· Fachbeitrag · Medizinwissen
Wie wird richtig i.m. und s.c. gespritzt?
von Dr. med. Marianne Schoppmeyer, Ärztin und Medizinjournalistin, Nordhorn
| In vielen Praxen ist es Aufgabe der MFA, Injektionen - seien sie intramuskulär (i.m.) oder subcutan (s.c.) - durchzuführen. Dagegen ist grundsätzlich nichts einzuwenden. Vorher muss der delegierende Arzt sich bei der MFA jedoch bezüglich ihrer vorhandenen Kenntnisse und Fertigkeiten vergewissert und sie gegebenenfalls eingewiesen haben. Im Folgenden erklären wir Ihnen die verschiedenen Injektionstechniken. |
Welche Materialien werden benötigt?
Vor jeder Injektion sollten Sie zuerst ein Tablett mit den notwendigen Utensilien vorbereiten. Hierzu gehören:
- Zwei Kanülen - eine zum Aufziehen des Medikaments (Nr. 1, gelber Konus) und eine zur Injektion (Gr. 17, lila Konus oder Gr. 18, brauner Konus)
- Einmalspritze
- Medikament
- Desinfektionsmittel
- Tupfer
- Einmalhandschuhe
- Kanülenabwurfbehälter
- Pflaster
Die intramuskuläre Injektion
Intramuskulär, also in den Muskel, werden am häufigsten Impfstoffe gespritzt. Hier ist zu beachten, dass die Injektion selbst zwar durch die MFA durchgeführt werden darf, Impfanamnese und die Aufklärung zur Impfung aber vom Arzt selbst gemacht werden müssen. Weitaus seltener als Impfstoffe werden Depotpräparate, die über einen längeren Zeitraum resorbiert werden sollen, in einen Muskel appliziert.
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Geeignete Injektionsorte
Die intramuskuläre Injektion kann in verschiedene Muskeln erfolgen. Geeignete Injektionsorte sind beispielsweise der M. gluteus medius am Gesäß, der M. deltoideus am Oberarm oder der M. vastus lateralis am Oberschenkel:
- Häufig durchgeführt wird die ventrogluteale Injektion nach Hochstetter in den M. gluteus medius. Dafür liegt der Patient idealerweise auf der Seite mit dem Rücken zur MFA. Benutzen Sie bei einer Injektion in die rechte Gesäßhälfte die linke Hand zum Ertasten der Injektionsstelle und für die linke Gesäßhälfte die rechte Hand. Und so finden Sie die ideale Einstichstelle:
- Suchen Sie mit dem Zeigefinger den vorderen oberen Darmbeinstachel (Spina iliaca anterior superior) auf.
- Spreizen Sie dann den Mittelfinger entlang des Beckenkamms (Christa iliaca) ab und drehen ihn (mit fixiertem Zeigefinger) etwa 2 cm nach unten weg. So kommt der Handballen automatisch auf dem großen Rollhügel (Trochanter major) des Oberschenkelknochens zum Liegen. Im unteren Teil des durch Zeige- und Mittelfinger beschriebenen Dreiecks befindet sich nun die Injektionsstelle.

- Bei einer Injektion in den M. vastus lateralis am Oberschenkel liegt der Patient entspannt auf dem Rücken mit leicht innenrotierten Bein. Die Injektionsstelle befindet sich am lateralen (von der Körpermitte abgewandten) Oberschenkel in dem Areal, dass sich eine Handbreit unterhalb des Trochanter major und eine Handbreit oberhalb der Patella (Kniescheibe) befindet.
- Bei einer Injektion in den M. deltoideus am Oberarm sitzt der Patient mit entkleidetem Oberkörper auf einem Stuhl und lässt den Arm locker herunterhängen. Die Injektionsstelle befindet sich nun auf der Mittellinie oberhalb der Achsel, etwa 5 cm (drei Querfinger) unterhalb des Akromions (Schulterhöhe). In den M. deltoideus sollten nur kleine Mengen (< 2 ml) gespritzt werden.
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i.m.-Injektionen dürfen nicht durchgeführt werden bei:
Folgende Komplikationen können in seltenen Fällen auftreten:
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Subkutane Injektion
Genau wie die intramuskuläre Injektion kann auch die subcutane Injektion an eine entsprechend qualifizierte MFA delegiert werden.
Anwendungsgebiete
Subcutan, also in das Unterhautfettgewebe, werden häufig Insulin, Heparin und Schmerzmittel gespritzt. Aber auch Allergietests können von der MFA durchgeführt werden, erfordern aber aufgrund eines möglichen allergischen Schocks beim Patienten die Anwesenheit eines Arztes in unmittelbarer Nähe.
Folgende Injektionsstellen kommen für die s.c. Injektion in Frage:
- Bauchhaut zwischen Darmbeinkamm und Bauchnabel,
- Außenseite des Oberschenkels,
- Außenseite des Oberarmes.
Durchführung der s.c.-Injektion
Nach einer hygienischen Händedesinfektion wird das zu applizierende Medikament mit einer Kanüle aufgezogen (siehe oben). Nun werden Handschuhe angezogen und der Injektionsort aufgesucht. Die Injektionsstelle wird desinfiziert, eine 2 - 3 cm dicke Hautfalte mit Daumen und Zeigefinger angehoben und die Kanüle senkrecht in die Hautfalte eingestochen. Dann wird ohne vorangehende Aspiration injiziert. Die Kanüle wird herausgezogen und die Hautfalte losgelassen. Anschließend muss die Kanüle unverzüglich sicher entsorgt werden (kein Recapping).