· Fachbeitrag · Fortbildung
Reisemedizinische Gesundheitsberatung - Wissenswertes für die MFA
von Iris Brendt, Medienbüro Medizin (MbMed), Hamburg, www.mbmed.de
| Die Zahl der Menschen, die beruflich und privat reisen, nimmt in unserer globalisierten Welt ständig zu. Angesichts dieser Entwicklung ist es sinnvoll, Reisende hinsichtlich ihrer persönlichen Gesundheit vor, während und oft auch nach der Reise zu beraten. Damit die MFA den Arzt hierbei kompetent unterstützen können, müssen sie über entsprechendes Wissen verfügen. Eine ideale Grundlage liefert das Fortbildungsseminar „Reisemedizinische Gesundheitsberatung für Medizinische Fachangestellte und Angehörige medizinischer Fachberufe“. |
So machen Sie Patienten fit für die Reise
Verregnete Sommer und lange, kalte Winter führen dazu, dass immer mehr Deutsche ihre Ferien in anderen Ländern verbringen: Im vergangenen Jahr verzeichnete die Reisebranche fast 50 Millionen Urlaubsreisen ins Ausland. Hinzu kommen Millionen von Auslandsgeschäftsreisen. Entsprechend häufig treten im Praxisalltag reisemedizinische Fragen auf. Um den Praxisinhaber in der Beratung und bei prophylaktischen Maßnahmen unterstützen zu können, sollte auch das Fachpersonal in dieser Thematik aktuell geschult sein. Fortbildungsseminare wie zum Beispiel die Veranstaltung „Reisemedizinische Gesundheitsberatung“ der Akademie für ärztliche Fortbildung der Ärztekammer und der KV Westfalen-Lippe geben den teilnehmenden MFA die nötigen Kenntnisse an die Hand, um ihren Chef optimal zu entlasten.
Von alltäglichen Themen bis zu individuellen Risiken
Der erste Teil des Seminars befasst sich mit allgemeinen Fragestellungen, die im Praxisalltag besonders häufig auftreten. Das Spektrum reicht dabei vom Sonnenschutz über Möglichkeiten der Vektorprophylaxe (Schutz vor Insekten) bis hin zur Zusammenstellung der Reiseapotheke. Außerdem befasst sich die Fortbildung mit möglichen gesundheitlichen Risiken, die am Urlaubsort, bei Urlaubsaktivitäten oder im Zusammenhang mit dem gewählten Transportmittel auftreten können. Im zweiten Teil des Seminars stehen personenbezogene Risiken im Vordergrund, denn es gehen auch immer mehr Kinder, Schwangere, Senioren sowie Personen mit chronischen Vorerkrankungen oder körperlichen Behinderungen auf Reisen. In dem Seminar erfahren MFA, welche spezifischen Themen bei diesen Gruppen zu beachten sind.
Kleine Urlauber - große Probleme?
Wenn Kinder reisen, gibt es besonders viel zu beachten. Die optimale Vorbereitung umfasst beispielsweise eine Beratung über kindgerechte Medikamente für die Reiseapotheke sowie eine Kontrolle des Impfschutzes. Auch die klimatischen Bedingungen und Infektionsrisiken am Urlaubsort müssen anders bewertet werden als bei Erwachsenen.
Der Vorteil der MFA: Sie kennen ihre kleinen Patienten in der Regel sehr genau. Ist ein Kind aufgeweckt oder eher sensibel? Hat es Vorerkrankungen oder Intoleranzen? Kombiniert mit dem zusätzlichen Wissen über die speziellen Bedürfnisse von Kindern auf Reisen können die MFA Eltern umfassend informieren, gezielt sensibilisieren und optimal auf die Reise sowie eventuelle Gesundheitsrisiken für ihre Kinder vorbereiten.
Senioren: Neue Länder - alte Leiden?
Senioren sind in den vergangenen Jahren immer mobiler geworden und reisen um die ganze Welt: Mittlerweile ist jeder fünfte Reisende über 65 Jahre alt - Tendenz steigend. Inkontinenz, Herzerkrankungen, Thrombosen und Demenz: Der Beratungsbedarf in dieser Altersgruppe ist besonders hoch, denn bei vielen Senioren liegen Vorerkrankungen vor, die besondere Vorkehrungen erfordern oder bestimmte Transportmittel und Urlaubsziele sogar ausschließen.
Auch die Reiseprophylaxe muss dem Alter entsprechend gestaltet werden: So sollten ältere Menschen rechtzeitig geimpft werden, da die Immunantwort bei ihnen oft verzögert erfolgt und der vollständige Impfschutz entsprechend später erreicht wird. Eine hierfür sensibilisierte MFA kann dies bereits bei der Vergabe der Termine berücksichtigen und damit sowohl dem Reisenden als auch der Praxis Unannehmlichkeiten ersparen.
Medikamente auf Reisen: Was muss mit?
Fachkundige Beratung ist zudem wichtig für alle Menschen, die regelmäßig Medikamente einnehmen. Vor allem bei Reisen in andere Zeitzonen sollten MFA sie darüber aufklären können, ob und wie sie die Einnahme verschieben müssen, um gesundheitliche Risiken zu vermeiden.
Auch der Transport von Medikamenten ist ein wichtiges Thema: Mit dem entsprechenden Hintergrundwissen kann das geschulte Fachpersonal etwa Diabetiker kompetent darüber informieren, welche Hilfsmittel und Medikamente sie bei Flugreisen mit in die Kabine nehmen sollten und welche Formalitäten sie dabei beachten müssen.
Konzepte zur Umsetzung im Alltag
Abgerundet wird das Seminar durch weitere Bausteine: Die MFA bekommen verschiedene Konzepte mit auf den Weg, um die reisemedizinische Gesundheitsberatung im Praxisalltag umzusetzen. Ebenso gibt es Informationen zur medizinischen Diagnostik bei Verdacht auf importierte tropische Erkrankungen. Im Laufe der Abendveranstaltung erhalten die Teilnehmerinnen somit umfassende Informationen, auf deren Grundlage sie die reisemedizinische Beratung in der Praxis unterstützen und Ratsuchende kompetent informieren können.
Weiterführende Hinweise
- Sommerzeit - Reisezeit: So kommen Ihre Patienten gesund durch den Urlaub (PPA 05/2013, Seite 17)
- Tipp: Erfragen Sie weitere Anbieter bei den jeweiligen Ärztekammern.