· Fachbeitrag · Patientenbetreuung
Umgang mit Schmerzpatienten
von Mihrican Özdem, Diplompsychologin, Landau
| Etwa 15 Millionen Menschen in Deutschland leiden unter chronischen Schmerzen. Ihr Leben ist stark eingeschränkt, viele können kaum noch ihrer Arbeit nachgehen, ihre Hobbys pflegen und an sozialen Aktivitäten teilnehmen. Sensibilisieren Sie sich für die Situation dieser Patientengruppe und nehmen Sie sie ernst. |
Was ist chronischer Schmerz?
Es gibt Schmerzen, denen offensichtlich organische Gründe zugrunde liegen, und solche, die scheinbar unbegründet sind. Im letzten Fall haben es Betroffene schwer: Es wird ihnen nicht selten unterstellt, sie würden simulieren oder „es übertreiben“. Schmerzen, die scheinbar keine organische Ursache haben, sollten korrekterweise betrachtet werden als solche, bei denen eine organische Ursache (noch) nicht festgestellt wurde.
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Was wünschen sich Patienten?
Betroffene Patienten, die von der Deutschen Schmerzliga und der Deutschen Gesellschaft für Schmerztherapie nach ihren größten Wünschen hinsichtlich ihrer Schmerzen befragt wurden, nannten
- Schmerzlinderung,
- höhere Lebensqualität,
- eine qualitativ und quantitativ bessere Schmerztherapie sowie
- mehr Verständnis und Akzeptanz vonseiten des Gesundheitssystems.
PRAXISHINWEIS | Machen Sie sich klar, dass ein Patient, der schon zahlreiche Therapien erhalten hat, weiterhin echte Schmerzen haben kann. Nehmen Sie seine Klagen ernst. Äußerungen wie „Das kann eigentlich nicht sein, Sie erhalten schon die wirksamsten Medikamente“ verletzen den Patienten, weil sie Unglaubwürdigkeit implizieren. Manche Patienten reagieren darauf mit Aggressionen, andere zweifeln an der eigenen Wahrnehmung und entwickeln Selbstwertprobleme. |
Schlechte Versorgungslage für Schmerzpatienten
Nach Angaben der Deutschen Schmerzliga werden nur 20 Prozent aller Schmerzpatienten angemessen therapiert, obwohl es Therapiemöglichkeiten gibt. Es gibt einfach zu wenige Ärzte, die sich auf chronische Schmerzen spezialisiert haben. Und viele Ärzte haben generell wenig Kenntnis über chronische Schmerzen, sodass sie nicht die richtige Diagnose stellen und den Patienten an falsche Stellen überweisen.
PRAXISHINWEIS | Zeigen Sie Ihrem Patienten, dass Sie um die schlechte Versorgungslage Bescheid wissen. Damit signalisieren Sie ihm, dass Sie ihm glauben und ihn ernst nehmen. Sprechen Sie in Ihrem Team über dieses Thema und halten Sie Adressen von Schmerzzentren vor, die Sie Ihrem Patienten mitgeben können und informieren Sie sich bei den einschlägigen Fachgesellschaften über chronische Schmerzen (siehe Weiterführende Hinweise). |
Therapien von chronischen Schmerzen
Therapien von chronischen Schmerzen vereinen medikamentöse Therapie entsprechend der Diagnose und psychologische Verfahren wie Autogenes Training. Patienten lernen, besser mit den Schmerzen umzugehen. Zum einen in der Form, dass sie schädliche Einflüsse - allen voran Stress - vermeiden, zum anderen in der Form, dass sie wohltuende Einflüsse maximieren, zum Beispiel kreative Betätigung. Sehr wichtig ist die Änderung der Einstellung zum Schmerz. Moderne Schmerztherapie beinhaltet, dass Patienten lernen, dass auch mit mäßigen Schmerzen ein erfüllendes Leben möglich ist. Eine vollständige Schmerzfreiheit anzustreben kann nämlich für viele mit Enttäuschung verbunden sein.
FAZIT | So tragen Sie dazu bei, dass Ihre Praxis zu einer Praxis wird, in der Schmerzpatienten willkommen sind:
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Weiterführende Hinweise
- Adressen von Schmerzzentren auf der Website der Deutschen Gesellschaft für Schmerztherapie e. V.: http://tinyurl.com/nu52ea8.
- Schwarzbuch Schmerz mit Fakten und Fallberichten zum Thema Schmerz als PDF unter http://tinyurl.com/oqbrl69.
- Website der Deutschen Schmerzgesellschaft: www.dgss.org.