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· Fachbeitrag · Medizinwissen

Arthrose - Praktische Tipps für den Alltag

von Dr. med. Marianne Schoppmeyer, Ärztin und Medizinjournalistin, Nordhorn

| Der Behandlungserfolg bei einer Arthrose hängt im Wesentlichen von der regelmäßigen aktiven Mitarbeit des Patienten ab (siehe PPA 06/2014, Seite 4 ). Der folgende Beitrag erläutert die häufigen Gelenkarthrosen im Speziellen und gibt Ihnen praktische Tipps für Ihre Patienten. Besonders wichtig ist es, die Gelenke vor jeglicher Form der Überlastung zu schützen. Dies ist nicht nur in Zeiten starker Beschwerden notwendig, sondern gerade auch, wenn keine Schmerzen bestehen. |

Arthrose des Hüftgelenks

 

Das Hüftgelenk ist das am häufigsten von einer Arthrose betroffene Gelenk des menschlichen Körpers. Es verbindet das Becken mit den Beinen und ist deswegen hohen mechanischen Belastungen ausgesetzt.

 

Bei einer Hüftarthrose (medizinisch Coxarthrose) kommt es zu wiederkehrenden Hüftschmerzen, Anlaufschmerzen und Steifheit nach Ruhephasen, Bewegungseinschränkung, Knirsch- und Reibegeräusche.

 

 

 

© elvira gerecht - Fotolia.com

 

  • Praktische Tipps bei Arthrose des Hüftgelenks
  • Mithilfe eines Handstocks oder einer Gehstütze kann das Hüftgelenk um bis zu 30 Prozent entlastet werden. Die Gehstütze sollte auf der gesunden Seite getragen werden und im Gleichschritt mit dem betroffenen Bein nach vorne bewegt werden. So wird das Bein zeitgleich entlastet.
  • Ein häufiger Wechsel zwischen Gehen und Sitzen ist vorteilhaft für das Hüftgelenk und führt bei vielen Patienten zu weniger Beschwerden.
  • Koffer, Einkaufstaschen oder andere schwere Lasten sollten auf der Seite des betroffenen(!) Beines getragen werden. Das Gelenk wird so um 20 Prozent weniger belastet, als wenn die Last auf der gesunden Seite getragen wird. Zu empfehlen ist auch das Verwenden eines Rucksacks.
  • Stühle können durch ein Sitzkissen oder einen Sitzkeil erhöht werden, sodass das Hüftgelenk nicht zu stark gebeugt werden muss.
  • Das Liegen auf der erkrankten Hüfte sollte vermieden werden.
  • Drehbewegungen sollten nicht in der Hüfte stattfinden. Stattdessen sollte der gesamte Körper mit kleinen Schritten gedreht werden.
  • Das Gelenk sollte vor Nässe und Kälte geschützt werden.
 

Arthrose des Kniegelenks

Das menschliche Kniegelenk besteht aus zwei Anteilen, die arthrotisch verändert sein können:

  • Arthrose des Oberschenkelknochen-Schienbein-Gelenks (medizinisch Femorotibialgelenk)
  • Arthrose des Oberschenkelknochen- Kniescheiben-Gelenks (medizinisch Femoropatellargelenk)

 

 

 

© bilderzwerg - Fotolia.com

 

Das Kniegelenk ist von einer Kapsel umgeben und wird durch kräftige Bänder gesichert. Innerhalb der Gelenkkapsel liegen die zwei Menisken, die auf das Knie einwirkenden Belastungen ausgleichen können. Schmerzen bei der Arthrose des Kniegelenks (medizinisch Gonarthrose) treten vor allem beim Abwärtsgehen auf. Ein Gefühl der Instabilität kann hinzutreten. Daneben kommt es zur eingeschränkten Beweglichkeit des Gelenks. Die schmerzfreie Gehstrecke ist abhängig davon, wie weit die Arthrose fortgeschritten ist.

 

  • Praktische Tipps bei Arthrose der Kniegelenke
  • Es sollten Schuhe mit flachen Absätzen getragen werden. Die Absätze selbst sollten nach Möglichkeit weich sein. Schuhe mit Abroll- oder Pufferabsatz federn den Auftritt weich ab.
  • Treppensteigen belastet die Kniegelenke, daher sollte - wenn vorhanden  - ein Aufzug benutzt werden. Falls sich das Treppensteigen nicht umgehen lässt, sollte das gesunde Knie vorausgehen, beim Abwärtsgehen das kranken Knie. Zum Abstützen und Entlasten des Kniegelenkes sollte unbedingt das Treppengeländer benutzt werden.
  • Langes Stehen sollte vermieden werden. Viele Arbeiten lassen sich auch sitzend erledigen. Höhenverstellbare Hocker oder Stehstühle helfen dabei.
  • Beim Sitzen sollten die Beine locker ausgestreckt und nicht angewinkelt werden. Beim Aufstehen vom Stuhl sollten die Arme zum Abstützen verwendet werden, um die Gelenke vor Überlastung zu schützen.
  • Arbeiten sollten nicht im Knien ausgeführt werden, sondern nach Möglichkeiten auf Sitzschemeln. Lassen sich Arbeiten im Knien nicht vermeiden, gibt es gepolsterte Kniebänke.
  • Im Fachhandel gibt es zahlreiche einfache Hilfsmittel, mit denen das Bücken und damit auch das häufige Beugen des Kniegelenks vermieden werden kann: Greifzange zum Aufheben von Gegenständen, Strumpf-Anziehhilfe, lange Schuhlöffel, elastische Schnürsenkel, sodass Schnürschuhe ohne Öffnen der Senkel an- und ausgezogen werden können.
 

Die Arthrose des Schultergelenks

Die Arthrose der Schulter wird medizinisch als Omarthrose bezeichnet. Das Schulter-Hauptgelenk wird von der seitlichen oberen Ecke des Schulterblatts und dem Kopf des Oberarmknochens gebildet. Das Schultergelenk ist das beweglichste Gelenk des menschlichen Körpers. Es ist von einer Kapsel und der ausgeprägten Schultermuskulatur umgeben.

 

 

 

© elvira gerecht - Fotolia.com

 

Die Beschwerden bei der Schulterarthrose äußern sich anfangs meist mit Schmerzen und leichten Bewegungseinschränkungen der Schulter, die im Laufe der Zeit zunehmen. Die Schmerzen können bis in den Ellbogen oder die Hand ausstrahlen.

 

  • Praktische Tipps bei Arthrose des Schultergelenks
  • Bei akuten Schmerzen kann die Schulter am besten mit einer Thorax-Abduktionsschiene entlastet werden. Auf keinen Fall sollte der Arm in einem Schultertuch oder einer Schlinge getragen werden. Dies kann schnell zu einer Einsteifung des Schultergelenks führen.
  • Tätigkeiten, die über dem Kopf durchgeführt werden müssen wie beispielsweise Fenster putzen, Wäsche aufhängen oder tapezieren, sollten nach Möglichkeit vermieden werden. Alternativ kann eine kleine Leiter zur Hilfe genommen werden.
  • Ellbogen und Oberarm sollten nah am Rumpf gehalten werden und die Hände nur bis auf Höhe der Augen gehoben werden, um die Belastung des Schultergelenks möglichst klein zu halten.
  • Schwerere Gegenstände wie beispielsweise ein Topf oder eine Pfanne sollten mit beiden Armen getragen werden. Beim Einkaufen kann ein ziehbarer Trolley verwendet werden.
  • Beim Sitzen ist es günstig, die Arme frei pendeln zu lassen, um so die Schultergelenke zu entlasten.
  • Beim Aufstehen von einem Stuhl sollten keine Armstützen zur Hilfe genommen werden.
  • Nachts sollte nicht auf der erkrankten Schulter geschlafen werden. Günstig ist es auch, den Arm während des Schlafes auf einem Kissen zu lagern. So wird eine übermäßige Dehnung der Gelenkkapsel vermieden.
 

 

Weiterführende Hinweise

Quelle: Ausgabe 07 / 2014 | Seite 13 | ID 42681695