· Fachbeitrag · Medizinwissen
Damit die Arznei nicht im Papierkorb landet
von Dr. med. Marianne Schoppmeyer, Ärztin und Medizinjournalistin, Nordhorn
| Studien zeigen, dass über die Hälfte aller Patienten die ihnen verschriebenen Medikamente nicht zuverlässig einnehmen. Schätzungen zufolge kostet es die deutsche Volkswirtschaft über fünf Mrd. Euro, dass Medikamente zwar in der Apotheke geholt, aber dann nicht eingenommen werden. Diese mangelnde Therapietreue wird in der Medizin als mangelnde Compliance oder mangelnde Adhärenz bezeichnet. Als MFA können Sie die Compliance Ihrer Patienten maßgeblich beeinflussen. |
Information als wichtigster Einflussfaktor
Die Therapietreue des Patienten wird durch vielfältige Faktoren beeinflusst, die nachfolgend zusammengefasst sind.
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Negativ | Positiv |
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Beachten Sie | Die Information des Patienten ist in erster Linie Sache des Arztes. Trotzdem stellen Sie als MFA häufig ein wichtiges Bindeglied zwischen Arzt und Patient dar. Viele Patienten stellen so manche Frage lieber der MFA als dem Arzt. Manchem Patienten wird auch erst klar, dass er etwas nicht verstanden hat, wenn er das Untersuchungszimmer bereits wieder verlassen hat.
Befragung von MFA: Hoher Beratungsbedarf der Patienten
Welchen Stellenwert eine aufmerksame MFA für die Patienteninformation hat, zeigt auch eine Befragung durch das Institut für betriebswirtschaftliche Analysen, Beratung und Strategie-Entwicklung (IFABS). Für diese Befragung wurden 300 zufällig ausgewählte MFA aus Praxen von Allgemeinmedizinern und hausärztlich tätigen Internisten zum Beratungsbedarf von Patienten bezüglich ihrer Medikamente interviewt (siehe weiterführende Hinweise).
Es zeigte sich, dass die Patienten auch nach dem Gespräch mit dem Arzt noch einen erheblichen Beratungsbedarf haben. Über die Hälfte der MFA (56 Prozent) gaben an, regelmäßig von Patienten zu den verschriebenen Medikamenten befragt zu werden. Wie oft die Patienten sich mit Rückfragen an die MFA wenden, lässt sich aus folgender Abbildung entnehmen.

Die Fragen, die die Patienten den MFA zu einem verordneten Medikament am häufigsten stellten, lauteten:
- Was bewirkt das Medikament genau? (81 Prozent)
- Mit welchen Nebenwirkungen muss ich rechnen? (76 Prozent)
- Wie funktioniert das Präparat genau? (69 Prozent)
- Kann es zu Problemen mit den Medikamenten kommen, die ich bereits einnehme? (62 Prozent)
Hier zeigt sich deutlich, wie wichtig auch das Gespräch durch die MFA zur Medikamenteneinnahme ist. Rezepte, die nicht eingelöst werden und Medikamente, die falsch, unregelmäßig oder gar nicht eingenommen werden, schaden nicht nur dem Patienten. Sie haben weitere negative Folgen und verursachen Kosten in Höhe von rund fünf Mrd. Euro pro Jahr durch:
- Direkte Kosten der nicht eingenommenen Medikamente
- Unnötige weitere Arztbesuche wegen fortdauernder Beschwerden
- Anrufe in der Praxis und damit verbundenen höheren Zeitaufwand
- Krankenhauseinweisungen
- Notfallaufnahmen
- Unnötige Therapiewechsel
Richtiges Fragen will gelernt sein
Beginnen sie ein Gespräch zur Medikamenteneinnahme nach Möglichkeit mit einer offenen Frage, auf die der Patient nicht mit „Ja“ oder „Nein“ antworten kann. Ein „Ja“ oder „Neinp“ ist schnell gesagt und entspricht häufig nicht der Wirklichkeit. Offene Fragen fordern den Patienten auf, zu erzählen.
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Schlecht: „Haben Sie verstanden, wie Sie Ihre Medikamente einnehmen sollen?“ Besser: „Wie sollen Sie Ihre Medikamente einnehmen?“ |
Bei offenen Fragen ist der Patient eher bereit, Unklarheiten oder Schwierigkeiten anzusprechen. Daneben sollten Sie darauf achten, dem Patienten freundlich und zugewandt statt belehrend zu begegnen. Selbst Informationen, die Ihnen als MFA trivial erscheinen, sind für manchen Patienten absolut neu. Dem Patienten sollte nach und nach das Gefühl gegeben werden, dass er für seine persönliche Gesundheit selbst viel tun kann und Verantwortung übernehmen sollte.
PRAXISHINWEIS | Überfrachten sie Ihre Patienten nicht mit Informationen. Aus der Gedächtnisforschung weiß man, dass zwei Erklärungen meist gut behalten werden. Bei vier Erklärungen wird im Durchschnitt eine vergessen, von acht Erklärungen die Hälfte. Hilfreich sind hier auch schriftliche Erklärungen, Anweisungen sowie ein Medikationsplan. |
Der Medikationsplan
Schwierig wird es bei Patienten, die viele Medikamente zu unterschiedlichen Zeitpunkten einnehmen müssen. Gerade hier hat sich ein schriftlicher Medikationsplan bewährt. Vorlagen zum Ausdrucken finden sich im Internet. In den Plan werden der Name des Medikaments, die Dosierung, der Einnahmezeitpunkt, die Darreichungsform des Medikaments (Tablette, Tropfen, Spray etc.), die Indikation sowie der verordnende Arzt eingetragen. Meist findet sich zusätzlicher Raum für besondere Hinweise.
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Für Ärzte und MFA | Für Patienten |
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Weiterführender Hinweis
- IFABS-Umfrage unter http://tinyurl.com/o5fbq5w
- Medikationsplan zum Ausdrucken unter http://tinyurl.com/lfnj4x4