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· Fachbeitrag · Medizinwissen

Blutabnahme leicht gemacht

von Dr. med. Marianne Schoppmeyer, Medizinjournalistin, Nordhorn

| Eine gute Blutabnahme-Technik ist wie die Visitenkarte der Praxis. Kein Patient lässt sich gerne mehrmals stechen oder geht mit einem blauen Fleck am Arm nach Hause. An solch vermeintlichen Kleinigkeiten wird durchaus auch schon mal die Qualität einer Praxis beurteilt. Deshalb ist es wichtig, die Blutabnahme gut zu planen und vorzubereiten. Ein ruhiges und routiniertes Auftreten gibt dem Patienten zusätzlich Sicherheit und nimmt ihm mögliche Ängste. |

Hinweise an den Patienten

Idealerweise sollte der Patient die letzte Mahlzeit am Vorabend der Blutabnahme zwischen 18:00 und 19:00 Uhr eingenommen haben. Zwar hat ein leichtes fettarmes Frühstück auf die meisten Blutwerte keine nennenswerten Auswirkungen. Für die Untersuchung des Fettstoffwechsels (Cholesterin, Triglyzeride) ist eine mindestens zwölfstündige Nahrungskarenz allerdings unabdingbar. Dies gilt ebenso für die Bestimmung von Glukose, Insulin und C-Peptid. Hat der Patient sich vor der Blutabnahme intensiv körperlich betätigt (zum Beispiel morgendliches Jogging) können die Muskelenzyme CK, GOT und LDH erhöht sein. Hierauf sollten die Patienten bereits hingewiesen werden, wenn ein Termin zur Blutabnahme vereinbart wird.

 

BEACHTEN SIE | In den meisten Praxen ist es Aufgabe der MFA, Blut abzunehmen. Grundsätzlich ist dies auch möglich. Vorher sollte der delegierende Arzt sich bei der MFA bezüglich ihrer vorhandenen Kenntnisse und Fertigkeiten vergewissern und sie einweisen. Mit den nachfolgenden Tipps können Sie Ihr Wissen auffrischen. Arzt und Patienten werden es Ihnen sicherlich danken.

Welche Materialien werden benötigt?

Vor der Blutabnahme sollten Sie als erstes ein Tablett mit den notwendigen Utensilien vorbereiten. Hierzu gehören:

 

  • Desinfektionsmittel
  • Tupfer
  • Stauschlauch
  • Mehrere Kanülen unterschiedlicher Größe
  • Mit Namen und Abnahmedatum gekennzeichnete Blutabnahmeröhrchen (Die Kennzeichnung muss mit wasserfestem Filzstift oder Barcode-Etikett auf dem Primärgefäß angebracht werden, nicht auf Deckel, Umverpackung oder Transportbehälter.)
  • Handschuhe
  • Kanülenabwurfbehälter
  • Pflaster

 

Bezüglich der Blutabnahmeröhrchen gibt es verschiedene Systeme:

 

  • Das Aspirationssystem (zum Beispiel Monovette®) entspricht vom Prinzip her einer Spritze. Durch Herausziehen des Kolbens entsteht ein Unterdruck, sodass das Blut in das Abnahmeröhrchen fließt.

 

  • Beim Unterdrucksystem (zum Beispiel Vacuette®) besteht in den Blutabnahmeröhrchen bereits ein Unterdruck, er muss nicht erst durch das Herausziehen des Kolbens erzeugt werden. Das Blut wird bei Punktion einer Vene daher automatisch angesaugt.

 

Je nachdem welche Blutwerte bestimmt werden, müssen dem Blut verschiedene Substanzen zugesetzt werden. Diese befinden sich bereits in den Blutabnahmeröhrchen. Um die verschiedenen Blutabnahmeröhrchen leicht unterscheiden zu können, sind sie farblich unterschiedlich gekennzeichnet.

 

  • Beispiel: Monovette®
Farbe
Bestimmung
Zusatz

grün

Gerinnungsparameter (Quick-Wert/INR, PTT, PTZ), BSG

Zitrat im Mischungsverhältnis 1:10. Röhrchen muss exakt gefüllt werden, da sich ansonsten das Mischungsverhältnis ändert.

lila

BSG

Zitrat im Mischungsverhältnis 1:5. Röhrchen muss exakt gefüllt werden, da sich ansonsten das Mischungsverhältnis ändert.

weiß oder braun

Elektrolyte, Enzyme

Plastikkügelchen

rot

Kleines Röhrchen: Blutbild

Großes Röhrchen: Blutgruppe

EDTA

gelb

Glukose, Laktat

Natriumfluorid (NaF)

Vor der Blutabnahme

Bevor Sie mit der Blutabnahme beginnen, sollten Sie für optimale Lichtverhältnisse sorgen und sich selbst eine gute Arbeitsposition verschaffen, zum Beispiel einen Stuhl zum Hinsetzen. Der Patient sollte liegen oder bequem und stabil sitzen, um bei einem eventuellen Kreislaufkollaps nicht zu stürzen. Sprechen Sie den Patienten mit Namen an, sodass es zu keiner irrtümlichen Verwechslung kommen kann und erklären Sie ihm, weshalb Blut abgenommen werden soll und was Sie genau tun werden.

Durchführung der Blutabnahme

Um eine geeignete Vene zu finden, wird der Stauschlauch am Oberarm angebracht. Tasten Sie nun nach einer großkalibrigen, prall-elastischen Vene. Tastbare Venen lassen sich in der Regel besser punktieren als Venen, die nur aufgrund ihrer blauen Farbe durch die Haut durchscheinen. Nachdem Sie eine Vene gefunden haben, wird der Stauschlauch kurzzeitig geöffnet und die Punktionsstelle desinfiziert. Nun darf nicht mehr nachgetastet werden. Während das Desinfektionsmittel einwirkt (etwa 30 bis 60 Sekunden), ziehen Sie zum Eigenschutz Handschuhe an und bereiten die Abnahmeröhrchen vor.

 

Unmittelbar vor der Venenpunktion wird der Stauschlauch wieder geschlossen. Falls die Vene schlecht sichtbar ist, können Sie proximal (zum Körper hin gelegen) der Einstichstelle nochmals die Mitte des Gefäßes nachtasten. Nun wird im flachen Winkel mit dem Anschliff/der Öffnung der Kanüle nach oben in die Vene eingestochen. Sobald Blut fließt, können Sie den Stauschlauch öffnen. Durch dosiertes Ziehen am Kolben des Blutabnahmeröhrchens wird dieses gefüllt. Wenn der Kolben einrastet, können Sie das Röhrchen durch Drehen vorsichtig von der Kanüle entfernen. Dabei müssen Sie die Kanüle gut fixieren, damit sie weder aus der Vene herausrutscht noch deren Hinterwand durchsticht. Das nächste Abnahmeröhrchen wird vorsichtig aufgeschoben und bis zum Einrasten gedreht. Wenn alle Röhrchen gefüllt sind, wird die Nadel herausgezogen und in den Abwurfbehälter entsorgt.

Nach der Blutentnahme

Aufgrund der Gefahr von Stichverletzungen sollten Sie keinesfalls die Schutzkappe wieder auf die Nadel schieben. Die Kanülen sollten immer sofort entsorgt werden und niemals auf dem Tablett verbleiben. Sobald die Nadel aus der Vene gezogen worden ist, wird die Einstichstelle für etwa drei Minuten mit einem Tupfer komprimiert. Dies kann in der Regel vom Patienten selbst übernommen werden. Hämatome werden am besten durch konsequentes Komprimieren und Strecken des Armes vermieden. Es sollte allerdings erst gedrückt werden, wenn die Nadel entfernt ist. Zum Schluss wird die Einstichstelle mit einem Pflaster versorgt. Die Röhrchen sollten mehrmals um 180° gekippt werden, damit sich die Zusätze gut mit dem Blut vermischen. Die Kolben der Entnahmeröhrchen können nun abgebrochen werden.

 

  • Tipps bei schlecht tastbaren Venen
  • Suchen Sie zuerst in der Ellenbeuge nach einer Vene; Venen am Handrücken bzw. am distalen Unterarm schmerzen bei der Punktion erheblich mehr.
  • Damit sich die Venen gut füllen, sollte der Arm tiefer liegen als der rechte Herzvorhof. Auch das aktive Öffnen und Schließen der Faust des Patienten kann hilfreich sein.
  • Beginnen Sie bei der Befüllung der Röhrchen mit dem weißen Serumröhrchen. Die Gerinnungsröhrchen müssen unbedingt exakt gefüllt werden, da es ansonsten zu einer Verfälschung der Gerinnungswerte kommt.
  • Bei Patienten mit verletztem oder gelähmtem Arm (Hemiplegie) sollte immer am nicht betroffenen Arm Blut abgenommen werden. Das gleiche gilt für den Shunt-Arm bei Dialysepatienten oder den operierten Arm bei axillärer Lymphknotenausräumung (zum Beispielbei Mamma-Karzinom).
  • Wenn Sie auch nach dem zweiten Versuch nicht erfolgreich gewesen sein sollten, rufen Sie eine erfahrene Kollegin oder den Arzt zur Hilfe.
  • Bei Patienten, die antikoaguliert sind (zum Beispiel mit Marcumar®) muss die Einstichstelle länger komprimiert werden.

Weiterführender Hinweis

  • Trotz aller Vorsichtsmaßnahmen kann es doch zu einer Nadelstichverletzung kommen. Was dann zu tun ist, lesen Sie in der nächsten Ausgabe von PPA.
Quelle: Ausgabe 04 / 2012 | Seite 14 | ID 32225020