Praxiswissen auf den Punkt gebracht.
logo
  • Meine Produkte
    Bitte melden Sie sich an, um Ihre Produkte zu sehen.
Menu Menu
MyIww MyIww

· Fachbeitrag · Korrekte Technik

Intramuskuläre Injektionen

von Bernd Hein, Fachjournalist Gesundheitswesen, Buch am Buchrain

| Wie die subkutane Injektion gehört auch die intramuskuläre Injektion zum Aufgabengebiet der MFA in der Hausarztpraxis. Während der Vorbereitung und Durchführung ist die Hygiene entscheidend (siehe PPA 01/2016, Seite 10 ). Was Sie darüber hinaus bei der Durchführung intramuskulärer Injektionen beachten müssen, fasst PPA für Sie zusammen. |

Aufsuchen der korrekten Injektionsstellen

Die anatomischen Bedingungen der Muskeln, die für eine Injektion geeignet sind, machen es erforderlich, dass Sie vor der Injektion die richtigen Injektionsorte exakt lokalisieren.

 

Schultermuskel

Die Verabreichung von Arzneimitteln in den Schultermuskel (Musculus deltoideus) erfolgt von der Seite. Tasten Sie dazu das Acromion (die höchste seitliche/laterale Erhebung des Schulterblatts). Der richtige Ort für die Injektion liegt etwa drei Querfinger darunter, in Höhe des Humeruskopfs (oberes Ende des Oberarmknochens). Dieser Injektionsort ist vor allem Ärzten vorbehalten und bildet die erste Wahl für Impfungen. Weil der Zielmuskel relativ klein ist, sollte die Menge der Injektionslösung auf 2 ml begrenzt sein.

 

Oberschenkel

Zur Injektion in den Oberschenkel (Musculus vastus lateralis) bestimmt die MFA den geeigneten Ort, indem sie die Außenkanten ihrer Hände von vorn/seitlich so an den Oberschenkel legt, dass die Daumen aufeinander weisen. Das Injektionsareal liegt dicht oberhalb der Daumen. Dort befinden sich vergleichsweise wenige Blutgefäße und Nerven.

 

Gesäßmuskel

Eine Injektion in den mittleren Gesäßmuskel (Musculus gluteaeus medius) ist günstig, weil es sich um einen recht großen Muskel handelt. Problematisch ist die Nähe des Ischias (Nervus ischiadicus). Die Bestimmung des korrekten Injektionsortes erfordert Übung. Nutzen Sie dafür vorzugsweise die Methode nach von Hochstetter, die sich an leicht tastbaren Strukturen des Beckenknochens und am Trochanter orientiert.

 

Zur Injektion in den Gesäßmuskel soll der Patient liegen. Eine Punktion bei einem stehenden Patienten entspricht nicht den Regeln, weil in dieser Position die Muskeln angespannt sind und die Kanüle mehr Schmerzen verursacht.

 

PRAXISHINWEIS | Der kurze Schmerz beim Einstich der Kanüle zur i.m.-Injektion lässt sich mit einem Ablenkungsmanöver vermeiden: Schlagen Sie dazu mit der anderen Hand zeitgleich zur Punktion in der Nähe des Einstichs auf die Haut des Patienten. Dieser Reiz überdeckt die Empfindung des Eindringens der Nadel.

 

Risiken bei der Injektion

Die Verabreichung von Arzneimitteln in einen Muskel ist doppelt risikobehaftet. Zum einen erfordert eine sicher intramuskuläre Platzierung des Arzneimittels einen relativ langen Stichkanal, vor allem wenn die Injektion in den mittleren Gesäßmuskel (M. glutaeus medius) erfolgen soll. Damit können z. B. Krankheitserreger, die durch ungenügende Beachtung der Hygiene an die Kanüle geraten, tief in den Körper gelangen und Abszesse verursachen. Außerdem ist leicht möglich, mit der Injektion einen Nerv zu irritieren oder zu verletzen. Muskeln sind reich mit Nerven versorgt.

 

Heftig einschießende Schmerzen (wie ein elektrischer Schlag) während der Punktion zeigen die Irritation eines Nervs an. Wenn diese Zeichen eintreten, brechen Sie die Injektion ab und wiederholen die Punktion mit einer neuen Kanüle an einem anderen Ort.

 

PRAXISHINWEIS | Die Angst vor einer Verletzung von Nerven darf nicht dazu führen, dass Sie bei der i.m.-Injektion zu kurze Kanülen verwenden. Für eine korrekte Applikation in einen Gesäßmuskel kann auch bei normalgewichtigen Patienten eine 10 cm lange Nadel erforderlich sein, die fast über die gesamte Länge einzustechen ist. Trifft die Kanülenspitze auf den Knochen, ziehen Sie die Nadel ca. 1 cm zurück und setzen die Injektion wie gewohnt fort.

 

 

Weiterführende Hinweise

  • Checkliste zur Vorbereitung von Injektionen online unter ppa.iww.de > Downloads > Vorbereitung einer Injektion.rtf
  • Checkliste zur Durchführung intramuskulärer Injektionen online unter ppa.iww.de > Downloads > Durchführung einer i.m.-Injektion
Quelle: Ausgabe 03 / 2016 | Seite 11 | ID 43747062