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· Fachbeitrag · SicherheitsfanatikeR

Umgang mit AIDS-Phobikern

von Mihrican Özdem, Diplompsychologin, Landau

| AIDS-Phobiker sind nicht davon zu überzeugen, dass sie kein AIDS haben. Für sie ist Gewissheit von existenzieller Bedeutung. Zugleich gelangen sie nie zu einer Sicherheit. Ein negatives AIDS-Test-Ergebnis beruhigt sie nur kurzfristig. Wie sollten MFA idealerweise mit dieser Klientel umgehen? |

 

Verständnis zeigen

Wie auch für Patienten mit einer anderen Krankheitsphobie, ist es für AIDS-Phobiker sehr belastend, dass sie mit ihren Ängsten nicht ernst genommen werden. Zwar wissen diese Patienten, dass sie unbegründet Angst haben. Dennoch ist es sehr unangenehm für sie, wenn sie im akuten Moment der Angst nur beschwichtigt und mit Unverständnis konfrontiert werden.

 

  • Beispiel
Beschwichtigen
Verständnis zeigen
  • „Sie haben doch nichts.“
  • „Sie wollen doch nicht noch einen Test?“
  • „Sind Sie schon wieder da?“
  • „Ich verstehe Ihre Besorgnis. Doch wird nichts anderes herauskommen, wenn wir jetzt noch einmal einen Test machen.“
  • „Ich verstehe Ihre Unruhe. Es wäre ja wirklich sehr schlimm, wenn Sie sich angesteckt hätten. Aber schauen Sie, es gibt keine Hinweise dafür.“
 

Von der äußeren Beruhigung zur Selbstberuhigung

Krankheitsphobiker fragen in der Arztpraxis unentwegt nach einem Beweis, dass sie die Krankheit nicht haben. Wünschenswerter wäre es, wenn der Patient lernen würde, sich selbst zu beruhigen.

 

  • Praktische Hinweise zum Patientenumgang
  • Um die notwendige Empathie aufzubringen, führen Sie sich eigene Ängste oder irrationale Gedanken vor Augen. Ganz gleich, ob es sich dabei um die Angst handelt, dem eigenen Kind könnte etwas zustoßen oder die ständige Befürchtung, zu Hause den Herd nicht ausgeschaltet zu haben - das Muster ist dasselbe.
  • Geben Sie Ihrem Patienten neben der Beruhigung („Sie sind gesund“) auch den Rat, dass er in einer Psychotherapie (Psychoanalyse, tiefenpsychologische Psychotherapie, Verhaltenstherapie) lernen kann, sich selbst zu beruhigen.
  • Motorische und feinmotorische Tätigkeiten eignen sich sehr gut zur Selbstberuhigung. Denn sie lenken den Menschen von seiner Angst ab, indem sie ihn zwingen, sich auf das Hier und Jetzt zu konzentrieren. Einige Beispiele sind:
    • Jonglierbälle kaufen und jonglieren
    • Mandala-Heft und Farbstifte besorgen und Mandalas präzise ausmalen
    • Handwerkliche Tätigkeiten oder Handarbeiten (kaputten Tisch reparieren, nähen, ...)

 

Beachten Sie | Geben Sie Ihrem Patienten diese Ratschläge nur dann, wenn Sie um Rat gefragt wurden. Auch wenn der Patient Ängste hat, ist er ein erwachsener Mensch und für sein Tun und Lassen selbst verantwortlich.

Quelle: Ausgabe 08 / 2014 | Seite 14 | ID 42772286