· Fachbeitrag · Fortbildung
Die MFA in der Palliativversorgung
von Alexandra Schramm, Medienbüro Medizin (MbMed), Hamburg
| Sterbenskranke medizinisch zu versorgen, ist eine sehr anspruchsvolle Aufgabe. In sogenannten Palliative-Care-Teams, die aus Ärzten, Pflegern, Seelsorgern, Apothekern, Physiotherapeuten und auch MFA bestehen, werden Sterbende ambulant betreut. Um MFA auf den Umgang mit Palliativpatienten vorzubereiten, hat die Bundesärztekammer (BÄK) ein Fortbildungscurriculum „Die MFA in der Palliativversorgung“ entwickelt. |
Curriculum zur Palliativ-Fortbildung für MFA
Die Fortbildung findet in Form eines berufsbegleitenden Lehrgangs von insgesamt 120 Stunden statt. Der Unterricht beinhaltet ein zweitägiges Praktikum sowie eine Hausarbeit. Das Praktikum müssen die MFA in einer ambulanten Hospiz- oder Palliativeinrichtung absolvieren. Mit dem Wissen aus der Fortbildung sollen MFA später den Arzt unterstützen, palliativmedizinische Maßnahmen durchzuführen sowie vor- und nachzubereiten. Sie kommunizieren mit den Patienten und Angehörigen und sind die ersten Ansprechpartner in der Praxis. Außerdem organisieren sie den internen sowie externen Informationsfluss und verwalten die Dokumentation. Das Curriculum der Bundesärztekammer gliedert den Lehrgang in elf Module:
Modul 1: Kommunikation und Gesprächsführung
Im ersten Modul des Lehrgangs lernen MFA Gesprächstechniken anzuwenden und Strategien einzusetzen, die Konflikte lösen. Dies ist wichtig, da sowohl Sterbende als auch deren Angehörige oft sehr emotional reagieren.
Modul 2: Wahrnehmung und Motivation
Dieses Modul vermittelt den MFA, wie sie das soziale Umfeld von Patienten einschätzen und die Besonderheiten bestimmter Patientengruppen ausloten. Dies dient dem Ziel, dass die MFA später die Patienten optimal dazu motivieren können, an der Therapie zur Schmerzlinderung mitzuwirken.
Modul 3: Allgemeine medizinische Grundlagen der Onkologie und der Palliativmedizin
Hier lernen MFA die Aufgaben ihrer Kollegen aus spezialisierten Praxen unter anderem in der Onkologie, in der Hämatologie und der Palliativmedizin kennen. Dabei gehen die Teilnehmer insbesondere auf die Risikofaktoren bestimmter Krankheiten ein sowie auf Prognosen, Therapieansätze und die Diagnostik.
Modul 4: Versorgung und Betreuung der Patienten
In diesem Modul erfahren MFA, welche Faktoren zu berücksichtigen sind, um die Patienten optimal und situationsangepasst zu versorgen. Schwerpunkte sind hierbei zum Beispiel Ernährungsmaßnahmen sowie die Kontrolle von Stoffwechsel und Schmerzen der Betroffenen.
Modul 5: Psychosoziale Bewältigungsstrategien für Mitarbeiter
Sich mit Themen wie Leiden, Tod und Trauer täglich im Beruf auseinandersetzen zu müssen, kann für MFA sehr belastend sein. Deswegen vermittelt die Fortbildung gezielt Strategien, wie sie mit dieser Bürde umgehen können. Die MFA üben, ihre eigenen Stressgrenzen zu reflektieren und wie sie emotional mit dieser Belastung umgehen können.
Modul 6: Kommunikation mit Schwerkranken
Die Kommunikation mit Patienten ist ein wesentlicher Bestandteil des Praxisalltags einer MFA. Was bei der regulären Patientenschaft routiniert abläuft, bringt bei Schwerstkranken neue Anforderungen mit sich. Deswegen lernen MFA in der Fortbildung ihre eigene Wahrnehmung, aber auch die der Patienten und Angehörigen zu reflektieren. Sie bekommen ein Gefühl dafür, Gestik, Mimik und Stimmungen richtig einzuschätzen sowie mit Ängsten und Depressionen umzugehen.
Modul 7: Symptomkontrolle
In der medizinischen Palliativversorgung geht es nicht mehr darum, Krankheiten zu heilen, sondern die Symptome zu lindern. In diesem Modul werden MFA darin eingewiesen, wie sie Symptome in den verschiedenen Krankheitsstadien kontrollieren können.
Modul 8: Therapeutische und pflegerische Maßnahmen
Dieses Modul gehört zu den fachpraktischen Einheiten. Hier lernen MFA, wie sie den Arzt mit Versorgungsmaßnahmen unterstützen: zum Beispiel Proben zu entnehmen, Katheter zu wechseln oder Wunden zu versorgen.
Modul 9: Sterben und Trauer
Für die Patienten, deren Angehörige, aber auch für die MFA ist der Tod ein belastendes Thema, das zwar allgegenwärtig ist, mit dem sich jedoch niemand so recht beschäftigen mag. Dieses Modul vermittelt MFA Wissen zum Beispiel zu spirituellen und religiösen Aspekten von Tod und Trauerbewältigung.
Modul 10: Recht und Ethik
Um die rechtliche und bürokratische Seite des letzten Lebensabschnitts geht es in diesem Modul: Pflegegeld, Bestattungsrecht, Patientenverfügung, aber auch ethische Aspekte sowie die verschiedenen Formen der Sterbehilfe.
Modul 11: Palliativmedizinische Zusammenarbeit und Koordination
Eine gute Vernetzung der unterschiedlichen Dienstleister ist wichtig für eine gute Zusammenarbeit innerhalb des Palliative-Care-Teams. Deswegen erfahren die MFA in diesem Modul Wissenswertes über Kooperationen mit öffentlichen und privaten Institutionen. Sie gewinnen außerdem Informationen über Pflegealternativen, Verordnungsformulare und Kostenträger.
PRAXISHINWEIS | Das Curriculum gilt als Richtlinie für die Fortbildung im Bereich Palliativversorgung für MFA, die zusammen mit den Landesärztekammern (LÄK) entworfen wurde. MFA, die Interesse an der Fortbildung haben, können sich bei ihrer zuständigen LÄK nach dem Angebot erkundigen. |