· Fachbeitrag · Medizinwissen
Frühjahrsmüdigkeit - Abgeschlagen trotz Sonnenschein
von Dr. med. Marianne Schoppmeyer, Medizinjournalistin, Nordhorn
| Überall ist es draußen zurzeit zu beobachten: Die Natur erwacht zu neuem Leben, die Tage werden länger, die Temperaturen steigen. Doch während Pflanzen und Tiere aus ihrem Winterschlaf erwachen, fühlt sich - Schätzungen zufolge - rund die Hälfte der Bundesbürger zu diesem Zeitpunkt schlapp und müde. Verlässliche Zahlen und Forschungsergebnisse gibt es nur wenige. Und auch wenn es sich bei der Frühjahrsmüdigkeit nicht um eine Erkrankung im eigentlichen Sinne handelt, werden Sie als MFA in der Praxis immer wieder Patienten antreffen, die über Frühjahrsmüdigkeit klagen. |

Wie äußert sich Frühjahrsmüdigkeit?
Typischerweise treten die Symptome der Frühjahrsmüdigkeit zwischen Mitte März und Mitte April auf. Die Betroffenen fühlen sich schlapp und antriebslos. Hinzu kommen häufig Kopfschmerzen, Schwindel, Kreislaufschwäche und Gereiztheit.
Klagt ein Patient über diese Beschwerden, sollte er von Ihnen als MFA immer ernst genommen werden. Denn Frühjahrsmüdigkeit ist keine Einbildung oder müde Ausrede. Für den Patienten sind seine Beschwerden sehr real, auch wenn die Forschung bislang nicht sicher klären konnte, wie es zu ihnen kommt.
Was sind die Ursachen der Frühjahrsmüdigkeit?
Bei der Frühjahrsmüdigkeit handelt es sich wahrscheinlich, um ein Problem des Körpers bei der Umstellung vom Winter zum Sommer. Verantwortlich dafür sind unter anderem Licht und Temperatur. In der dunklen Jahreszeit bildet unser Körper mehr von dem Schlafhormon Melatonin. Ist es nun länger hell, drosselt der Körper die Melatonin-Produktion erst ganz allmählich. Gleichzeitig wird unter Lichteinfluss die Produktion des aktivierenden Hormons Serotonin angeregt. Bis sich ein neues Gleichgewicht zwischen diesen Hormonen eingestellt hat, vergeht meist einige Zeit. Folge könnten die bekannten Beschwerden der Frühjahrsmüdigkeit sein.
Auch die steigenden Temperaturen mit Beginn des Frühlings könnten eine Rolle spielen. Wenn es draußen wärmer wird, steigt die Körpertemperatur minimal an, die Blutgefäße weiten sich und der Blutdruck sinkt etwas ab. Auch dies könnte ursächlich dazu beitragen, dass sich einige Menschen schlapper fühlen.
Nicht zuletzt verleiten die längeren Tage natürlich auch dazu, später ins Bett zu gehen und am Morgen aufgrund der Helligkeit früher aufzustehen. Die Schlafzeit ist also in der Tat geringer, sodass eine Müdigkeit tagsüber nicht verwunderlich ist. Eine letztendliche Antwort auf die Frage nach den Ursachen der Frühjahrsmüdigkeit gibt es allerdings nicht.
Was tun bei Frühjahrsmüdigkeit?
Wichtiger als die Ursachen der Frühjahrsmüdigkeit zu kennen, sind für den Patienten in der Praxis einige Tipps, was dagegen zu tun ist: Wer zu Beginn des Frühlings schnell wieder fit werden möchte, sollte viel nach draußen ans Tageslicht und an die frische Luft gehen. So wird der Kreislauf angeregt und die Sonne kurbelt die Bildung des aktivierenden Hormons Serotonin an. Dafür reicht häufig schon ein täglicher etwas ausgedehnterer Spaziergang aus.
Ein wenig mehr Überwindung kosten Wechselduschen am Morgen. Dafür werden die Beine mehrmals abwechselnd mit warmem und kaltem Wasser abgebraust. Es sollte stets mit kaltem Wasser abgeschlossen werden. So wird der Kreislauf angeregt und die morgendliche Müdigkeit verschwindet. Auch auf die Ernährung sollte man achten: Viel frisches Obst und Gemüse halten mit ihren Vitaminen und Mineralstoffen den Körper fit.
Kann Frühjahrsmüdigkeit auch andere Ursachen haben?
Doch nicht hinter jeder Erschöpfung steckt Frühjahrsmüdigkeit. Wenn die Abgeschlagenheit länger als vier Wochen anhält und trotz der oben genannten Tipps nicht verschwindet, sollten Sie als MFA den Patienten darauf hinweisen, dass er den Arzt wegen seiner Beschwerden ansprechen soll. Mögliche Erkrankungen, die zu Abgeschlagenheit führen können, sind:
- Anämie
- Niedriger Blutdruck
- Unterfunktion der Schilddrüse
- Erkrankungen des Immunsystems
- Herzerkrankungen wie Herzinsuffizienz, Herzrhythmusstörungen oder Koronare Herzkrankheit
- Tumorerkrankungen
- Psychische Erkrankungen wie Depression oder Burn-out-Syndrom
- Nebenwirkung von Medikamenten
- Chronisches Erschöpfungssyndrom