· Fachbeitrag · stimmtraining
Die eigene Stimme professionell einsetzen
von Petra Meisel, Medienbüro Medizin (MbMed), Hamburg
| Berufliche Kompetenz zeigt sich nicht allein in dem, was wir sagen, sondern auch wie wir es sagen. Die Stimme ist ein wichtiges Handwerkszeug, damit Inhalte gut ankommen. „Praxisteam professionell“ zeigt Ihnen, welche Bedeutung die Stimme hat und wie sie trainiert werden kann. |
Die Stimme als Arbeitswerkzeug
Ihre Stimme ist am Telefon und am Empfang die Visitenkarte der Praxis. Klingt sie schrill, piepsig oder hektisch, ist der erste Eindruck bei Patienten negativ - selbst wenn das gesprochene Wort Hand und Fuß hat und freundlich gedacht war. Wer ruhig und tendenziell tiefer spricht, sich Zeit für Pausen nimmt, strahlt Kompetenz aus, erscheint souverän. Damit erhöht sich die Bereitschaft des Gegenübers, zuzuhören und dem Gesprächspartner Vertrauen bzw. dem Gesprächsinhalt Glauben zu schenken. Das sind gute Voraussetzungen für MFA, sich im hektischen Praxisalltag gegenüber Patienten, Kollegen und Vorgesetzten zu behaupten.
Die Stimme sagt viel aus: Die reine Sachinformation ist nur ein Bestandteil. Daneben sendet sie Botschaften auf Beziehungsebene. Beides muss im Einklang sein, damit das Gesagte genauso beim Gegenüber ankommt, wie es gemeint war. Das fängt schon beim „Guten Tag, Praxis Dr. …“ am Telefon an. Der Patient hört sofort heraus, ob die MFA tatsächlich einen guten Tag wünscht, oder genervt ist, weil in der Praxis viel Betrieb herrscht, oder sie selbst einfach keine gute Laune hat.
Erfahren, wie die eigene Stimme klingt
Wer seine Stimme trainieren und gezielt einsetzen möchte, muss sich zunächst bewusst machen, wie sie klingt. Um den grundsätzlichen Klang wahrzunehmen, reicht es schon, seinen Anrufbeantworter abzuhören. Vor allem Frauen realisieren, dass sie sich selbst viel tiefer hören, als sie tatsächlich klingen. Ein anderer Weg ist, sich die Ohren zuzuhalten und dann zu sprechen. Dann hört man sich im O-Ton. Darüber hinaus gilt es, sich für situationsbedingte Schwankungen in der Stimme zu sensibilisieren. Verändert sie sich vielleicht schon beim Eintritt in die Praxis, weil es aus bautechnischen Gründen in den Räumlichkeiten hallt, was durch Senken der Stimme ausgeglichen werden soll? Wird sie lauter, weil am Empfang Kolleginnen telefonieren oder gegen die Geräuschkulisse vom Wartezimmer angekämpft werden muss? Was passiert, wenn ein Notfall eintritt? Rutscht die Stimme dann hoch? Hört sie sich gelassen an, wenn Patienten etwas erklärt wird? Nach wenigen Tagen ist das Gehör für die eigene Stimme soweit geschult, dass es mit dem individuellen Trainingsprogramm losgehen kann. Wer schon einmal im Chor gesungen hat, weiß: Stimm-Training ist Körperarbeit.
Fitness für die Stimme
Wie beim Sport muss die Stimme erst einmal warm gemacht, bzw. der richtige Ton gefunden werden. Jeder Mensch hat seine eigene Tonlage, die durch äußere Einflüsse wie zum Beispiel Stress mitunter sogar nachhaltig verändert werden kann. Der richtige Ton stellt sich ein, wenn alle Muskeln, die zum Sprechen dienen, locker sind.
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Um wieder zum natürlichen Grundton zu finden, wird nicht das langläufig bekannte, abgehackte „mi - mi - mi“, sondern ein langgezogenes „Mhmmm“ eingesetzt. Am besten, man stellt sich dabei etwas Leckeres zum Essen vor. |
Ob nun ein Mitarbeitergespräch mit dem Praxischef ansteht oder ein Konflikt mit einer Teamkollegin ausgetragen werden muss - Grundvoraussetzung für ein positives Ergebnis ist eine positive Grundeinstellung dem Geprächspartner gegenüber. Die Stimme gibt eins zu eins wieder, wenn von vornherein die Einstellung zur angesprochenen Person bzw. zum Thema nicht offen ist.
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Um sich in Stimmung zu bringen, hilft in eine ruhige Ecke, in der man nicht beobachtet werden kann. Gegen grimmige Gedanken helfen Grimassen: Zunge rausstrecken, „Bäh“ sagen, Unterkiefer nach links und rechts verschieben. Gut, wenn es einen Spiegel gibt, der einem zeigt, wie man dabei aussieht: Ein Lächeln ist garantiert. Das bleibt auch bei Verlassen der Übungsecke auf den Lippen und in der Stimme. |
Anspannung ist aus jeder Stimme herauszuhören. Bei extremen Angstzuständen geht das so weit, dass einem die Sprache wegbleibt und kein Pieps mehr herauskommt. Abhängig vom eigenen Stressempfinden kann sie schon im ganz normalen Arbeitsalltag rasch gepresst klingen. Je entspannter der Körper, umso leichter fließt die Stimme.
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Fäuste machen und damit den Körper abklopfen. Besondere Aufmerksamkeit gilt dem Becken, einem Sammelpunkt für Stress. Patienten, die einen Pieks bekommen sollen, spannen oft vor Angst die Pomuskulatur an. Ähnlich zeichnet sich dort jede andere Form von Stress ab. Der berühmte Klaps auf den Po, hilft loszulassen. Bei der Eigentherapie sollten es mehr Klapse sein als nur einer. Ein anderer Fixpunkt für Stress ist der Kiefer. Bei Anspannung neigt man dazu, sich „festzubeißen“. Hier hilft lautstarkes Gähnen! |
Trotz Entspannung darf die Körperspannung nicht fehlen. Aus einem geknickten Strohhalm kommt schließlich auch keine Luft. Daher ist eine aufrechte Körperhaltung wichtig.
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Im Stehen, Gehen oder Sitzen an einen Luftballon denken, der über dem Kopf schwebt und sich mit ihm nach oben zieht. Die Schultern bleiben dabei unten. |
Wer gehetzt ist - psychisch oder physisch - dem bleibt buchstäblich die Luft und damit auch die Stimme weg. Um bei Stimme zu bleiben, ist auch hier wieder Entspannung der Schlüssel, und zwar bei der Atmung. Der Atemtonus ist individuell. Wo der eine zwei Atemzüge für eine ruhige, tiefe Atmung braucht, reicht dem anderen einer.
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In Gedanken über das linke Nasenloch ein- und über das rechte ausatmen. Danach das Ganze umgekehrt: rechts ein- und links ausatmen. Zwei bis drei Minuten reichen schon. So erzielt man nicht nur eine ruhig Atmung, die Übung unterstützt auch die Konzentrationsfähigkeit. |
Feste Trainingszeiten bestimmen
Jedes Training erfordert einen gewissen Zeitaufwand zu festen Zeiten. Fünf bis sechs Minuten am Tag reichen schon. Das ist nicht viel, um in erster Linie etwas für sich selbst zu tun. Die meisten der Übungen zielen auf Entspannung und eine frohe Grundhaltung. Das färbt über die Stimme auf andere Menschen ab. Damit Trainingseinheiten nicht vergessen werden, ist es gut, das Training als festen Ritus in den Tag einzubauen. Zum Beispiel morgens unter der Dusche oder auf der Autofahrt in die Praxis.
Tipps, um bei Stimme zu bleiben | |
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Wie entsteht der Ton?
Das wichtigste Instrument der Stimme sind die Stimmbänder, die im Kehlkopf eingebettet sind. Sind sie während der Einatmung offen und entspannt, kann Luft einfließen. Ein Ton entsteht, wenn sich in der Ausatmung die Stimmbänder anspannen und verengen. Dann drückt die ausströmende Luft dagegen und Schallwellen entstehen, die durch die Luftröhre in den Rachen-, Mundhöhlen- und Nasenraum übertragen werden. Die Anzahl der Schallwellen bestimmt die Höhe des Tons. Den Klang der Stimme erzeugt das komplizierte Zusammenspiel von Kehlkopfmuskeln (Tonhöhe), Hals- und Kopfmuskeln (Klangfarbe) sowie Brust- und Bauchmuskulatur (Lautstärke).