· Fachbeitrag · Medizinwissen
Fieber in der Hausarztpraxis
von Dr. med. Maria-Anna Schoppmeyer, Medizinjournalistin, Nordhorn
| In der Hausarztpraxis gehört Fieber mit zu den häufigen Anlässen, weshalb ein Patient die Sprechstunde aufsucht. Fieber muss Sie als MFA aber zunächst einmal nicht beunruhigen. Es ist eine normale Reaktion des Körpers auf verschiedene Einflüsse und unterstützt die Abwehrrektionen des Körpers. |
Was ist Fieber?
Die normale Körpertemperatur beträgt etwa 37 °C. Sie ist abhängig davon, zu welcher Tageszeit gemessen wird und wo gemessen wird. Ihren Höchstwert erreicht sie am Nachmittag, am niedrigsten ist sie ab der zweiten Nachthälfte bis zum Morgen. Erhöhte Körpertemperaturen werden unterschiedlich benannt. Von Fieber wird ab einer Temperatur > 38,5 °C (rektal gemessen) gesprochen.
- 36,6 - 37,5 °C: Normale Körpertemperatur
- 37,6 - 38,5 °C: Erhöhte/subfebrile Körpertemperatur
- 38,6 - 39,0 °C: Fieber
- > 39,1 °C: Hohes Fieber
Wie wird die Körpertemperatur exakt gemessen?
Fieber kann mit einem einfachen, digitalen Thermometer gemessen werden. Hat der Patient nicht bereits zu Hause gemessen oder bestehen Zweifel an der Messung, sollte diese in der Praxis wiederholt werden. Dafür wird über das Thermometer eine Einmal-Plastikhülle gezogen. Nach Gebrauch sollte das Thermometer zusätzlich mit Ethylalkohol desinfiziert werden. Für die Messung stehen verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung:
- Am genauesten ist die Fiebermessung im After (rektal). Dafür kann die Spitze des Thermometers mit etwas Vaseline oder Creme eingefettet werden, um das Einführen zu erleichtern. Das Thermometer sollte nicht weiter als 1,5 cm und nicht gegen Widerstände vorgeschoben werden. Die Normaltemperatur beträgt hier bis 37,5 °C.
- Bei der Fiebermessung im Mund (buccal) sollte das Thermometer weit unter die Zunge geschoben werden und der Patient sollte während der Messung den Mund geschlossen halten. Bei verstopfter Nase und bei Kleinkindern sollte diese Methode wegen der Beißgefahr nicht angewendet werden. Die Normaltemperatur beträgt hier bis 37,2 °C.
- Am angenehmsten für den Patienten, aber auch am ungenauesten ist die Messung in der Achselhöhle (axillär). Dafür wird die Spitze des Thermometers in die Achselhöhle geführt und der Patient aufgefordert, den Arm fest an die Körperseite zu pressen. Hier beträgt die Normaltemperatur bis 37,0 °C.
- Für die Messung im Ohr (aurikulär) ist ein spezielles Thermometer notwendig. Das Ohrthermometer misst in Sekundenschnelle, muss aber korrekt angewendet werden, um zuverlässige Messergebnisse zu erhalten. Häufig wird nicht die Temperatur am Trommelfell gemessen, sondern an irgendeiner anderen Stelle des Gehörgangs. Für die exakte Messung muss das Ohr leicht hoch gezogen werden, um so den Gehörgang zu begradigen. Die Normaltemperatur im Ohr beträgt bis 37,0 °C.
Wann ist der Arzt gefordert?
Häufig rufen Patienten in der Praxis an, berichten von Fieber und wollen wissen, was zu tun ist. Vom Telefon aus ist das natürlich schwer zu beurteilen, im Zweifelsfall sollte ein Patient aber immer in die Sprechstunde bestellt werden. Folgende Fragen können von der MFA am Telefon gestellt werden, um das Fieber besser einschätzen zu können:
- Seit wann besteht Fieber und wie hoch ist es?
- Bestehen zusätzliche Beschwerden (Husten, Schnupfen, Hautausschlag, Durchfall, Erbrechen, Schmerzen)?
- Sind andere Personen in der näheren Umgebung auch erkrankt?
Anhand der Antworten können Sie einschätzen, ob und wann der Patient in die Praxis kommen sollte. Ein Arztbesuch wird aber immer notwendig, wenn
- Fieber ohne erkennbare Ursache länger als zwei bis drei Tage andauert.
- bei Kindern ein Fieberkrampf auftritt, sie das Trinken verweigern oder die Eltern beunruhigt sind.
- die Atmung erschwert ist, was ein Hinweis auf eine mögliche kardiale Dekompensation ist, ein Funktionsfehler des Herzens also nicht mehr ausgeglichen werden kann.
- Fieber trotz Einnahme von Antibiotika länger als zwei bis drei Tage andauert.
- Fieber bei älteren Menschen auftritt, da diese häufig multimorbide sind, eine Vielzahl von Medikamenten einnehmen und wenig trinken. Hier kann Fieber zum raschen körperlichen Abbau führen, da ältere Menschen über keine oder wenig Reserven verfügen. Insbesondere bei älteren Menschen muss daran gedacht werden, dass Fieber häufig nicht so hoch ansteigt. Hier können bereits niedrige Temperaturen ein Alarmsignal sein.
- der Patient sich inadäquat verhält, beispielsweise aphatisch oder agitiert (unruhig) wirkt. Dies kann gerade bei älteren Menschen Zeichen einer Stoffwechselentgleisung, einer Sepsis oder einer Exsikkose sein.
- Fieber vorwiegend nachts auftritt und zusätzlich Nachtschweiß und Gewichtsverlust hinzukommen. Dies deutet auf eine Tumorerkrankung hin.
- Fieber nach einer Auslandsreise auftritt.
- Fieber periodisch beispielsweise alle zwei Tage auftritt.
- der Patient verunsichert ist und eine Abklärung wünscht.
In vielen Praxen gibt es zudem Absprachen mit dem Arzt, wann Patienten mit Fieber in die Praxis kommen sollen oder ein Hausbesuch gemacht wird.
Was sollte einem fiebernden Patienten empfohlen werden?
Der Patient sollte beruhigt werden, dass Fieber eine ganz normale und wichtige Reaktion des Körpers ist. Fieber unterstützt den Organismus beim Kampf gegen Krankheitserreger. Deshalb muss Fieber auch nicht in jedem Fall und sofort gesenkt werden. Steigt die Temperatur jedoch über 39 °C an, sollten fiebersenkende Mittel wie Paracetamol oder Ibuprofen eingenommen werden. Auch Wadenwickel senken die Körpertemperatur um etwa 0,5 °C.
Für Wadenwickel sollten zwei Tücher in kaltes Wasser getaucht und anschließend leicht ausgewrungen werden. Diese Tücher werden gut anliegend um die Waden gewickelt. Darüber wird jeweils noch ein trockenes Tuch gewickelt. Die Wadenwickel sollten nach etwa 20 Minuten entfernt werden, wenn sie Körperwärme erreicht haben.
Patienten mit Fieber sollten Bettruhe einhalten. So wird der Kreislauf geschont und der Körper kann die Energie für die Krankheitsabwehr einsetzen. Ganz wichtig ist es, den Patienten darauf hinzuweisen, ausreichend zu trinken. Durch das Schwitzen und die beschleunigte Atmung bei Fieber verliert der Körper vermehrt Flüssigkeit. Als Faustregel gilt, dass pro Grad Celsius ein halber bis ein Liter Flüssigkeit zusätzlich getrunken werden soll.