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· Fachbeitrag · Parasiten

Krankheitsrisiken durch Flöhe

von Bernd Hein, Fachjournalist Gesundheitswesen, Buch am Buchrain

| Im Gegensatz zu anderen Parasiten kommen Flöhe beim Menschen in Mitteleuropa selten vor. Allerdings trägt jeder Befall ein erhebliches Risiko. Das Spektrum der Erkrankungen, die Flöhe übertragen oder mitbedingen, reicht von Hautinfektionen bis zur Pest. Weil insbesondere Tierhalter und Fernreisende gefährdet sind, können Sie als MFA durch die richtigen Fragen bei entsprechenden Krankheitszeichen zu einem raschen Beginn der Behandlung beitragen und außerdem die Vorbeugung unterstützen. |

Vorkommen und Lebensweise

In Europa kommen etwa 70 Floh-Arten als Parasiten vor. Weltweit umfasst die Insektenfamilie mehr als zweitausend Arten. Im Mittel sind sie drei Millimeter groß. Typisch ist der seitlich abgeplattete Körper, dessen harte Panzerung bräunlich gefärbt ist. Flöhe können nicht fliegen, entwickeln mit ihren stark ausgeprägten Hinterbeinen jedoch eine erhebliche Schnellkraft, die ihnen Sprünge von bis zu einem Meter ermöglichen. Damit erzielen sie (im Vergleich zur Körpergröße) die schnellsten Bewegungen aller Lebewesen. Auf diese Weise sind sie in der Lage, sehr rasch von einem Wirt zum anderen zu wechseln, z. B. von einem Tier zum Menschen.

 

Flöhe können monatelang ohne Nahrung auskommen. Sie bleiben nicht am Wirt, sondern verstecken sich in Ritzen, zum Beispiel von Polstermöbeln oder Bodenbelägen, und kommen nur zur Nahrungsaufnahme heraus. Beide Geschlechter der Flöhe saugen Blut.

Diagnose

Abgesehen von den typischen klinischen Zeichen ist für den Beweis eines Flohbefalls die Untersuchung mit einem Glasspatel entscheidend. Wenn man mit diesem Spatel auf einen Stich drückt, erscheint an zentraler Stelle eine charakteristische Einblutung (Hämorrhagie).

 

  • Typische Zeichen von Flohbefall
  • Überwiegend auf ein begrenztes Hautareal konzentrierte Stiche, meist in Reihen angeordnet (sogenannte „Perlschnur“), typisch sind Dreiergruppen
  • Punktförmige Rötungen, aus denen zunächst Quaddeln (weißes oder blassrosafarbenes, umschriebenes Ödem der Oberhaut) und später Papeln (bis erbsengroße Erhebungen) entstehen können; bis zu zwei Wochen lang sichtbar
  • Befall zuerst an den Unterschenkeln sowie im Bereich der Sprunggelenke zu bemerken (sogenannte „Prädilektionsstellen“)
  • Starker Juckreiz, der durch den Speichel der Insekten verursacht ist. Gefahr von Kratzverletzungen und damit von Infektionen durch bakterielle Erreger
  • Schwarze, krümelige Ausscheidungen der Flöhe auf Fußböden oder im Bett (können bei der Inspektion der Umgebung des Betroffenen auffallen)
 

Wichtig | Flöhe starten den nächsten Saugversuch jeweils in unmittelbarer Nähe des letzten Stiches. Nach jedem weiteren Stich beginnen die bereits bestehenden Stichstellen erneut zu jucken. Dies kann den Eindruck erwecken, ein Patient sei von zahlreichen Parasiten befallen, obwohl lediglich ein einzelner Floh die Beschwerden auslöst. Ein zusätzliches Risiko bilden Allergien, die durch die Stiche entstehen können.

Gefährdete Personen

Flöhe als ausgesprochene Parasiten des Menschen kommen in Europa relativ selten vor. In der Arztpraxis sieht man die Folgen ihrer Stiche trotzdem häufig: Patienten bringen sie als unerwünschtes Souvenir von Reisen mit oder übernehmen sie zu Hause von Tieren (z. B. von Katzen, Hunden, Vögeln, Ratten, Igeln oder Fledermäusen).

 

PRAXISHINWEIS | Wenn Sie als MFA bei Patienten Anzeichen eines Flohbefalls bemerken, fragen Sie sie nach kürzlich durchgeführten Fernreisen sowie nach intensivem Kontakt mit (Haus-)Tieren.

 

Übertragene Krankheiten

Im Gegensatz zu vielen anderen Parasiten sind Flöhe häufig Überträger von Krankheiten. Der Menschenfloh (Pulex irritans) sowie der Rattenfloh können die Pest verursachen. Endemiegebiete für die Pest sind:

 

  • Südweststaaten der USA
  • Südamerika (Ecuador, Peru)
  • Afrikanische Länder südlich der Sahara (Tansania, Madagaskar)
  • Russland
  • Asien (China, Mongolei, Indien) und Südostasien (Vietnam).

 

In den Tropen vorkommende Flöhe können neben der Pest folgende Krankheiten bzw. Parasiten übertragen:

 

  • Tularämie
  • Fleckfieber und
  • andere Parasiten, z. B. Bandwürmer.

 

Flöhe übertragen auch andere Bakterien, die z. T. mit schweren Erkrankungen assoziiert sind. Eine unmittelbare Ansteckung von Mensch zu Mensch ist hingegen nicht möglich.

 

MERKE | Neben den Erregern, die sich über Flöhe selbst verbreiten, verursachen auch solche Keime Krankheitszeichen, die durch das Kratzen aufgrund des Juckreizes in die Haut gelangen. Dazu zählen vor allem Bakterien aus den Familien der Staphylokokken und Streptokokken. Sie rufen u. a. eitrige Entzündungen hervor.

 

Medikamentöse Behandlung

Die medikamentöse Therapie eines Flohbefalls beschränkt sich auf die Bekämpfung der Krankheitszeichen, vor allem des Juckreizes.

 

  • Verordnete Präparate bei Flohbefall
  • Juckreizhemmende Cremes (z. B. Polidocanol in Optiderm®)
  • Antihistaminika zum Auftragen auf die Haut (z. B. Dimetinden in Fenistil®, Cetirizin in Zyrtec® oder Azelastin in Allergodil®)
  • In extremen Fällen Antihistaminika in Tablettenform und/oder Glukokortikoide
  • Unterstützend ggf. Antibiotika wie Amoxicillin/Clavulansäure (in Amoclan Hexal®) oder Erythromycin (in Erythromycin-ratiopharm®) über max. sieben Tage
 

Sonstige Maßnahmen

Eine Flohgeneration kann aufgrund der großen Widerstandsfähigkeit der Insekten (lange Phasen eines Entwicklungsstopps aufgrund mangelnder Ernährung möglich) von acht Tagen bis über ein Jahr dauern. Aus diesem Grund sind die Parasiten schwer zu bekämpfen. Für die konsequente Beseitigung der Flöhe sind umfangreiche Entwesungsmaßnahmen erforderlich.

 

  • Entwesungsmaßnahmen für Betroffene bei Flohbefall
  • Möglichst rasch die Kleidung wechseln
  • Ausgiebig duschen oder ein Vollbad nehmen (gründliche Körperpflege beseitigt Flöhe, die sich zu diesem Zeitpunkt an der Haut aufhalten)
  • Sämtliche benutzte Textilien des Haushalts, auch Plüschtiere, Decken und andere Gegenstände, bei 60 °C (sofern möglich bei 90 °C) waschen und Polstermöbel sowie Teppiche intensiv absaugen (Kammerjäger sinnvoll!)
  • Zur Behandlung von Haustieren Tierarzt zurate ziehen (insektizidhaltige Halsbänder oder Tropfen wirken unterstützend)
 

Vorbeugung für Tierhalter

Als MFA sollten Sie Patienten, die aufgrund ihrer Lebensumstände (z. B. als Tierhalter) mit einem erhöhten Risiko belastet sind, sich Flöhe zuzuziehen, zu Vorsorgemaßnahmen raten.

 

  • Flohprophylaxe für Tierhalter
  • Vor jedem möglichen Kontakt mit befallenen Tieren Repellenzien auf die unbedeckte Haut auftragen (z. B. Diethyltoluamid in Anti Brumm® Forte oder Icaridin in Autan®)
  • Natürliche Alternativen: ätherische Öle (z. B. Teebaum, Zitrone, Nelke, Niembaum, Lavendel, Zeder), Wirkung allerdings nicht gesichert
  • Beim Umgang mit befallenen Tieren stets Kleidung tragen, die möglichst alle Körperteile bedeckt, also lange Hosen und langärmelige Oberteile
 
Quelle: Ausgabe 10 / 2016 | Seite 16 | ID 44271115