· Fachbeitrag · Patienteninformation
Patient 2.0: Emanzipiert und informiert
von Yvonne Schuck, Medienbüro Medizin (MbMed), Hamburg
| Immer mehr Patienten informieren sich im Internet über ihre Erkrankungen, vereinbaren Arzttermine online oder tauschen sich in zahlreichen Online-Foren mit anderen Patienten bzw. Angehörigen aus. Zwar ist die Entwicklung hierzulande noch nicht ganz so weit wie etwa in den USA, doch hat sich die Arzt-Patienten-Beziehung auch in Deutschland verändert. Höchste Zeit also auch für MFA, sich auf die Besonderheiten und Bedürfnisse der Patientenklientel 2.0 einzustellen. |
Information und Austausch im Internet
Laut Zahlen der europäischen Statistikbehörde Eurostat informierten sich 2011 fast 28 Millionen Bundesbürger im Netz über Gesundheitsthemen. Das sind 60 Prozent aller deutschen Internetnutzer. Insbesondere die jüngere Generation der „Digital Natives“, aber auch die kleine, aber stetig wachsende Personengruppe der internetbegeisterten Senioren, die sogenannten „Silver Surfer“ nutzt das Internet zur Gesundheitsinformation.
PRAXISHINWEIS | Sie wollen wissen, wie sich Patienten im Internet informieren? Dann probieren Sie es einfach selbst aus: Geben Sie zum Beispiel den Begriff „Halsschmerzen“ bei Google ein, präsentiert Ihnen die Suchmaschine innerhalb von Sekundenbruchteilen über 500.000 Treffer. Die Ergebnisse reichen von möglichen Ursachen der Beschwerden über Beschreibungen des Krankheitsbildes bis hin zu Behandlungsvorschlägen mit Hausmitteln und Medikamenten. |
Über die reine Information hinaus bietet das Internet unzählige Foren, in denen Patienten die Möglichkeit haben, sich auch außerhalb des eigenen Bekanntenkreises direkt untereinander auszutauschen. Im World Wide Web spielen geografische Entfernungen ebenso wenig eine Rolle wie Sprachbarrieren: Auf Englisch funktioniert die Kommunikation weltweit.
Der Patientenklientel 2.0 auf Augenhöhe begegnen
Oft wird die Patientenklientel 2.0 auch als „E-Patient“ bezeichnet. Das „E“ steht dabei sowohl für „elektronisch“ als auch für „emanzipiert“. Dieses Bild des informierten und kritischeren Patienten ist für viele Ärzte (noch) ungewohnt. Der Vorteil dieser Entwicklung ist, dass Patienten ärztliche Vorgaben (zum Beispiel zur Einnahme von Medikamenten oder zur Durchführung verordneter krankengymnastischer Übungen) besser nachvollziehen. Andererseits führt die Informationsflut beim medizinischen Laien oft zu Verunsicherung und zu übermäßigen Ängsten - besonders wenn Patienten versuchen, anhand ihrer Symptome selbst eine Diagnose zu stellen. Hier sind Sie als Arzt bzw. MFA gefordert, mit dem Patienten auf Augenhöhe zu kommunizieren und seine aus dem Internet gewonnenen Informationen durch Ihr Fachwissen einzuordnen.
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Patient 2.0 als Zielgruppe für IGeL
Die Patientenklientel 2.0 hat neben dem gesteigerten Interesse an der eigenen Gesundheit oft auch eine höhere Zuzahlungsbereitschaft, zum Beispiel für Vorsorgeuntersuchungen, die die Krankenkassen nicht übernehmen.
PRAXISHINWEIS | Auch begleitendes Informationsmaterial oder kostenlose Service-Angebote kommen bei dieser Patientengruppe gut an (zum Beispiel Patientenschulungen zu Raucherentwöhnung oder gesunder Ernährung). |
Behandlungsablauf an neue Möglichkeiten anpassen
Smartphones und Tablet-PCs bieten nicht nur die Möglichkeit, sich jederzeit mobil zu informieren. Sie bilden auch eine Plattform für viele Anwendungen. Mit bestimmten Apps lassen sich etwa Blutzucker- und Blutdruckwerte leichter dokumentieren. Mit Zusatzgeräten können die Werte sogar direkt über das Smartphone gemessen werden. Manche Anwendungen erstellen aus den Daten auch Grafiken und ermutigen die Patienten so, weiter regelmäßig ihre Werte zu messen und zu dokumentieren („Self-Tracking“). Ob ein Patient Werte lieber von Hand aufschreibt oder per Smartphone-App verfolgt, hängt von seinen individuellen Vorlieben ab. Es kann aber gerade bei chronisch Kranken lohnenswert sein, die neuen Technologien in die Behandlung einzubeziehen und damit die Therapietreue zu verbessern.

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