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· Fachbeitrag · Erste Hilfe

Zecken: Entfernung und Schutzmaßnahmen

von Bernd Hein, Fachjournalist Gesundheitswesen, Buch am Buchrain

| Zeckenstiche bleiben unbemerkt, weil die Insekten ein anästhesierendes Sekret in die Haut spritzen. Meist fällt der Parasit erst bei der Körperpflege auf, wenn die Betroffenen einen Widerstand auf der Haut ertasten oder das Tier sehen. Dann sind sie häufig besorgt oder angeekelt und suchen Hilfe in der hausärztlichen Praxis. Als MFA sollten Sie souverän mit dieser Situation umgehen. |

Zecken-Entfernung: Eile ist geboten

Zeckenstiche sind grundsätzlich niemals harmlos: Zecken verbreiten Erkrankungen wie Borreliose oder FSME, die schwere Folgeerscheinungen haben können (siehe Beitrag in PPA 05/2016, Seite 2). Deshalb kommt es vor allem darauf an, Zecken so schnell wie möglich zu entfernen. Wie schnell das gelingt, hängt unter anderem davon ab, wie zeitnah der Parasit nach dem Stich bemerkt wird.

Die richtige Technik

Bei der Entfernung von Zecken kommt es zunächst auf die korrekte Technik an. Wenn der Betroffene oder eine Vertrauensperson die Zecke nicht selbst entfernen kann, ist der Gang zum Arzt unerlässlich.

 

  • Zecken sicher entfernen
  • Fassen Sie die Zecke mit einer geeigneten Pinzette am Hautniveau und damit an deren Fasswerkzeugen.
  • Ziehen Sie das Tier mit einer konsequent geführten - jedoch weder hektisch, noch abrupt angesetzten - Bewegung aus der Haut.
  • Führen Sie beim Herausziehen keine Drehbewegung aus.
  • Desinfizieren Sie anschließend den Ort des Einstichs mit Octenidin oder einem alkoholischen Hautdesinfektionsmittel.
  • Falls nach der Entfernung einer Zecke in der Haut Reste ihrer Beißwerkzeuge verbleiben, die sich aufgrund ihrer dunklen Farbe leicht erkennen lassen, entsteht daraus kein Problem. Die chitinhaltigen Körperteile wachsen ohne weitere Probleme aus der Haut heraus.

 

  • Für Laien, die den Parasiten selbst entfernen: Verwenden Sie bei der Entfernung keine zusätzlichen Substanzen (z. B. Öl, Benzin oder Alkohol). Sie töten die Zecke nicht sofort, sondern erhöhen das Risiko, dass das Tier seinen erregerhaltigen Darminhalt ausscheidet und damit das Infektionsrisiko erheblich steigt.
 

Wichtig | Erklären Sie Ihrem Patienten, dass er die Einstichstelle mehrere Tage beobachten soll. Insbesondere soll er auf Rötungen achten, deren Umfang zunimmt. Im Zweifel sollte er den Arzt (erneut) aufsuchen.

 

Das richtige Instrument

Verwenden Sie zur professionellen Entfernung am besten eine Pinzette mit gebogenem Ende und schmalen Branchen (Fass-Zangen am Ende der Pinzettenarme). Benutzen Sie möglichst eine Pinzette, mit der Sie den Druck auf das Tier manuell dosieren können. Nur so können Sie individuell angemessen auf die jeweilige Position und Größe des Insekts reagieren. Vor allem bei sehr kleinen Zecken müssen Sie die Pinzette zielgenau ansetzen. Druck auf den Leib kann die Zecke mit einer Ausscheidung von potenziell erregerhaltigem Material aus dem Verdauungstrakt beantworten, die zu einer Infektion mit der von diesen Tieren übertragenen Bakterien und Viren führen kann.

 

MERKE | Die Verwendung von Zeckenkarten oder anderen (im Handel erhältlichen) Gerätschaften entsprechen nicht dem fachlich korrekten und sachgerechten Standard zur Entfernung von Zecken.

 

Praktische Hinweise zur Vorbeugung

Die folgenden Empfehlungen bieten zwar keinen hundertprozentigen Schutz, reduzieren jedoch das Risiko eines Zeckenstichs bzw. einer Erkrankung.

 

  • Zeckenstiche: So schützen Sie sich
  • Kontrollieren Sie alle Familienmitglieder (zumindest vom Frühjahr bis zum Ende des Herbstes) täglich auf einen Zeckenbefall.
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  • Tragen Sie bei Spaziergängen lange Hosen und hohe Schuhe, die über das Sprunggelenk reichen. Die Hosenbeine sollten anliegen oder in den Strümpfen stecken. Langärmlige Oberbekleidung ist ebenfalls ratsam.
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  • Sprühen Sie sich vor jedem Aufenthalt im Wald oder auf ungemähten Wiesen mit Repellenzien (zum Beispiel Icaridin - etwa in Autan®) ein.
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  • Eine FSME-Impfung ist in Risikogebieten sinnvoll. Ausnahmen (z. B. Gründe, die gegen eine Impfung sprechen) sind mit dem behandelnden Arzt zu klären.
 
Quelle: Ausgabe 05 / 2016 | Seite 5 | ID 44003315