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· Fachbeitrag · Medizinwissen

Osteoporose: Prävention ist das A und O

von Dr. Marianne Schoppmeyer, Medizinjournalistin, www.medizinundtext.de

| Osteoporose ist eine weit verbreitete Erkrankung, die allerdings in der Öffentlichkeit wenig beachtet wird. Schätzungen zufolge sind Millionen Menschen in Deutschland von ihr betroffen. Auch von Ärzten wird die Osteoporose häufig unterschätzt, zu selten diagnostiziert und therapiert. Das Tückische für die Patienten ist dabei, dass die Osteoporose sich schleichend entwickelt und lange Zeit keine Beschwerden hervorruft. Daher wird sie von vielen Patienten überhaupt nicht wahrgenommen. |

Was ist eine Osteoporose?

Bei der Osteoporose nimmt die Masse und Dichte der Knochen ab. Dies bedingt eine insgesamt schwache, poröse Knochensubstanz mit häufigeren Knochenbrüchen. Gerade für alte Menschen kann ein Knochenbruch weitreichende Folgen wie Verlust der Selbständigkeit, Pflegebedürftigkeit und Umzug in ein Seniorenheim haben. Soweit muss es allerdings nicht kommen. Denn einer Osteoporose kann aktiv gegengesteuert werden.

 

  • Osteoporose: Beeinflussbare Risikofaktoren
  • Mangel an weiblichen Sexualhormonen (Östrogenen), wie er mit Beginn der Wechseljahre bei Frauen auftritt (fehlende Östrogene führen zu gesteigertem Knochenabbau; ab dem 70. Lebensjahr kann Osteoporose bei jeder zweiten Frau nachgewiesen werden)
  • Bewegungsmangel
  • Alkohol, Nikotin
  • Fehlernährung, Untergewicht
  • Medikamente, wie Kortikosteroide, Protonenpumpenhemmer, Antiepileptika, die als unerwünschte Nebenwirkung Osteoporose hervorrufen
 

Nicht zu beeinflussende Risikofaktoren sind das zunehmende Alter, weibliches Geschlecht und eine genetische Veranlagung. Daneben kann eine Osteoporose auch in der Folge anderer Grunderkrankung auftreten wie Malabsorptionssyndrom, Morbus Crohn oder Rheumatoide Arthritis.

Wie wird eine Osteoporose diagnostiziert?

Besteht der Verdacht auf eine Osteoporose sollte eine Knochendichtemessung (Osteodensitometrie, Dual Energy X-Ray-Absorptionsmetrie, abgekürzt DXA) durchgeführt werden. Die Knochendichtemessung ist eine strahlungsarme Röntgenmethode. Die Strahlenbelastung ist geringer als bei einer normalen Röntgenaufnahme. Die Untersuchung selbst dauert nur wenige Minuten und wird meist vom Radiologen durchgeführt (Foto online unter http://tinyurl.com/heejqvz). Dabei wird bestimmt, wie viel Mineralsalz der Knochen enthält. Der ermittelte Messwert, der sogenannte T-Wert (oder T-Score), beschreibt die Knochendichte und damit die Ausprägung des Knochenschwunds.

 

  • Ausprägungen der Osteoporose
  • T-Wert von -1,0 bis -2,5: Osteopenie (ein Vorstadium der Osteoporose)
  • T-Wert < -2,5: Osteoporose ohne Frakturen
  • T-Wert < -2,5 und Fakturen ohne adäquates Trauma: manifeste Osteoporose
 

Mithilfe der Knochendichtemessung kann eine Osteoporose bereits diagnostiziert werden, wenn der Patient noch nicht über Beschwerden klagt und noch kein Knochenbruch stattgefunden hat. Patienten können dann schon früh vorbeugende Maßnahmen ergreifen und so ein Fortschreiten der Erkrankung verhindern. Des Weiteren kann der Erfolg einer Therapie mittels Knochendichtemessung dokumentiert werden.

 

Die gesetzliche Krankenkasse trägt die Kosten einer Knochendichtemessung

  • bei Osteoporose-Patienten, die aufgrund der Erkrankung bereits einen Knochenbruch erlitten haben,
  • bei Risikopatienten mit bestimmten Vorerkrankungen und
  • bei Patienten, bei denen eine Behandlungsabsicht besteht.

 

MERKE | Dient die Knochendichtemessung lediglich der Früherkennung einer Osteoporose, ist sie eine individuelle Gesundheitsleistung (IGeL), deren Kosten vom Patienten selbst bezahlt werden müssen. Diese liegen bei etwa 40 Euro.

 

Therapie der Osteoporose

Osteoporose ist eine chronische Erkrankung, die sich nicht von heute auf morgen beheben lässt. Versuchen Sie Ihren Patienten klarzumachen, dass die Therapie der Osteoporose Geduld und Ausdauer erfordert. Vor allem aber müssen Ihre Patienten selbst aktiv werden. Denn die Grundlage jeder medikamentösen Therapie sind eine gesunde Ernährung und Bewegung. Die Einnahme von Medikamenten allein ist nicht ausreichend.

 

Bewegung

Für einen gesunden Knochen ist Belastung wichtig. Vor allem Kräftigungsübungen schützen den Knochen vor Substanzabbau und fördern den Aufbau neuer Knochensubstanz. Empfehlen Sie Ihren Patienten ein spezielles Osteoporose-Training. Das Osteoporose-Training (Funktionstraining) vermittelt unter geschulter Anleitung sieben Übungen, die auf eine Osteoporose abgestimmt und auch für ältere Patienten noch machbar sind. Im Vordergrund stehen dabei mehr Kraft- als Ausdauerübungen.

 

  • Osteoporose-Training: weitere Inhalte
  • Gleichgewichtsübungen zur Vorbeugung vor Stürzen (und damit vor Knochenbrüchen)
  • Übungen zur Stabilisierung der Wirbelsäule und Kräftigung der Rumpfmuskulatur
  • Tipps zum Umgang mit Schmerzen
  • Entspannungsübungen
 

Das Funktionstraining findet mit anderen Betroffenen in einer Gruppe statt und fördert so auch den Austausch untereinander. Es wird vom Arzt auf dem Formblatt F56 außerhalb des Heilmittelbudgets verordnet und von der Krankenkassen bezahlt.

 

PRAXISHINWEIS | Besonders wichtig ist es, Stürzen vorzubeugen. Denn wer nicht stürzt, bricht sich i. d. R. auch keine Knochen (siehe PPA 09/2016, Seite 11). Raten Sie gehbeeinträchtigten Patienten, Hilfsmittel wie Gehstützen oder einen Rollator zu verwenden. Im häuslichen Umfeld sollten Stolperfallen beseitigt werden. Auch das Sehvermögen sollte regelmäßig vom Augenarzt kontrolliert werden.

 

Ernährung

Neben Sport und Bewegung spielt die Ernährung bei der Vorbeugung und Therapie der Osteoporose eine wichtige Rolle. Gesunder Knochen benötigt ausreichend Vitamin D und Kalzium. Daher sollten Ihre Patienten auf eine kalziumreiche Ernährung achten. Kalzium ist nicht nur in Milch und Milchprodukten enthalten, sondern auch in verschiedenen Gemüsesorten wie Grünkohl und Brokkoli sowie in Soja und Nüssen. Auch beim Mineralwasser kann auf den Kalziumgehalt geachtet werden. Empfehlenswert sind Mineralwässer mit mehr als 150 mg Kalzium pro Liter. Wer auf eine ausreichende Aufnahme von Kalzium mit der Nahrung achtet, benötigt dann in der Regel auch keine Kalziumtabletten.

 

MERKE | Damit das mit der Nahrung zugeführte Kalzium vom Körper aufgenommen und verwertet werden kann, benötigt dieser Vitamin D. Vitamin D wird in der Haut unter dem Einfluss von Sonnenlicht gebildet. Insbesondere in den Wintermonaten und bei älteren Menschen, die sich nicht mehr so viel draußen aufhalten, kann es jedoch notwendig sein, Vitamin D zusätzlich als Tabletten einzunehmen.

 

Medikamente

Der Arzt entscheidet, wann eine medikamentöse Therapie sinnvoll ist. Grundlage ist in der Regel das Ergebnis der Knochendichtemessung. Berücksichtigt wird jedoch nicht nur die aktuelle Situation, sondern auch das künftige Risiko, eine Osteoporose zu erleiden. Die eingesetzten Medikamente unterstützen entweder den Knochenaufbau oder sie verhindern den weiteren Knochenabbau.

 

  • Medikamente zur Osteoporose-Therapie
  • Bisphosphonate, auch als Kombination mit Kalzium und/oder Vitamin D
  • Selektive Östrogenrezeptor-Modulatoren (SERM) wie Raloxifen
  • Denosumab
  • Parathormon
 

Weiterführende Hinweise

Quelle: Ausgabe 09 / 2016 | Seite 6 | ID 44224362