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· Fachbeitrag · Interview

MFA kennen die Vorteile von Praxissoftware

| Während erst etwa ein Drittel aller Arztpraxen vollständig auf Papier-Karteikarten verzichtet, sind manche Berufsschulen schon einen Schritt weiter. Die Konrad-Adenauer-Schule im hessischen Kriftel unterrichtet angehende MFA ausschließlich mit Praxissoftware. Papierformulare füllen die Azubis schon lange nicht mehr aus. Wirtschaftsjournalistin Alexandra Buba sprach mit der verantwortlichen Lehrkraft Carmen Rahm. |

 

Redaktion: Frau Rahm, was hat sich an der MFA-Ausbildung an Ihrer Schule in den letzten Jahren am stärksten verändert?

 

Rahm: Tatsächlich gab es immer wieder unterschiedliche Prüfungsanforderungen. Bis 2004 mussten die Schülerinnen noch Maschinenschreiben lernen und eine Zehn-Minuten-Abschrift auf einer elektrischen Schreibmaschine fertigen. Lange haben wir die klassische Karteikarte im Unterricht per Hand ausgefüllt, später haben wir die ersten Dinge gescannt. Ein wichtiger Umbruch fand mit dem Konzept der Lernfelder in den Jahren 2004 bis 2006 statt.

 

Redaktion: Wann hatten Sie zum ersten Mal Praxissoftware im Einsatz?

 

Rahm: Das war 2007. Ich hatte das bei einer anderen Schule gesehen und wollte unbedingt auch so unterrichten.

 

Redaktion: Die Schulleitung ist dem so ohne Weiteres gefolgt?

 

Rahm: Ja, obwohl es schon ein Kostenblock für uns war. Außerdem mussten wir das erste System, das wir im Einsatz hatten, immer noch selbst warten, auf 24 Rechnern regelmäßig Updates installieren und so weiter. Das war sehr aufwendig. Heute haben wir ein komfortables System in der Cloud.

 

Redaktion: Die Vorteile haben aber auch damals schon überwogen?

 

Rahm: Natürlich, die Schülerinnen profitierten in allen Lernfeldern. Sie würden heute meckern, wenn sie bei uns Terminzettel per Hand schreiben müssten, wo sie es doch aus ihren Ausbildungspraxen digital gewohnt sind. Außerdem kennen sie den Nutzen von Praxissoftware: Sie sehen am Bildschirm, wie viele Patienten im Wartezimmer sitzen, sie können ihrem Chef dezent einen Hinweis auf seinen PC schicken, dass die Behandlungszeit eigentlich abgelaufen ist und müssen keine Befundberichte mehr vom Band abtippen.

 

Redaktion: Welcher Anteil Ihrer Schülerinnen kommt denn aus digitalisierten Praxen?

 

Rahm: Es werden von Jahr zu Jahr mehr: Derzeit ist es etwa ein Drittel, bei dem die Ausbildungspraxis komplett papierlos arbeitet. Eine Kombination von Software und klassischer Karteikarte setzt ein weiteres Drittel ein, der Rest arbeitet noch ganz konventionell quasi vollständig ohne Computer.

 

Redaktion: Doch es lernen schon jetzt alle Schülerinnen in Ihrem Haus per Praxissoftware?

 

Rahm: Ja, die Ausbildung ist bei uns einheitlich. Natürlich werden die MFAs später nicht alle mit demselben Programm arbeiten, da es mehrere Lösungen am Markt gibt, die in den Praxen im Einsatz sind. Dadurch, dass die Programme aber sehr stark an den Formularen - etwa für Rezepte - orientiert sind, ähneln sich die Systeme stark. Die Anwendung des Gelernten funktioniert daher auch bei anderen Programmen vergleichsweise problemlos.

 

Redaktion: Gilt das auch für die Prüfung?

 

Rahm: Tatsächlich ist es so, dass die angehenden MFAs in der Prüfung Formulare immer noch per Hand ausfüllen müssen. Wir warten bereits seit einigen Jahren darauf, dass sich dies ändert.

 

Redaktion: Stichwort Datenschutz - welche Rolle spielt er bei Ihrem Konzept der papierlosen Ausbildung?

 

Rahm: Wir nehmen das Thema sehr ernst, das im Übrigen nicht nur uns betrifft, sondern auch im Rahmenlehrplan enthalten ist und bei der Zwischenprüfung abgefragt wird. Zusätzlich laden wir jedes Jahr externe Experten ein, die den Schülerinnen klarmachen, inwiefern z. B. auch ihr eigenes Handy eine Gefahrenquelle für den Datenschutz und die Datensicherheit in der Praxis sein kann. Daneben vermitteln wir auch ganz praktisches Wissen: So erhält jeder bei uns sein eigenes Zugangspasswort zum Rechner, obwohl wir Patienten und Befunde ja nur simulieren. Wir glauben aber, dass die Schülerinnen dadurch das einüben, was sie später in ihrer Praxis immer so handhaben sollten.

 

Redaktion: Welche Dinge werden Ihrer Einschätzung nach in der Ausbildung künftig noch wichtiger werden?

 

Rahm: Je weiter die Digitalisierung in den Praxen fortschreitet, desto stärker ist genau der Datenschutz ein Thema. Deshalb versuchen wir noch weit über die Lernfelder hinaus Wissen in den Unterricht zu tragen: aus Videos, Berichten und so weiter. Schaut man auf das, was an Arbeitserleichterung und damit auch Veränderung in den Inhalten, die wir hier vermitteln, geschehen wird, so bin ich sicher, dass bald die Terminvergabe über die Praxishomepage eine große Rolle spielen wird. Das wiederum beeinflusst die Zeit, die MFAs am Telefon auf der Suche nach einem passenden Termin verbringen. Umgekehrt kommen andere Aufgaben - etwa in der Administration der Daten - auf sie zu.

 

Redaktion: Sehen Sie auch Grenzen in der digitalisierten Ausbildung?

 

Rahm: Natürlich! Es gibt viele Dinge, die wir unabhängig von den Programmen unterrichten - z. B. Ergonomie oder Postbearbeitung. Außerdem legen wir Wert darauf, dass die Schülerinnen gerade im kaufmännischen Bereich, bei dem die Programme viele Textbausteine anbieten, auch ohne diese in der Lage sind, etwa eine Mahnung zu formulieren. Technik ist schön und gut, aber Grundfertigkeiten müssen selbstverständlich trotzdem erlernt werden.

Quelle: Ausgabe 11 / 2016 | Seite 11 | ID 44143585