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· Fachbeitrag · Arbeiten im Ausland

Als MFA in Großbritannien arbeiten

von Yvonne Schuck, Medienbüro Medizin (MbMed), Hamburg

| Innerhalb der Europäischen Union ermöglicht das Recht auf Freizügigkeit jedem EU-Bürger, in einem anderen Land zu leben und zu arbeiten. Wer aber als MFA nach Großbritannien gehen möchte, merkt schnell, dass es den Beruf der MFA dort so nicht gibt. Dennoch kommen MFA mit den Qualifikationen und Fachkenntnissen, die sie während ihrer Ausbildung in Deutschland erworben haben, auch in Großbritannien als medizinisches Fachpersonal in Frage. |

Grundvoraussetzung: Gute Englischkenntnisse

Die gute Nachricht: Wenn Sie als deutsche Staatsangehörige in Großbritannien arbeiten möchten, brauchen Sie weder Greencard noch Visum. Eine besondere Arbeitsgenehmigung ist nur für die Isle of Man sowie die Kanalinseln erforderlich. Außerdem gehört medizinisches Fachpersonal laut der Zentralen Auslands- und Fachvermittlung (ZAV) der Bundesagentur für Arbeit zu den nachgefragten Berufsgruppen im Vereinigten Königreich.

 

Unerlässlich für eine erfolgreiche Bewerbung in Großbritannien sind gute Sprachkenntnisse. Nicht nur Ihr Alltagsenglisch sollte ausreichen, um mit dem künftigen Arbeitgeber, Kollegen und natürlich den Patienten sprechen zu können. Auch das medizinische Fachvokabular muss sitzen. Mithilfe entsprechender Lehrbücher können Sie Lücken füllen. Es gibt aber auch Sprachschulen, die Englischkurse speziell für medizinisches Fachpersonal anbieten.

Der Arbeitsmarkt in Großbritannien

Bevor Sie damit beginnen, die Stellenanzeigen durchzusehen, sollten Sie bedenken, dass die Wirtschafts- und Finanzkrise auch an Großbritannien nicht spurlos vorübergegangen ist. Seit 2008 ist die Arbeitslosenquote von 5,5 auf derzeit 8,2 Prozent gestiegen. Besonders betroffen sind junge Erwachsene, Frauen und Angestellte im öffentlichen Dienst. Zu letzterem zählt auch der staatliche Gesundheitsdienst NHS (National Health Service), bei dem etwa 73 Prozent aller Beschäftigten im Gesundheitswesen arbeiten. Er besteht aus vier eigenständigen Organisationen: NHS England, NHS Schottland, NHS Wales und der HSC (Health and Social Care) in Nordirland. Diese vier beschäftigen insgesamt 1,7 Millionen Angestellte, beispielsweise in öffentlichen Krankenhäusern und Arztpraxen. Der NHS wird aus Steuergeldern finanziert und ist seit Beginn der Wirtschaftskrise von Stellenabbau und anderen Sparmaßnahmen nicht verschont geblieben.

Mögliche Tätigkeitsfelder für MFA in Großbritannien

Manche Berufe bedürfen einer staatlichen Anerkennung. Im britischen Gesundheitswesen zählen dazu beispielsweise Krankenschwestern, Hebammen und Physiotherapeuten. Eine Liste der staatlich reglementierten Berufe finden Sie auf http://ec.europa.eu/internal_market/qualifications/regprof/index.cfm. Diese können Sie nur ausüben, wenn der Abschluss von den jeweils zuständigen Stellen in Großbritannien offiziell anerkannt wurde. Die meisten Tätigkeiten im Gesundheitswesen, die für MFA in Frage kommen, fallen aber nicht darunter. Healthcare Assistant und Medical Secretary sind zwei Beispiele. Hier entscheidet der Arbeitgeber, ob er Ihre Qualifikationen als ausreichend betrachtet. Als EU-Bürger haben Sie dann die gleichen Chancen, die Stelle zu bekommen, wie Ihre britischen Mitbewerber.

Organisation und Verwaltung: Medical Secretaries

Medical Secretaries (auch: Personal Assistants) arbeiten in Arztpraxen, aber auch Krankenhäusern oder anderen medizinischen Einrichtungen. Sie kümmern sich um die Praxisorganisation, Verwaltungsaufgaben und die Terminplanung. Darüber hinaus betreuen sie auch Patienten und deren Angehörige, arbeiten mit Ärzten und anderem medizinischen Fachpersonal zusammen. Nähere Informationen finden Sie auf der Internetseite der British Society of Medical Secretaries & Administrators www.bsmsa.org.uk. Dort können Sie sich auch über Weiterbildungsmöglichkeiten (training and development) und die Karrierechancen (career prospects) informieren.

Arbeit am Patienten: Healthcare Assistants

Stärker in die medizinisch-pflegerische Richtung geht die Tätigkeit der sogenannten Healthcare Assistants. Ihre Aufgaben variieren abhängig vom Einsatzgebiet zwischen medizinischen Assistenzaufgaben ähnlich denen einer MFA und eher pflegerischen Tätigkeiten. In Arztpraxen führen sie erste Untersuchungen durch, nehmen zum Beispiel Blut ab, messen Blutdruck und Blutzuckerwerte. Sie assistieren auch bei kleineren Eingriffen und betreuen die Patienten vor und nach der Behandlung. Healthcare Assistants, die eng mit Krankenschwestern, Pflegern und Therapeuten zusammenarbeiten, werden auch als Auxiliary Nurses, also Hilfsschwestern oder -pfleger bezeichnet. Sie arbeiten häufig in Krankenhäusern und übernehmen dort pflegerische und Assistenzaufgaben, bereiten Patienten etwa auf Behandlungen und Therapien vor und assistieren bei deren Durchführung. Außerdem kommen sie auch im Bereich der gesundheitlichen Aufklärung zum Einsatz.

 

Allgemeine Informationen zu diesen und weiteren Berufsbildern finden Sie beispielsweise auf www.nhscareers.nhs.uk und www.bupa.co.uk/careers/.

 

PRAXISHINWEIS | Um einen besseren Eindruck von den unterschiedlichen Tätigkeiten zu bekommen, ist es auch hilfreich, sich verschiedene Stellenanzeigen anzuschauen. Gerade online sind diese oftmals sehr ausführlich und beschreiben detailliert Aufgaben und Arbeitsumfeld. Auf www.jobs.nhs.uk finden Sie freie Stellen in der staatlichen Gesundheitsversorgung. Jobangebote von einem der größten privaten Anbieter im britischen Gesundheitswesen finden Sie auf www.bupa.co.uk. Oder Sie besuchen das Online-Portal der britischen Arbeitsagentur http://jobseekers.direct.gov.uk.

Hilfe bei der englischen Bewerbung: europass-Dokumente

Bei einer Bewerbung nach Großbritannien, oder generell ins Ausland, sind die sogenannten europass-Dokumente hilfreich. Es handelt sich dabei um europaweit einheitliche, standardisierte Vorlagen, die Ihnen die Bewerbung im Ausland erleichtern. Für MFA sind dabei besonders die Zeugniserläuterung (Certificate Supplement) und der europass-Lebenslauf (Curriculum Vitae, kurz: CV) interessant. Die Vorlagen zu den einzelnen Dokumenten sowie Erläuterungen finden Sie unter www.europass-info.de. Besonders praktisch für eine Bewerbung in Großbritannien: Sie können Lebenslauf und Sprachenpass direkt auf Englisch erstellen und sparen sich so eine spätere Übersetzung. Fotos und persönliche Angaben, wie Geburtsdatum und Familienstand, sind in Großbritannien im Lebenslauf übrigens unüblich! Auch sollte der Lebenslauf nicht länger als zwei Seiten sein.

Qualifikationen einer MFA gesondert erklären

Bedenken Sie bei Ihrer Bewerbung, dass sich ein möglicher zukünftiger Arbeitgeber in Großbritannien wenig unter der deutschen Berufsbezeichnung „Medizinische Fachangestellte“ vorstellen kann. Achten Sie deshalb darauf, dass die Bewerbungsunterlagen Ihre Fachkenntnisse und Qualifikationen nicht nur nennen, sondern diese auch möglichst genau erklären.

 

Hilfreich dabei ist Ihr Brief „Medizinische Fachangestellte“, den Sie sich von Ihrer Kammer in englischer Übersetzung ausstellen lassen können. Das allein reicht aber nicht aus, um Ihre Ausbildung und die dadurch erworbenen Fachkenntnisse darzustellen. Eine sinnvolle Ergänzung ist die europass-Zeugniserläuterung für den staatlich anerkannten Ausbildungsberuf MFA, den Sie ebenfalls unter www.europass-info.de finden. Sie ist auch in Englisch verfügbar und liefert eine Kurzbeschreibung der Kenntnisse und Fähigkeiten, die Sie im Rahmen Ihrer Berufsausbildung erworben haben. Außerdem gibt es einen Abschnitt über die beruflichen Tätigkeitsfelder, in denen MFA in Deutschland arbeiten, und eine kurze Erklärung zur Ausbildung im „dualen System“. Ein zukünftiger Arbeitgeber in Großbritannien bekommt so eine bessere Vorstellung von ihrer Berufsausbildung und den damit erworbenen Qualifikationen.

 

Auch wenn es den Beruf der MFA in Großbritannien nicht gibt, qualifiziert Sie Ihre Ausbildung doch für die Arbeit im britischen Gesundheitswesen. Jetzt liegt es an Ihnen, Arbeitgeber mit Ihrer Bewerbung zu überzeugen. PPA wünscht viel Glück!

 

weiterführende Hinweise zum Leben und Arbeiten in Großbritannien:

Quelle: Ausgabe 08 / 2012 | Seite 4 | ID 34547580