· Fachbeitrag · Interview
Zusatzqualifikation für MFA: Wundexpertin (ICW)
von Petra Meisel, Medienbüro Medizin (MbMed), Hamburg
| Der Beginn des Jahres 2012 steht bei PPA ganz unter dem Motto „Wundversorgung“. In Ausgabe 1/2012 haben wir Sie zum Thema „Chronische Wunden“ informiert und in Ausgabe 2/2012 das moderne Wundmanagement erläutert. In dieser Ausgabe geht es auf den Seiten 6 bis 8 mit der „Versorgung akuter Wunden“ weiter und im folgenden Interview mit Gerhard Schröder (Mitglied des Beirats der Initiative Chronische Wunden (ICW) e.V. ( www.ic-wunden.de ) sowie Geschäftsführer der Akademie für Wundversorgung ( www.akademie-fuer-wundversorgung.de ) erfahren Sie Details über die Fortbildung zur Wundexpertin (ICW) - bereits in Ausgabe 3/2011 haben wir über diese Zusatzqualifikation in einem Übersichtsartikel ausführlich berichtet. |
Redaktion: Herr Schröder, „Wundexperte ICW®“ was steckt hinter der Bezeichnung, die ein bisschen verschlüsselt klingt?
Gerhard Schröder: Das ist ganz einfach: eine Zusatzqualifikation in der Wundversorgung, die von firmenunabhängigen Dozenten auf der Basis eines Curriculums vermittelt wird. Hinter dem Kürzel ICW steht die Initiative Chronische Wunden e.V. (ICW), die es sich zum Ziel gemacht hat, Prophylaxe und Therapie von Menschen mit chronischen Wunden zu optimieren. Das kann aus Sicht der ICW nur geschehen, wenn in den Kursen eine Wissensvermittlung erfolgt, hinter der kein Interesse von Produktherstellern steht.
Redaktion: Und was hat der TÜV damit zu tun?
Gerhard Schröder: Jeder kennt den TÜV, zum Beispiel vom Auto. Kaum jemandem ist bewusst, dass dahinter viele verschiedene, voneinander unabhängige Geschäftsbereiche stehen. Die Pers(onal)/Cert(ifizierungsstelle) der TÜV Rheinland Bildung und Consulting GmbH überwacht nach der DIN/ ISO Vorgabe die formal korrekte Planung und Durchführung der Kurse. Das heißt, die Qualität der Kurse wird in Zusammenarbeit mit dem TÜV überwacht. Für die Inhalte steht die Zertifizierungsstelle der ICW gerade.
Redaktion: Bleibt nur noch zu klären, warum man durch die Zusatzqualifikation zum „Experten“ und nicht zum „Manager“ wird.
Gerhard Schröder: Der Begriff „Wundmanager/-in“ ist nicht geschützt, weil es eine allgemeine Tätigkeit unspezifischer Art darstellt. Auf den Punkt gebracht: Jeder darf sich so nennen, der möchte. Die ICW hat den Begriff „Wundexperte (ICW)“ schützen lassen. Er steht für eine genau definierte Qualifikation in der Wundversorgung. Wir haben mittlerweile 136 ICW-zertifizierte Anbieter. Sie werden durch Auditoren des ICW kontrolliert, die unangekündigt erscheinen und prüfen, ob der Lehrplan eingehalten wird oder Dozenten die Voraussetzungen fachlicher Art erfüllen.
Redaktion: Geschieht das auch in den Kursen der „Akademie für Wundversorgung“, der Sie als Geschäftsführer vorstehen? Sie sind schließlich auch Mitglied des Beirates der ICW.
Gerhard Schröder: Selbstverständlich. Bei uns werden uneingeschränkt alle Kurse regelmäßig geprüft. Kurse unserer Institution wie auch die des TÜV, der in einem von der Zertifizierungsstelle losgelösten Geschäftsbereich das Seminar „Wundexperte (ICW)“ anbietet. Werden Standards nicht erfüllt, müssen die Anbieter die Mängel umgehend beseitigen. Geschieht dies nicht, verlieren Anbieter ihre Zulassung, was auch schon vorgekommen ist.
Redaktion: Ihre Klientel kommt hauptsächlich aus dem Pflegebereich. Warum sollten MFA sich zusätzlich in der Wundversorgung qualifizieren?
Gerhard Schröder: Ärzte müssen mit ihren Budgets haushalten. Durch den Nachweis dieser Zusatzqualifikation wird von den Kassen das entsprechende Budget zwar nicht erweitert, aber der Arzt wird in seiner Entscheidung autonom. Er ist nicht mehr auf die Verkaufsargumente von Vertretern angewiesen. Seine MFA kann ihn beraten, welche Produkte für die individuelle Wundsituation sinnvoll sind. Kurzum: Die Verteilung des Budgets wird effizienter und die Versorgung der Patienten wirtschaftlicher. Praxisinhaber erkennen das zunehmend.
In der Akademie für Wundversorgung machen MFA aktuell ungefähr fünf Prozent der Seminaristen aus. Die Tendenz ist aber gerade in letzter Zeit steigend. Außerdem beobachten wir, dass Ärzte zusammen mit einer ihrer MFA am Kurs teilnehmen. Spätestens dann treten die Kosten für die Kursgebühr in den Hintergrund. Denn das größere Investment liegt in zwei Praxismitgliedern, die für den nicht unerheblichen Zeitraum von anderthalb Wochen, die Prüfung nicht eingerechnet, in der Praxis fehlen. Dieses Engagement belegt meiner Meinung nach die Bedarfslücke in der Wundversorgung, nicht allein im Hinblick auf Qualität, sondern vor allem auf Wirtschaftlichkeit.
Redaktion: Und das zweite Argument?
Gerhard Schröder: Zum Budget addiert sich die Arbeitseffizienz. Unerfahrene MFA tun sich mit der Dokumentation von Wunden schwer und können sie nur mit erheblichem zeitlichen Aufwand in Worte fassen. Das Curriculum des ICW gibt klare Schemata vor, nach denen innerhalb weniger Minuten die Wundsituation erfasst ist. Ein Arzt war davon so begeistert, dass er sich von einem IT-Spezialisten eine entsprechende Software hat schreiben lassen. Vielleicht ist „Durchblick“ das Wort, das alles auf einen Nenner bringt: Durchblick, bei der eigentlichen Identifizierung der Wunde und Transparenz in Vielfalt und Kosten der Produkte, die der Markt bietet.
Redaktion: Was kostet ein Kurs?
Gerhard Schröder: Wir geben unsere Kurse bundesweit - im Auftrag von Institutionen wie Krankenhäusern, öffentlichen Einrichtungen oder auch für einen Zusammenschluss mehrerer niedergelassener Ärzte, die ihr Personal schulen wollen. Dann ist es im Ermessen des Veranstalters, wie viel der Kurs kostet. Termine und Orte finden sich unter www.akademie-fuer-wundversorgung.de . Die Gebühr für unser Seminar, das wir gerade erstmalig unter eigener Federführung angeboten haben, belief sich auf 890 Euro.