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· Fachbeitrag · Medizinwissen

Was kann sich hinter Bauchschmerzen verbergen?

von Dr. med. Maria-Anna Schoppmeyer, Medizinjournalistin, Nordhorn

| Bauchschmerzen gehören zum täglichen Brot des Allgemeinmediziners und Patienten mit diesen Beschwerden sind entsprechend häufig in der Praxis anzutreffen. In Deutschland klagt jeder Dritte über gelegentliche Verdauungsstörungen und Bauchschmerzen. |

Häufige Ursachen von Bauchschmerzen

Bauchschmerzen können sowohl akut als auch chronisch oder rezidivierend auftreten. Kommt ein Patient mit Bauchschmerzen in die Praxis, kann dafür eine Vielzahl verschiedener Erkrankungen verantwortlich sein. Häufige Ursachen sind:

 

  • Gastritis
  • Reizmagen und Reizdarm
  • Gastroösophagealer Reflux
  • Appendizitis
  • Divertikulitis
  • Chronische Obstipation (lesen Sie dazu PPA 8/2011)

 

Neben diesen häufigen Erkrankungen gibt es unzählige seltene Erkrankungen, die Bauchschmerzen verursachen können: Die eosinophile Gastroenteritis, das familiäre Mittelmeerfieber, die akute intermittierende Porphyrie, die Ketoazidose beim Diabetes mellitus und, und, und ... All diese Diagnosen müssen die MFA aufgrund ihrer Seltenheit aber nicht weiter interessieren.

MFA sollten lebensbedrohliche Erkrankungen erkennen

Wichtig ist es - wie bereits in Ausgabe 3/2011 von PPA für den akuten Brustschmerz geschildert -, die wenigen lebensbedrohlichen Krankheitsbilder schnell zu erkennen, damit eine entsprechende Therapie eingeleitet werden und der Patient rasch mit dem Notarzt (Tel. 112) in das nächstgelegene Krankenhaus transportiert werden kann. Dafür ist es notwendig, dass die MFA schon bei der Anmeldung erkennt, bei welchen Patienten akuter Handlungsbedarf besteht. Diese Patienten müssen unverzüglich dem Arzt vorgestellt werden, damit keine Zeit verloren geht.

Akutes Abdomen

Patienten mit vital bedrohlichen Bauchschmerzen sind in der Regel nicht zu übersehen. Sie weisen die Leitsymptome eines akuten Abdomens auf:

 

  • Heftige Bauchschmerzen,
  • Übelkeit, Erbrechen, Blähungen,
  • Schlechter Allgemeinzustand, eventuell Kreislaufstörungen.

 

Häufige Ursachen für ein akutes Abdomen sind ein Magen- oder Darmdurchbruch (Perforation), eine Pankreatitis, eine Gallenkolik, eine fortgeschrittene Appendizitis, ein Darmverschluss (Ileus) oder eine Nierenkolik. Bei Patienten mit den Symptomen eines akuten Abdomens steht in der Hausarztpraxis allerdings nicht die Diagnosefindung im Vordergrund. Hier ist zügiges Handeln gefragt. Diese Patienten gehören in ein Krankenhaus mit der Möglichkeit eines raschen chirurgischen Eingriffs.

 

Im Praxisalltag treten solche lebensbedrohlichen Fälle selten auf. Weitaus häufiger melden sich Angehörige eines Patienten mit heftigen Bauchschmerzen telefonisch, beschreiben die Beschwerden des Ehepartners oder eines Familienmitgliedes und wollen wissen, was zu tun ist. Hier sollte die MFA Ruhe ausstrahlen, gezielt nach den Symptomen fragen und dann mit dem Arzt verbinden. Dieser leitet dann entsprechende weitere Maßnahmen ein.

Die häufigsten Gründe für Bauchschmerzen

Sehr viel häufiger als vital bedrohliche Bauchschmerzen treten Bauchschmerzen auf, die weniger heftig verlaufen. Oft gehen die Patienten aufgrund ihrer Beschwerden nicht sofort zum Arzt und haben bereits selbst mit Tee, Wärmflasche und Medikamenten „herumgedoktert“. Tritt dann nach einiger Zeit keine Besserung ein, werden sie doch in der Praxis vorstellig und bitten um Hilfe. Im Folgenden werden die häufigsten Krankheiten, die mit Bauchschmerzen einhergehen, kurz beschrieben.

 

Gastritis

Bei der Gastritis ist die Magenschleimhaut entzündet. Dies kann akut oder chronisch auftreten. Bei der akuten Gastritis treten starke Schmerzen in der Magengegend auf, hinzu kommen Übelkeit, Erbrechen und Appetitlosigkeit.

 

Demgegenüber macht sich eine chronische Gastritis häufig nur durch unspezifische Oberbauchschmerzen bemerkbar. Die Patienten klagen über Blähungen, vermehrtes Aufstoßen und Völlegefühl nach den Mahlzeiten. Während die akute Gastritis u. a. durch Medikamente, Alkohol, Nikotin oder Lebensmittelvergiftungen hervorgerufen wird, ist die Ursache einer chronischen Gastritis meist die Infektion mit dem Bakterium Helicobacter pylori.

 

Reizmagen und Reizdarm

Beim Reizmagen und Reizdarm klagen die Patienten über Bauchschmerzen und Unwohlsein. Häufig kommen Verdauungsbeschwerden wie Verstopfung, Durchfall und Blähungen hinzu. Auch Übelkeit und Erbrechen, saures Aufstoßen, Völlegefühl und Appetitlosigkeit können auftreten. Meist klagen die Patienten schon seit längerem über die beschriebenen Beschwerden, ohne dass eine organische Ursache gefunden werden konnte. Bevor jedoch ein Reizmagen oder Reizdarm diagnostiziert werden darf, müssen andere organische Erkrankungen sicher ausgeschlossen worden sein.

 

Die Ursache des Reizmagens und Reizdarms ist nicht genau geklärt. Bei manchen Patienten sind die Magen- und Darmbewegungen gestört, die Schleimhaut ist besonders empfindlich gegenüber mechanischen und chemischen Reizen oder die Patienten reagieren besonders empfindlich auf Schmerzen des Magen-Darm-Traktes. Nicht selten finden sich auch psychische Belastungen wie Verlust der Arbeitsstelle, Scheidung u.a. Nach Schätzungen sind in Deutschland 12 Millionen Menschen betroffen.

 

Gastroösophagealer Reflux

Bei der Refluxerkrankung ist das Leitsymptom Sodbrennen. Saurer, aggressiver Mageninhalt fließt in die Speiseröhre zurück. Ursache ist meist ein gestörter muskulärer Verschluss zwischen Speiseröhre und Magen. Betroffene Patienten leiden in der Regel schon seit längerer Zeit darunter. Der Schmerz ist meist hinter dem Brustbein lokalisiert und nimmt beispielsweise durch Bücken, Pressen, Rückenlage, Anstrengung, Stress und bestimmte Nahrungsmittel (fettes, reichhaltiges Essen) zu.

 

Appendizitis

Für die Appendizitis hat sich fälschlicherweise der Begriff „Blinddarmentzündung“ eingebürgert, obwohl bei einer Appendizitis nicht der Blinddarm selbst, sondern lediglich sein wurmartiges Anhängsel, der Wurmfortsatz (Appendix), entzündet ist.

 

Die Appendizitis betrifft meist jüngere Menschen zwischen dem 10. und 30. Lebensjahr. Typischerweise finden sich die Schmerzen anfangs im Bereich des Bauchnabels und verlagern sich dann innerhalb von Stunden in den rechten Unterbauch. Weitere Beschwerden sind Übelkeit, Erbrechen, Durchfall und erhöhte Temperatur. Ohne eine operative Therapie kann es schnell zu lebensbedrohlichen Komplikationen, wie einem Darmdurchbruch kommen, die sich dann als akutes Abdomen zeigen.

 

Divertikulitis

Bei Divertikeln handelt es sich um Aussackungen der Darmwand, die meist bei faserarmer Ernährung und chronischer Verstopfung auftreten. Divertikel finden sich insbesondere bei älteren Menschen: Etwa 30 Prozent der 60-Jährigen sind davon betroffen, bei den 85-Jährigen sind es sogar 65 Prozent. Divertikel an sich verursachen jedoch noch keine Schmerzen. Erst wenn sie sich entzünden, treten Bauchschmerzen auf. Die Schmerzen ähneln denen einer Appendizitis mit dem Unterschied, dass sie sich in der Regel auf der linken Körperseite finden. Daher wird auch von Linksappendizitis gesprochen. Eine Divertikulitis kann zu ernsthaften Komplikationen wie einem Darmdurchbruch oder einer Bauchfellentzündung führen und muss daher behandelt werden. Ob und wann sich ein Divertikel entzündet, lässt sich leider nicht vorhersagen.

 

Weiterführende Hinweise

  • Was kann sich hinter akuten Brustschmerzen verbergen? „Praxisteam professionell“ - PPA - Nr. 3/2011, S. 8
  • Verdauungsprobleme - was tun? „Praxisteam professionell“ - PPA - Nr. 8/2011, S. 13

 

Quelle: Ausgabe 09 / 2011 | Seite 18 | ID 28224360