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02.03.2011 | Fortbildung

Zeit allein heilt keine Wunden - Fortbildung zur Wundexpertin (ICW)

von Julia Bange, Medienbüro Medizin, Hamburg

MFA können sich beim TÜV Rheinland zur Wundexpertin fortbilden lassen. In der Schulung lernen sie, chronische offene Wunden zu versorgen. Inhalte der Fortbildung sind unter anderem Hautpflege, Wundversorgung und Prophylaxe von Ulcus Cruris, Dekubitus und dem Diabetischen Fußsyndrom (DFS).  

Millionen Menschen leiden unter chronischen Wunden

Nach Schätzungen der Fachexperten sind in Deutschland rund drei bis vier Millionen Menschen von chronischen Wunden betroffen. Zu den häufigsten dieser Erkrankungen zählen das DFS, Ulcus Cruris (offenes Bein) und Dekubitus. Diese Erkrankungen verursachen oft starke Schmerzen und verschlechtern die Lebensqualität der Betroffenen. Besonders bei Wunden an Fuß und Bein sind die Patienten in ihrer Bewegungsfreiheit oft sehr eingeschränkt, verlieren damit an Selbstständigkeit und können weniger am sozialen Leben teilhaben. Chronische Wunden können für die Patienten schwerwiegende Folgen haben: Nicht selten müssen betroffene Körperteile amputiert werden. Im Rahmen der Fortbildung zur Wundexpertin können MFA lernen, wie sie solche Folgen durch eine effektive Wundversorgung abwehren.  

Die Inhalte der Fortbildung

Die Fortbildung des TÜV Rheinland zur Wundexpertin (ICW) ist durch die Anerkennungs- und Zertifizierungsstelle der Initiative Chronische Wunden e.V. (www.icwunden.de) zugelassen und findet in verschiedenen Städten in ganz Deutschland statt. In 48 Unterrichtseinheiten zu 13 unterschiedlichen Themengebieten mit anschließender Hospitationszeit lernen MFA, wie sie Wunden fachgerecht beurteilen und versorgen sowie präventive Maßnahmen umsetzen. Mit dem Fachwissen können sie sich als Spezialistinnen profilieren, die Lebensqualität der Patienten verbessern und damit eine besondere Funktion in der Praxis übernehmen.  

Expertenstandard „Pflege von Menschen mit chronischen Wunden“

Wissenschaftliche Grundlage der Fortbildung zur Wundexpertin ist der Expertenstandard „Pflege von Menschen mit chronischen Wunden“. Der Expertenstandard bezieht sich auf Wunden wie Dekubitalgeschwüre, DFS und das gefäßbedingte Ulcus cruris. Er legt die fachlichen Qualitätsanforderungen für die Behandlung dieser Krankheitsbilder fest. Wunden werden nach dem Expertenstandard als chronisch bezeichnet, wenn diese innerhalb von vier bis zwölf Wochen nach ihrer Entstehung unter fachgerechter Therapie keine Heilungstendenzen zeigen. Ziel des Expertenstandards ist es, dass jeder Wund-Patient eine Versorgung erhält, die seine Lebensqualität fördert, die Heilung unterstützt und eine Rezidiventstehung vermeidet.  

Patienten zur optimalen Hautpflege beraten

In der Unterrichtseinheit zu Haut- und Hautpflege erhalten die MFA Kenntnisse über die Aufgaben und Funktionen der Haut und lernen typische Hautveränderungen bei Menschen mit chronischen Wunden kennen. So können sie in der Praxis die Hautbeschaffenheit sowie den Wundrand beurteilen und Pflegemaßnahmen ableiten. Die Beratung von Patienten zur Hautpflege ist auch Aufgabe der Wundexpertin. Nur wenn ein Patient kooperiert, kann ein optimales Heilungsergebnis erzielt werden.  

 

Wundarten identifizieren

Ebenfalls auf dem Lehrplan stehen die verschiedenen Wundarten und die Wundheilung. Angehende Wundexpertinnen lernen in dieser Einheit, wie die verschiedenen Wundarten funktionieren und mit welchen Mechanismen sie heilen. Mit Kenntnissen der Infektionslehre und möglichen Störfaktoren der Heilung, können MFA dann die Kriterien der Anamnese der Wunde erheben, sie beobachten und dokumentieren. Wichtig ist dabei, nicht nur die Wunde zu behandeln, sondern auch ihre Ursache zu klären und sie dementsprechend zu versorgen.  

 

Wundbeurteilung und Dokumentation

Eine weitere Lerneinheit stellt die Wundbeurteilung und Dokumentation dar. Hier üben MFA, die Beurteilungskriterien detailliert in der Fachsprache zu nennen. Sie lernen außerdem die inhaltlichen und formalen Anforderungen der Wunddokumentation kennen.  

 

Behandlung und Prophylaxe häufiger Wunden

Zu den häufigsten chronischen Wunderkrankungen werden eigene Unterrichtseinheiten angeboten. Die Schwerpunkte liegen jeweils auf der Prophylaxe und der Behandlung:  

 

  • Bei der Versorgung von Dekubitus-Patienten ist es wichtig, Druck reduzierende und entlastende Maßnahmen zu kennen. Als Wundexpertinnen sollen sie verschiedene Risikoskalen und Klassifikationssysteme kennen und anhand ihres Fachwissens zum Beispiel durch verschiedene Lagerungsarten die Heilung der Wunde fördern und eine neue Entstehung verhindern.

 

  • Die künftigen Wundexpertinnen lernen die Ursachen, Erscheinungsbilder und Folgeschäden des Diabetischen Fußsyndroms kennen sowie Schweregradeinteilungen und grundlegende diagnostische Maßnahmen.

 

  • Im Mittelpunkt der Behandlung von Ulcus Cruris steht die Kompressionstherapie. In dieser Lerneinheit gewinnen MFA einen Überblick über die Anforderungen an Wundverbände und die verschiedenen Produktgruppen in Hinblick auf Aufbau, Wirkung, Indikation und Kontraindikation. Die MFA lernen, den Arzt bei der Auswahl der Verbandmaterialien zu unterstützen.

 

Schmerzbekämpfung

Chronische offene Wunden erzeugen oft starke Schmerzen. MFA erhalten einen Überblick über Möglichkeiten der medikamentösen und nichtmedikamentösen Schmerztherapie und -vermeidung. Die Teilnehmer lernen den Nationalen Expertenstandard Schmerzmanagement sowie das Stufenschema der Weltgesundheitsorganisation (WHO) kennen.  

 

Hygiene

Die MFA bekommen einen Überblick über das Spektrum der typischen Problemkeime und lernen die hygienischen Richtlinien in Bezug auf Verbandwechsel und Händehygiene kennen. Sie werden geschult, fachgerecht Abstriche zu entnehmen und den Arzt bei keimnachweisenden Untersuchungen zu unterstützen.  

 

Ernährung

Die angehenden Wundexpertinnen sollen den Zusammenhang zwischen Mangelernährung und Wundheilstörungen verstehen und die für die Wundheilung relevanten Nährstoffe sowie deren wesentlichen Funktionen kennenlernen. Hier lernen sie, wie sie den Ernährungsstatus eines Patienten anhand klinischer und subjektiver Kriterien beurteilen und den Flüssigkeits- und Nährstoffbedarf bei Patienten mit chronischen Wunden bestimmen.  

 

Kommunikationsfähigkeit

Neben der Wundversorgung ist die Patientenberatung ein wichtiges Aufgabengebiet einer Wundexpertin. Die Wundexpertinnen sollen lernen, die Betroffenen und deren Angehörige zu Problemen der Wundversorgung zu schulen. Dazu gehört zum Beispiel die Beratung zu Schmerz, Ernährung und Verbesserung der Lebensqualität.  

 

Recht

Die MFA lernen, wie sie ihre Arbeit im Rahmen der gesetzlichen Richtlinien korrekt ausführen. Inhaltlich werden sie dabei u.a. zum Medizinproduktegesetz, zur Medizinprodukte-Betreiberverordnung sowie zum Arzneimittelgesetz geschult.  

Das Abschlusszertifikat

MFA müssen im Rahmen des Seminars praktisch hospitieren und einen Hospitationsbericht einreichen. Zur Vorbereitung gibt es noch eine Lerneinheit, die sich mit der Erstellung eines Hospitationsberichts befasst. Dieser wird dann zusammen mit dem Ergebnis der Abschlussklausur bewertet. Ist dies bestanden, erwerben die MFA den Abschluss als Wundexperte (ICW). Das Zertifikat ist fünf Jahre gültig und kann durch Nachweisen von Weiterbildungsaktivitäten und Berufspraxis erneuert werden.  

 

Die Teilnahmegebühr für die Schulung beträgt 785 Euro, der Prüfungsbeitrag noch einmal zusätzlich 60 Euro.  

 

Quelle: Ausgabe 03 / 2011 | Seite 11 | ID 142672