· Fachbeitrag · Medizinwissen
Hyperhidrose: Wie viel Schwitzen ist noch normal?
von Dr. med. Marianne Schoppmeyer, Nordhorn, www.medizinundtext.de
| Bei dem einen rinnt im Sommer der Schweiß in Strömen, für den anderen sind auch Außentemperaturen von 30° C kaum ein Problem. Jeder Mensch schwitzt verschieden stark. Geschwitzt wird jedoch nicht nur bei warmer Umgebungstemperatur und körperlicher Anstrengung. Auch Stress und Nervosität können Auslöser sein. |
Bedeutung des Schwitzens
Schwitzen ist für den menschlichen Körper lebenswichtig. Damit biologische und chemische Reaktionen regelhaft ablaufen können, ist eine konstante Körpertemperatur von etwa 37 ° C notwendig. Schwitzen reguliert die Körpertemperatur und verhindert ein Überhitzen. Der Schweiß auf der Haut dient als Kühlsystem. Indem er verdunstet, entzieht er dem Körper Wärme, sodass dieser abkühlen kann. Doch Schweiß hat nicht nur diese positiven Eigenschaften. Wenn Schweiß nicht abfließen kann wie z. B. unter den Achseln, zersetzen Bakterien das Sekret. Dies führt zu unangenehmer Geruchsbildung. Auch machen sich schnell unschöne Flecken auf der Kleidung bemerkbar.
Wenn Schwitzen krankhaft ist
Gerade für Menschen, die beruflich in der Öffentlichkeit stehen, ist starkes Schwitzen ein Problem, das gesellschaftlich wenig akzeptiert ist. Manche Menschen schwitzen krankhaft viel und schnell. Der Schweiß läuft ihnen in Strömen den Körper hinunter, ohne dass ein adäquater Reiz vorliegen würde. In diesen Fällen spricht man in der Medizin von einer Hyperhidrose. Ursache ist eine Fehlfunktion des vegetativen Nervensystems. Die Nerven, die die Schweißdrüsen in der Haut erregen, sind zu aktiv und rufen eine übermäßige Schweißproduktion hervor. Diese kann drei Liter am Tag und mehr betragen.
Von der Hyperhidrose kann jede Körperregion betroffen sein. Besonders häufig kommt es jedoch an folgenden Stellen zum übermäßigen Schwitzen:
- Hand: Betroffene haben häufig kalte, nasse Handflächen. Sie reichen ihre Hände ungern zum Gruß.
- Achselhöhle: Betroffene leiden unter der sichtbaren Nässe und Geruchsentwicklung, die auch für die Umgebung unangenehm werden kann.
- Füße: Schweißfüße sind zwar lästig, werden aber von den Betroffenen meist als weniger einschränkend empfunden.
Ursachen der Hyperhidrose
Es wird zwischen einer primären und sekundären Hyperhidrose unterschieden. Bei der primären Hyperhidrose liegt dem Schwitzen - wie bereits beschrieben - keine spezielle Erkrankung zugrunde. Übermäßiges Schwitzen kann jedoch auch im Rahmen verschiedener Erkrankungen auftreten. In diesen Fällen wird von einer sekundären Hyperhidrose gesprochen. Bevor der Arzt eine primäre Hyperhidrose diagnostiziert, müssen diese Erkrankungen ausgeschlossen werden. Insbesondere nächtliches Schwitzen sollte unbedingt abgeklärt werden.
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Therapiemöglichkeiten und Hinweise für Patienten
Zur Behandlung der Hyperhidrose stehen verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung.
Antiperspirant/Deodorant mit Aluminiumchlorid | Aluminiumchlorid verschließt die Ausführungsgänge der Schweißdrüsen. Sehr gute Wirksamkeit, aber umstritten. Aluminium ist in der Diskussion, Brustkrebs und M. Alzheimer zu begünstigen. Daher sollte ein Deo verwendet werden, dessen Aluminiumgehalt nicht über 15 Prozent liegt. Es sollte nicht häufiger als einmal pro Tag benutzt werden und nicht auf rasierte Haut aufgetragen werden. |
Iontophorese | Mithilfe eines Wasserbads wird Gleichstrom durch die betroffenen Hautareale geleitet. Der Wirkmechanismus ist bislang nicht hinreichend geklärt. |
Botulinumtoxin (Botox) | Medikamentöse Blockade der Übertragung von Nervimpulsen auf die Schweißdrüsen, sodass diese keinen Schweiß mehr produzieren. Viele kleine Einspritzungen in die betroffenen Hautareale sind erforderlich. |
Operative Verfahren | Saugkürettage (Absaugung der Schweißdrüsen) und Radiofrequenzablation (Zerstörung der Schweißdrüsen durch Radioimpulse). Besonders aufwendig. |
Wichtig | Inwieweit die Krankenkassen die Kosten für eine Iontophorese, Botox-Injektion oder operative Behandlung übernehmen, hängt meist vom Einzelfall ab. Betroffene sollten dies im Vorfeld abklären. Für manche Patienten sind bereits einige hilfreiche Tipps gegen starkes Schwitzen ausreichend.
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