· Fachbeitrag · Medizinwissen
Tipps und Tricks bei der Blutzuckermessung
von Dr. med. Marianne Schoppmeyer, Ärztin und Medizinjournalistin, Nordhorn
| Den Blutzucker schnell und regelmäßig zu bestimmen ist für den Diabetiker - insbesondere, wenn er insulinpflichtig ist - Voraussetzung für eine gute Einstellung seines Stoffwechsels. Viele Diabetiker haben dafür zuhause ein Blutzucker-Messgerät mit entsprechenden Teststreifen und kontrollieren so ihren Blutzucker eigenverantwortlich. Doch was so einfach aussieht, zeigt im Alltag so manche Tücke und Fehlerquelle. |
Verantwortlichkeit der MFA
Lautet bei einem Patienten die Diagnose auf Diabetes mellitus, ist die MFA mit ihrem Wissen gefragt. Denn meist ist sie es, die nach der Diagnosestellung diesen Patienten in die Technik der Selbstmessung einweist und ihn auch im Verlauf der Erkrankung immer wieder trifft und betreut. Gerade am Beginn einer Diabetestherapie sind die Patienten noch hoch motiviert, weshalb gerade zu diesem Zeitpunkt besonderes Augenmerk auf die Schulung und Einweisung in die Selbstmessung des Blutzuckers gelegt werden sollte. Nicht zuletzt sollte aber auch jede MFA die Blutabnahme an der Fingerbeere sicher und schmerzarm beherrschen, da dies in vielen Allgemeinarztpraxen zu ihren täglichen Aufgaben gehört.
Die Blutentnahme an der Fingerbeere
Die Blutentnahme am Finger ist nicht schmerzfrei, für nicht wenige Diabetiker ist sie sogar unangenehmer als die eigentliche Insulin-Injektion. Aus diesem Grund und um Messfehler zu vermeiden, sollte Folgendes beachtet werden:
- Die Patienten sollten vor der Blutentnahme ihre Hände mit warmem Wasser waschen. Dies fördert die Durchblutung der Hände und eventuelle Zuckerrückstände auf der Haut, beispielsweise von Obst, werden entfernt. Eine Desinfektion des Fingers ist nicht notwendig.
- Zum Stechen sollten immer neue, unbenutzte Lanzetten in die Stechhilfe eingesetzt werden.
- Die Einstichtiefe der Lanzette kann an die Hautdicke und den Verhornungsgrad der Haut angepasst werden. Bei der Hand eines Handwerkers ist beispielsweise eine größere Einstichtiefe notwendig als bei der eines Bankangestellten.
- Eventuell kann der Arm kurz nach unten gehalten oder ausgeschüttelt werden, damit mehr Blut in die Finger fließt. Der Finger sollte nicht in Augenhöhe gehalten werden, um besser stechen zu können.
- Es sollte immer seitlich in die Fingerbeere gestochen werden, da sich hier weniger Nervenenden als in der Mitte der Fingerbeere befinden. Geeignet sind Zeige-, Mittel- und Ringfinger.
- Das Blut darf nicht aus der Einstichstelle herausgepresst werden. So wird der Messwert unter Umständen verfälscht. Allerdings ist bei den modernen Blutzuckermessgeräten auch nur so wenig Blut notwendig, dass in der Regel die regulär bei einem Einstich austretende Blutmenge ausreicht.

Quelle: Pressedienst - AVIE GmbH
Mögliche Fehlerquellen
Neben der Blutgewinnung können mögliche Fehler auch bei den Teststreifen und beim Messgerät selbst liegen. Teststreifen sind nicht ewig haltbar. Sie besitzen ein Haltbarkeitsdatum, auf das geachtet werden sollte. Und eine angebrochene Packung Teststreifen muss innerhalb eines vorgegebenen Zeitraumes verbraucht werden. Weitaus häufiger wird allerdings achtlos mit den Teststreifen umgegangen. So sollten sie immer in der dafür vorgesehenen Dose aufbewahrt werden, die geschlossen gehalten werden muss. Auch Feuchtigkeit oder extreme Temperaturen können zu falschen Messwerten führen.
PRAXISHINWEIS | Manche Messgeräte müssen bei Anbruch einer neuen Packung von Teststreifen kodiert werden. Daran sollten Sie besonders ältere Patienten von Zeit zu Zeit erinnert. |
Konsequenzen müssen folgen
Die Selbstmessung des Blutzuckers ist nur sinnvoll, wenn daraus auch therapeutische Konsequenzen erwachsen. Es ist sinnlos, wenn der Patient mit einem Wust von Daten in die Praxis kommt, diese aber niemanden interessieren. Daher sollten Sie die Ergebnisse in einem Beratungsgespräch mit dem Arzt diskutieren und gemeinsam Handlungsempfehlungen erarbeiten.