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· Fachbeitrag · Parasiten

Re-Infektion bei Würmern verhindern

von Bernd Hein, Fachjournalist Gesundheitswesen, Buch am Buchrain

| Weltweit kommen Würmer als Parasiten des Menschen vor. Da es keine medikamentöse Prophylaxe gibt und Hygiene nur begrenzten Schutz bietet, kommt es darauf an, den Befall rasch zu erkennen und dann eine geeignete Behandlung auszuwählen. Als MFA haben Sie vor allem die Aufgabe, Ihre Patienten auf Strategien hinzuweisen, mit denen sie die Wirkung der Arzneimittel unterstützen können. Je nach Wurmart haben die Erkrankungen unterschiedliche Ausprägungen - von bloßen Befindensstörungen bis zu lebensgefährlichen Verläufen. |

Madenwürmer

Madenwurminfektionen (Oxyuriasis) sieht man in der ärztlichen Praxis besonders häufig bei Kindern. Sie verursachen keine körperlichen Schäden, machen sich jedoch durch intensiven Juckreiz am After bemerkbar. Ausgewachsene Madenwürmer werden etwa einen Zentimeter lang. Sie sind weiß gefärbt und (weil sie im Darm leben) bei ausgedehntem Befall gelegentlich im Stuhl sichtbar. Dazu ist es notwendig, eine Stuhlprobe zu zerteilen, weil die Würmer sich nicht zwingend an der Oberfläche bewegen. Die Madenwürmer besiedeln das Ende des Dünndarms und den Dickdarm. Der Juckreiz entsteht, weil die weiblichen Würmer nachts den Darm verlassen und ihre Eier im Bereich des Anus ablegen. Aus ihnen schlüpfen innerhalb weniger Stunden die Larven.

 

PRAXISHINWEIS | Der Arzt kann deshalb - abgesehen von der Begutachtung des Stuhls - den direkten Nachweis mit einem Klebestreifen erzielen, der morgens in die Analfalte gedrückt wird. Daran bleiben Eier und Larven hängen, die unter dem Mikroskop sichtbar sind.

 

Die Infektion entsteht, weil die Betroffenen Gegenstände (z. B. Nahrungsmittel) zum Mund führen, die mit Spuren von infiziertem Kot behaftet sind. Auf dieselbe Weise bleibt der Befall in Gang. Die Erkrankten kratzen sich am After und bringen die Larven über einen unbeabsichtigten Finger-Mund-Kontakt erneut in den Magen-Darm-Trakt.

 

PRAXISHINWEIS | Nur wenn diese Re-Infektion unterbunden wird, kann die Behandlung Erfolg haben. Das gilt für alle Arten von Wurmbefall.

 

Die Behandlung erfolgt - wie bei allen anderen Wurmarten auch - mit Antiwurmmitteln (Anthelminthika, siehe Tabelle am Ende des Beitrags). Die rein medikamentöse Behandlung kann den Befall nicht sicher beenden. Deshalb sind zusätzliche Maßnahmen notwendig. Erklären Sie als MFA dem Patienten vor allem, wie wichtig seine Mitarbeit ist.

 

  • Madenwürmer: Zusatzmaßnahmen zur medikamentösen Behandlung
  • Unterwäsche täglich zweimal; Bettwäsche einmal täglich wechseln und mit mindestens bei 60 °C waschen (falls möglich, ist Kochwäsche zu bevorzugen). Bügeln der Wäsche kann den Effekt verstärken.
  • Während der Nacht eng anliegende Unterwäsche tragen, die den direkten Kontakt zur Analregion verhindert.
  • Hände regelmäßig und intensiv waschen (vor allem nach dem Aufstehen am Morgen und nach jedem Stuhlgang).
  • Fingernägel täglich reinigen und stets sehr kurz geschnitten halten, um den Übertragungsweg zu erschweren.
  • Andere Familienmitglieder (vor allem Geschwister) in die Maßnahmen einbeziehen.
  • Bedenken, dass Desinfektionsmittel nicht wirksam sind.
 

Spulwürmer

Spulwürmer erreichen eine Länge von 40 Zentimetern. Der Befall zeigt sich durch unspezifische Symptome, z. B. Bauchschmerzen, Appetitlosigkeit, Attacken von Heißhunger, Fieber, Husten, Atembeschwerden (bis zu asthmaähnlichen Anfällen) oder massiven Beschwerden im Magen-Darm-Trakt, etwa mit Durchfällen und Übelkeit. Es ist aber auch möglich, dass überhaupt keine Krankheitszeichen auftreten. Der Arzt erkennt den Befall mittels einer mikroskopischen Untersuchung des Stuhls, bei der die Wurmeier sichtbar sind.

 

Die Spulwurminfektion (Askariasis) verbreitet sich hauptsächlich über roh genossenes Gemüse, das in warmen Ländern gezogen worden ist und mit infizierten Fäkalien gedüngt wurde. Nach der Aufnahme in den Magen-Darm-Trakt dringen die Parasiten durch die Wand des Dünndarms und gelangen auf dem Blutweg von der Leber in die Lunge. Von dort aus wandern sie über die Luftröhre nach oben und kommen von dort zurück in den Darm.

 

Behandlung und hygienische Maßnahmen sind dieselben wie beim Madenwurmbefall. Zusätzlich sind weitere präventive Maßnahmen sinnvoll.

 

  • Spulwürmer: Weitere Präventionsmaßnahmen
  • Gemüse meiden, das mit Fäkaldüngung behandelt sein könnte.
  • Kein Fallobst essen, ohne es vorher ausreichend zu erhitzen.
  • Nach dem Kontakt mit Erde oder Sand (z. B. von Spielplätzen), die mit Tierfäkalien verunreinigt sein könnten, sofort die Hände intensiv waschen. Am besten ist es, diese Orte zu meiden.
  • Haustiere regelmäßig entwurmen (lassen), Ausscheidungen der Tiere nur mit Handschuhen entsorgen, Ablecken durch die Tiere unterbinden.
 

Bandwürmer

Hierzulande kommen der Schweine- (Taenia solium) und der Rinderbandwurm (Taenia saginata) vor. Rinderbandwürmer können ca. 15 Meter lang werden. Sie leben im Darm des Menschen. Die Krankheitszeichen reichen von Bauchbeschwerden und Unwohlsein bis zur Gewichtsabnahme trotz ausreichender Nahrungszufuhr. Der Befall mit Finnen (Zystizerkose durch Wurmlarven) kann Krankheitsbilder in verschiedenen Organen hervorrufen, z. B. im Gehirn. Zur Diagnose ist eine Stuhl- bzw. Blutuntersuchung erforderlich.

 

Die Infektion des Menschen erfolgt durch den Verzehr von unzureichend gegartem Fleisch. Es ist auch möglich, den Wurm durch fäkaliengedüngtes Gemüse zu erwerben. Behandlung und hygienische Maßnahmen sind dieselben wie beim Madenwurmbefall. Zusätzlich ist es sinnvoll, Fleisch vor dem Verzehr gründlich zu erhitzen oder vor dem Verzehr mindestens fünf Tage einzufrieren.

Hunde- und Fuchsbandwurm

Der Hundebandwurm (Echinococcus granulosus) und der Fuchsbandwurm (Echinococcus multilocularis) sind besonders gefährliche Parasiten, weil sie oft jahrelang unbemerkt bleiben und außerdem einen lebensgefährlichen Befall innerer Organe (vor allem der Leber) verursachen können. Der Befall verursacht u. a. (Ober-)bauchschmerzen, Ikterus, Leberschwellung und allergische Reaktionen. Für die Diagnose ist ein großer apparativer Aufwand erforderlich (u. a. Ultraschall, CT, Kernspin, Blutuntersuchungen), der meist nur in einem Krankenhaus zu leisten ist.

 

Menschen nehmen (als Fehlwirte) die Eier zum Beispiel durch den Verzehr von Beeren auf, die dicht am Waldboden wachsen. Die Behandlung erfolgt in erster Linie chirurgisch durch die Entfernung der Zysten, in denen sich der Echinococcus befindet. Falls dies nicht vollständig möglich ist, wendet der Arzt eine Langzeitbehandlung mit einem Anthelminthikum an.

 

  • Gebräuchliche Antiwurmmittel (Anthelminthika)
Präparat
Indikationen
Zusätzliche Hinweise

Mebendazol

(z. B. Vermox®)

Madenwürmer

Spulwürmer

Schweine- und Rinderbandwurm

Nicht anwenden bei Kindern unter einem Jahr und während der Schwangerschaft

Niclosamid

(z. B. Yomesan®)

Schweine- und Rinderbandwurm

Etwa zwei Stunden nach der Einnahme gut wirksames Abführmittel einnehmen (vermeidet eine Zystizerkose)

Praziquantel

(z. B. Cesol®)

Schweine- und Rinderbandwurm (Zystizerkose)

Nicht während Schwangerschaft und Stillzeit

Pyrantel

(z. B. Helmex®)

Madenwürmer

Spulwürmer

Als Alternative zu Mebendazol

Nicht anwenden bei Kindern unter sechs Monaten und während Schwangerschaft und Stillzeit

Albendazol

(z. B. Eskazole®)

Schweine- und Rinderbandwurm (Zystizerkose)

Hunde- und Fuchsbandwurm (als Langzeittherapie möglich)

Nicht anwenden während der Schwangerschaft

 

Wichtig | Raten Sie Ihren Patienten, Anthelminthika während der Mahlzeiten einzunehmen. Es ist möglich, dass unerwünschte Wirkungen auftreten, z. B. Kopf- und Bauchschmerzen, Übelkeit, Durchfall, Blutbildveränderungen sowie zentralnervöse und leberbedingte Störungen. In diesen Fällen ist eine umgehende Konsultation des Arztes erforderlich.

Quelle: Ausgabe 11 / 2016 | Seite 7 | ID 44358230