· Fachbeitrag · Medizinwissen
„Hatschi!“ - Hilfe bei Heuschnupfen
von Dr. med. Marianne Schoppmeyer, Ärztin und Medizinjournalistin, Nordhorn
| In Deutschland ist jeder vierte bis fünfte Erwachsene von Heuschnupfen betroffen. Gerade zum Frühjahr kommen vermehrt Patienten mit laufender Nase, unangenehmem Niesreiz und Augenjucken in die Hausarztpraxis. Häufig werden diese Beschwerden von den Patienten eher als Belästigung denn als Erkrankung angesehen. Unbehandelt können sie sich jedoch im Laufe der Zeit verschlechtern. Im schlimmsten Fall kann sich ein Asthma bronchiale entwickeln. Allergiker sollten diese Symptome daher ernst nehmen und weiter durch einen Arzt abklären lassen. |
Was wird beim Verdacht auf Heuschnupfen getan?
Wichtig ist es, herauszufinden, auf was genau ein Patient allergisch reagiert. Hier führen häufig schon einige wenige Fragen auf die richtige Spur:
- Wo treten die Beschwerden auf? Im Freien oder in geschlossenen Räumen? Am Arbeitsplatz? Im Bett?
- Treten die Beschwerden das ganze Jahr hindurch gleichbleibend auf oder sind sie an bestimmte Jahreszeiten gekoppelt?
- Gibt es bestimmte Auslösefaktoren? Hat der Patient einen Verdacht?
Durchführung eines Prick-Tests
Nach der Befragung des Patienten folgt dann in der Regel ein Prick-Test, mit dem schnell und einfach die den Heuschnupfen auslösenden Allergene bestimmt werden können.
Vor der Testung zu beachten
Der Prick-Test kann in der Hausarztpraxis durchgeführt werden. Zunächst sollten Sie den Patienten darauf hinweisen, dass bestimmte Medikamente einige Tage vor der Testung abgesetzt werden müssen.
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Medikament | Zeitraum vor dem Test |
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Am Tag der Testung sollten Sie den Patienten noch einmal fragen, ob er die genannten Medikamenten auch wirklich über den erforderlichen Zeitraum nicht eingenommen hat, da die Testergebnisse ansonsten nur eingeschränkt interpretiert werden können. Für den Test selbst müssen die Allergen-Extrakte mindestens 30 Minuten vor der Testung im Kühlschrank gelagert werden.
Ablauf der Testung
Zunächst wird die Innenseite des Unterarms des Patienten desinfiziert und die erforderliche Anzahl an Testfeldern aufgezeichnet. Diese sollten einen Abstand von etwa 3 cm aufweisen und sich mindestens zwei Fingerbreit vom Handgelenk und der Ellenbeuge entfernt befinden. Testen Sie nicht auf Hautveränderungen wie beispielsweise Muttermalen, Hämatomen oder Narben. Alternativ kann als Testfläche auch der obere Rücken verwendet werden.
Auf die Testfelder wird nun jeweils ein Tropfen der verschiedenen Testlösungen aufgebracht. Dabei dürfen die Testlösungen nicht miteinander in Kontakt kommen. Als Negativkontrolle (die Haut darf keine Quaddel bilden) wird physiologische Kochsalzlösung verwendet, als Positivkontrolle (die Haut muss mit einer Quaddel reagieren) eine Histaminlösung. Dokumentieren Sie sorgfältig, wo welches Allergen getestet wurde, damit es beim Ablesen des Testergebnisses zu keiner Verwechselung kommt. Hilfreich ist es, die Testsubstanzen immer in der gleichen Reihenfolge aufzubringen.
Anschließend wird in jedes Testfeld mit einer speziellen Prick-Lanzette durch den Tropfen hindurch einen Millimeter tief eingestochen. Verwenden Sie für jedes Testfeld eine frische Lanzette, um Allergenverschleppungen zu vermeiden. Sollte es zu einer Blutung kommen, muss die betroffene Substanz erneut an einer anderen Stelle getestet werden. Besondere Vorsicht ist bei Patienten geboten, die antikoaguliert sind.
Die Auswertung
Die Testfelder werden nach 20 Minuten abgelesen. Vorher sollte die auf der Haut verbliebene Testlösung abgewischt werden. Ein positives Testergebnis, also eine Sensibilisierung auf das getestete Allergen, liegt vor, wenn sich eine Quaddel und meist eine Hautrötung entwickelt haben.
Der Test sollte nur ausgewertet werden, wenn die Testung mit der Kochsalzlösung keinen Befund ergibt und bei der Histaminlösung eine deutliche Quaddel entstanden ist. Mitunter sind Quaddelreaktionen schwer abzugrenzen. Hilfreich ist in solchen Fällen, die Haut des Patienten leicht anzuspannen. Dann wird der jeweils größte Durchmesser der Quaddel in Millimetern gemessen und dokumentiert. Die Interpretation des Prick-Testes sollte immer in Zusammenhang mit den Beschwerden des Patienten erfolgen.
MERKE | Zwar ist ein allergischer Schock während eines Prick-Tests extrem selten, trotzdem sollte das Team auf einen solchen Zwischenfall vorbereitet sein, um entsprechend schnell handeln zu können. Vorboten eines allergischen Schocks sind unter anderem Schwindel, Kopfschmerzen und Juckreiz. Der Arzt muss sofort benachrichtigt werden. Es handelt sich um einen Notfall! |
Was tun bei Heuschnupfen?
Die Therapie des Heuschnupfens hat drei verschiedene Ansätze:
- Meiden der auslösenden Allergene (Allergenkarenz)
- Einnahme von Medikamenten, welche die Beschwerden lindern
- Spezifische Immuntherapie (SIT)/Hyposensibilisierung, um eine Allergie im besten Fall zu heilen.
Die Verschreibung von Medikamenten und die Durchführung einer SIT fallen ausschließlich in den Aufgabenbereich des Arztes. Bei der Beratung des Patienten zur Vermeidung von Allergenen können Sie als MFA jedoch wertvolle Dienste leisten.
So können Allergene gemieden werden
Ein Patient mit Pollenallergie sollte sich möglichst wenig im Freien aufhalten. Hier sollte auf Pollenflug-Kalender hingewiesen werden, die Auskunft geben, in welchen Monaten mit einer besonders starken Belastung für die für Allergiker wichtigen Pollenarten (Hasel, Erle, Birke, Esche, Gräser, Roggen, Beifuß und Ambrosia) sind. Diese Pollen sind nachweislich in mehr als 90 Prozent aller Fälle die Auslöser eines Heuschnupfens. Empfehlenswert ist etwa der Pollenflug-Kalender der Stiftung Deutscher Polleninformationsdienst, derunter www.pollenstiftung.de/pollenvorhersage/pollenflug-kalender/ heruntergeladen werden kann.
Daneben veröffentlicht der Deutsche Wetterdienst auf www.dwd.de/pollenflug/ die aktuellen Pollenbelastungen für ganz Deutschland mit Vorschau auf die nächsten zwei Tage. Hier kann auch ein täglich aktualisierter Pollenflug-Newsletter kostenlos angefordert werden, der dann täglich per E-Mail zugestellt wird.
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Weiterführender Hinweis
- Die wichtigsten englischen Vokabeln, um geplagten Patienten gute Tipps geben zu können:English for doctor’s assistants - Part 8 (PPA Nr. 05/2012, Seite 15)