· Fachbeitrag · Medizinwissen
Verdauungsprobleme - was tun?
von Dr. med. Maria-Anna Schoppmeyer, Medizinjournalistin, Nordhorn
| Durchfall, Verstopfung, Stuhlunregelmäßigkeiten, Blähungen, Blut im Stuhl. All das sind Symptome, die in der Praxis des Allgemeinmediziners tagtäglich auftreten. Nicht selten wenden sich Patienten mit diesen Beschwerden auch an die MFA, da es ihnen unangenehm ist, dieses Thema mit dem Arzt zu besprechen. In solch einer Situation ist es für die MFA wichtig zu wissen, welche Beschwerden normal und welche krankhaft sind und daher unbedingt weiter durch den Arzt abgeklärt werden sollten. |
Was ist Verstopfung?
Viele Patienten glauben, wenn sie nicht täglich Stuhlgang haben, ist etwas nicht in Ordnung. Hier sollte die MFA beruhigend informieren. Eine Verstopfung, medizinisch Obstipation, die dann auch vom Arzt abgeklärt werden sollte, liegt erst vor, wenn die folgenden Beschwerden im letzten halben Jahr während drei Monaten aufgetreten sind:
- es zu weniger als drei Stuhlentleerungen in der Woche kommt,
- starkes Pressen zur Stuhlentleerung notwendig ist,
- klumpiger oder harter Stuhl abgesetzt wird,
- ein Gefühl der unvollständigen Entleerung besteht,
- die Stuhlentleerungen manuell unterstützt werden müssen.
An einer Verstopfung leiden 20 bis 30 Prozent der Menschen über 60 Jahre. Die Häufigkeit nimmt mit dem Alter zu, Frauen sind häufiger betroffen als Männer.
Organische Ursachen einer Verstopfung können beispielsweise Narben (Briden), Wandverdickungen oder Hindernisse (Adenome, Polypen, Tumore) im Darm sein. Auch Erkrankungen, die nicht direkt mit dem Darm zu tun haben, wie eine Schilddrüsenunterfunktion oder ein Diabetes mellitus, können zu einer Verstopfung führen. Diese Ursachen müssen vom Arzt abgeklärt und gegebenenfalls behandelt werden.
Häufig ist eine solche Ursache jedoch nicht zu finden. Der Grund für die Verstopfung ist dann meist in der Ernährung zu suchen. Häufig essen die Betroffenen zu viel faserarme Kost (zum Beispiel Weißbrot, Süßigkeiten, Pudding) und trinken zu wenig. Wenn dann noch Bewegungsmangel hinzukommt und der Stuhlgang aus Zeitmangel häufiger unterdrückt wird, sind die Probleme vorprogrammiert. Genau hier setzen die natürlichen Behandlungsmöglichkeiten an, die bei den verschiedenen Verdauungsproblemen helfen können und die die MFA den betroffenen Patienten empfehlen kann.
Tipps und Hausmittelchen bei Verstopfung | |
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Lässt sich die Verstopfung trotz solcher Maßnahmen nicht beheben, sollte die MFA darauf hinweisen, dass der Patient keinesfalls eigenmächtig zu Abführmitteln greifen sondern sein Problem mit dem Arzt besprechen sollte.
Merke | |
Abführmittel bergen immer die Gefahr des Gewöhnungseffekts. Die Wirkung der Medikamente lässt nach einiger Zeit nach und die Dosis muss gesteigert werden. Oft bleibt der erwünschte Effekt dann trotzdem aus und die Patienten geraten in einen Teufelskreis aus Dosissteigerung und Gewöhnung bzw. Abhängigkeit. Zusätzlich entziehen Abführmittel dem Darm Kalium, was die Verstopfung weiter fördert. |
Aufhorchen sollte die MFA auch, wenn die Verstopfung im Wechsel mit Durchfall auftritt. Solche Stuhlunregelmäßigkeiten müssen immer durch den Arzt abgeklärt werden, da sich dahinter ein Darmtumor verbergen kann. Ebenfalls ein Alarmsymptom ist Blut im Stuhl. Häufig wird Blut im Stuhl von den Patienten auf ihre Hämorrhoiden zurückgeführt. In der Tat führen Hämorrhoiden auch sehr häufig zu Blutauflagerungen. Diese sind jedoch so häufig, dass etwa die Hälfte aller Patienten, bei denen ein Darmtumor diagnostiziert wird auch Hämorrhoiden hat. Blut im Stuhl muss immer abgeklärt werden!
Was ist Durchfall?
Von Durchfall, medizinisch Diarrhoe, spricht man, wenn es zu mehr als drei Stuhleentleerungen am Tag kommt, der Stuhl flüssig und die Stuhlmenge vermehrt ist. Etwa 30 Prozent der Bevölkerung hat einmal im Jahr eine Durchfallepisode. Meist führt sie diese aber nicht zum Arzt, sondern wird zu Hause mit Hausmitteln kuriert. In der Regel ist sie dann nach drei Tagen abgeklungen. Häufige Ursachen von Durchfall sind Magen-Darm-Infektionen und Lebensmittelvergiftungen durch bakterielle Toxine; seltener sind beispielsweise chronische Darmentzündungen (M. Crohn, Colitis ulcerosa), Darmtumore, hormonelle Störungen (Diabetes mellitus, Schilddrüsenüberfunktion) oder ein Reizdarmsyndrom verantwortlich. Durchfall sollte, wenn er länger besteht, immer durch den Arzt abgeklärt werden. Gerade bei älteren Patienten und bei Kindern besteht die Gefahr der Exsikkose, die nicht auf die leichte Schulter genommen werden sollte.
Merke | |
Kommt ein Patient mit Durchfall in die Praxis müssen Hygienemaßnahmen besonders penibel eingehalten werden: Gründliche Händedesinfektion und Flächendesinfektion im Sanitärbereich sowie aller kontaminierten Flächen wie beispielsweise Patientenliege, Arbeitsflächen usw. sind zwingend erforderlich. In vielen Praxen gibt es für solche Fälle zudem einen speziellen Hygieneplan, der das prinzipielle Vorgehen regelt. |
Wann spricht man von Blähungen?
Ein für viele Patienten besonders unangenehmes Thema sind Blähungen, medizinisch Meteorismus. Die meisten Betroffenen klagen über ein Völlegefühl bzw. das Gefühl des Aufgeblähtseins. Dabei ist der Abgang von Darmgasen individuell sehr verschieden und solange keine weiteren Beschwerden auftreten auch harmlos. Die tägliche Gasausscheidung, medizinisch Flatulenz, variiert zwischen 0,5 bis 2,0 Litern pro Tag, das entspricht etwa 20 Pfürzen (Flatus) täglich.
Ursachen von Blähungen sind meist ein vermehrtes Luftschlucken sowie eine gesteigerte Gasbildung im Darm durch die natürlich vorkommenden Bakterien. Wenn diese Luft den Bauch nicht ungehindert verlassen kann, wird es für den Betroffenen häufig unangenehm. Die gestaute Luft überdehnt den Darm und kann zu Bauchschmerzen führen. Auch hier kann die MFA den Betroffenen einige hilfreiche Hinweise geben:
Tipps zum Vorbeugen von Blähungen | |
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