· Fachbeitrag · Medizinwissen
Arthrose - Wie kann der Gelenkverschleiß gestoppt werden?
von Dr. med. Marianne Schoppmeyer, Ärztin und Medizinjournalistin, Nordhorn
| Abnutzungserscheinungen an den Gelenken zeigen sich bei nahezu jedem Patienten über 60 Jahren. Das bedeutet nicht gleich, dass eine Arthrose vorliegt, aber immerhin sind in Deutschland etwa fünf Mio. Frauen und Männer von der Erkrankung betroffen. Und angesichts des demografischen Wandels ist auch mit einem weiteren Anstieg der Arthrose-Häufigkeit zu rechnen. Somit ist Arthrose nicht nur ein wichtiges Thema in der orthopädischen Praxis, sondern zunehmend auch in der Hausarztpraxis. |
Was ist eine Arthrose?
Mit Arthrose bezeichnet man den Verschleiß der Gelenke. Dabei kommt es ausgehend von einem Schaden im Knorpelüberzug der Gelenke langsam zum vollständigen Abrieb und Verlust des Gelenkknorpels. Der Gelenkspalt verschmälert sich und der Druck auf den Knochen wird immer größer. Nachfolgend reiben die am Gelenk beteiligten Knochen gegeneinander. Dadurch verändert sich die Struktur des Knochens, er verhärtet sich. Es treten sogenannte subchondrale Sklerosierungen auf. Zusätzlich finden sich am Gelenkrand unter Umständen knöcherne Zacken und Ausziehungen (Osteophyten), die zu einer Vergrößerung des Gelenks führen. Diese Ausziehungen machen das Gelenk unbeweglicher.
All diese Veränderungen führen zu Schmerzen, die sich anfangs besonders nach Ruhephasen wie beispielsweise morgens beim Aufstehen bemerkbar machen. Meist bessern sich diese Schmerzen nach einigen Minuten Bewegung. Mit Fortschreiten der Erkrankung treten Schmerzen jedoch bei Belastungen des Gelenks auf, später dann auch in Ruhe. Weiterhin kann das Gelenk anschwellen und sich entzünden. Dann spricht der Arzt von einer aktivierten Arthrose. Im fortgeschrittenen Stadium kommen Bewegungseinschränkungen hinzu, die unter Umständen bis zur Versteifung des Gelenks führen können.
MERKE | Wichtig zu wissen ist auch, dass die Symptome des Patienten nicht mit den Veränderungen im Röntgenbild übereinstimmen müssen. So gibt es Patienten mit massiven Veränderungen im Röntgenbild, die aber kaum Beschwerden haben und umgekehrt können Beschwerden aufgrund einer Arthrose auftreten und im Röntgenbild finden sich kaum Hinweise auf die Erkrankung. |
Risikofaktoren einer Arthrose
Am häufigsten von einer Arthrose betroffen sind die Hüft- und die Kniegelenke. Sie müssen im Alltag die größten Belastungen aushalten, etwa beim Gehen, beim Treppensteigen oder beim Tragen. Weitere Risikofaktoren für die Entwicklung einer Arthrose sind:
- Alter
- Vererbung
- Übergewicht
- Fehlstellungen wie X- oder O-Beine
- Überlastungen in bestimmten Berufen (zum Beispiel Kniearthrose beim Fliesenleger)
- Sportarten mit extremen Belastungen der Gelenke
- Unfälle mit Beteiligung eines Gelenks
- Rheumatische Gelenkerkrankungen
Wie wird eine Arthrose therapiert?
Eine Arthrose ist zwar nicht heilbar, aber der Zustand des betroffenen Gelenks muss sich nicht unweigerlich verschlechtern. Im günstigsten Fall schreitet eine Arthrose lediglich langsam - mit zwischenzeitlichen Phasen der Besserung - fort. Dabei muss der Patient allerdings aktiv mithelfen.Therapeutisch wird zwischen einer konservativen, nicht operativen Therapie und der operativen Behandlung unterschieden. Ziel ist es immer, die Schmerzen des Patienten zu lindern und die Bewegungsfähigkeit zu erhalten bzw. wieder herzustellen.

Verhaltensänderung als Basis
Ausgangspunkt jeder Therapie sollte die Aufklärung, Beratung und Schulung des Patienten hinsichtlich seiner Erkrankung sein. Dazu können Sie als MFA maßgeblich beitragen, indem Sie dem Patienten immer wieder erklären, dass er selber sehr viel für sein eigenes Wohlergehen tun kann. Hierzu gehört häufig auch die Änderung gewohnter Verhaltensweisen, um gelenkbelastende Faktoren zu beseitigen.
Konservative Therapie
Die konservative Therapie zielt darauf ab, das erkrankte Gelenk zu entlasten und vor Fehl- und Überlastungen zu schützen. Begleitende Maßnahmen sind daher besonders wichtig.
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Für jeden Patienten kann in der Regel ein individuelles Therapieregime gefunden werden, das seine Schmerzen lindert und seine Mobilität verbessert. Erfolgsvoraussetzung ist jedoch immer die kontinuierliche aktive Mitarbeit des Patienten.
Operative Therapie
Erst wenn die oben genannten Maßnahmen keine Linderung mehr bringen, sollte über eine Operation nachgedacht werden. Neben den gelenkerhaltenden Operationsmethoden, wird ein arthrotisches Gelenk häufig auch durch ein künstliches Gelenk ersetzt. Bei einer solchen Operation wird das erkrankte Gelenk teilweise oder komplett entfernt und anschließend eine Endoprothese eingesetzt. Dies ist mittlerweile für das Hüft-, Knie-, Schulter-, Ellbogen- und Sprunggelenk sowie für die Finger und Zehengelenke möglich. Die Operationsmethoden sowie die künstlichen Gelenke selbst haben sich in den letzten Jahren entscheidend verbessert. Die künstlichen Gelenke halten mitunter Jahrzehnte und selbst der Austausch einer Endoprothese ist heute in der Regel kein Problem. Trotzdem stellt eine Operation immer einen großen Eingriff dar, der mit Risiken und möglichen Komplikationen verbunden ist. In der nächsten Ausgabe von PPA werden wir Ihnen konkrete Tipps zur Arthrose der Hüfte (Coxarthrose), des Knies (Gonarthrose) und der Schulter (Omarthrose) vorstellen, die Ihren Patienten im Alltag sicherlich helfen.
Weiterführender Hinweis
- Das Themenheft Arthrose des Robert-Koch-Instituts finden Sie zum Download unter http://tinyurl.com/khzaqmh