Virus das zentrale Nervensystem (ZNS) befallen. In diesem Stadium 2 der Erkrankung kommt es zu
- starken Kopfschmerzen
- Nackensteifigkeit
- je nach befallener Region des ZNS können zusätzlich auftreten
- Sprachstörungen,
- Lähmungen und
- Bewusstseinsstörungen bis hin zum Koma.
Bei schweren Verläufen kann eine dauerhafte Schädigung des Nervensystems bestehen bleiben. Bei vielen mit FSME infizierten Patienten tritt die zweite Krankheitsphase jedoch gar nicht auf.
Behandlung einer FSME-Erkrankung
Gegen die FSME gibt es keine ursächliche Behandlung. Es sind keine Medikamente bekannt, die das Virus direkt bekämpfen. Daher beschränkt sich die Therapie auf die Linderung der Symptome, wie Schmerzen und Fieber.
Schutzimpfung gegen FSME
Das Robert Koch-Institut hat im Jahr 2014 in Deutschland insgesamt 265 Fälle einer FSME registriert. Doch soweit muss es nicht kommen. Denn gegen die FSME gibt es eine wirksame Schutzimpfung, die von Ärzten für alle empfohlen wird, die in einem FSME-Risikogebiet leben oder dorthin reisen wollen und sich häufig im Freien aufhalten.
PRAXISHINWEIS | Für einen kompletten Impfschutz sind drei Impfungen erforderlich. Die zweite Impfung sollte zwei Wochen bis drei Monate nach der ersten erfolgen, die dritte Impfung bis zwölf Monate nach der zweiten. Ein zuverlässiger Schutz wird 14 Tage nach der zweiten Impfung erreicht. Auffrischimpfungen sollten alle drei bis fünf Jahre durchgeführt werden. |
Schutz vor Zeckenstichen
Gegen Borreliose und FSME hilft vor allem eines: Zeckenschutz. Lange, geschlossene Kleidung erschwert der Zecke den Weg an die Haut. Lotionen und Sprays gegen Zecken schützen zusätzlich. Raten Sie Ihren Patienten außerdem, sich nach einem Aufenthalt in Feld, Wald und Wiese gründlich nach Zeckenstichen abzusuchen. Wenn trotz Schutzmaßnahmen eine Zecke zugestochen hat, sollte sie schnellstmöglich entfernt werden. Zur richtigen Entfernung von Zecken und zu geeigneten Schutzmaßnahmen lesen Sie auch den Beitrag in PPA 05/2016, Seite 5.
MERKE | Je später die Zecke entfernt wird, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit einer Infektion. Gerade die Borreliose-Bakterien werden häufig erst nach Stunden des Saugens übertragen. |