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26.02.2010 | Teammanagement

So gehen Sie mit mehr Verantwortung um

von Mihrican Özdem, Diplompsychologin, Landau

Medizinische Fachangestellte (MFA) müssen immer häufiger Aufgaben des Arztes oder der Ärztin übernehmen. Doch auch wenn letztlich der Arzt für mögliche Fehler haftet - Sie sind im Patientenkontakt zunächst auf sich selbst gestellt. Lesen Sie in diesem Beitrag, wie Sie sich vor Belastungen durch ein hohes Maß an Verantwortung schützen können.  

Macht große Verantwortung krank?

Zunächst sei festgestellt: Die Tatsache, dass Sie sich für den Beruf der MFA entschieden haben, zeigt, dass Sie keine Verantwortung scheuen und eine eher starke Persönlichkeit haben. Dies allein ist allerdings keine Garantie dafür, dass Sie über die Zeit hinweg keine Belastungen erleiden. Wenn Sie nicht auf sich achtgeben, könnten Sie ein Burnout entwickeln. Denn Berufstätige, die in ihrer Arbeit große Verantwortung tragen, gelten als Risikogruppen für Burnout.  

 

Verantwortung an sich ist freilich nicht das Problem - im Gegenteil. Wer arbeitet, ohne Verantwortung übertragen zu bekommen, wird bald darunter leiden, dass ihm offenbar nichts zugetraut wird. Erst mit der Selbstständigkeit wird die Arbeit interessant und erfüllend. Ein Problem entsteht vielmehr, wenn große Verantwortung mit ungünstigen Bedingungen zusammentrifft. Mit Bedingungen, die außerhalb der Person liegen (zum Beispiel zuviel Arbeit) und die in der Person liegen (zum Beispiel zu große Angst vor Fehlern).  

Minimieren Sie Ihre Angst vor Fehlern

Sie werden weniger Angst vor Fehlern haben und sich selbst vor Überforderung schützen, wenn Sie umfangreiche Kenntnisse und Fertigkeiten erwerben. In Ihrer Aus- und Weiterbildung sollten Sie die Aufgaben, die Sie später allein ausführen müssen, so häufig wie möglich üben. Wenn Sie den Eindruck haben, die Übung kommt zu kurz, fordern Sie dies aktiv ein. Fertigkeiten zu üben, steigert die Routine. Und Routine - wie auch Fachkenntnisse - geben Ihnen Sicherheit, gerade in Stresssituationen.  

Erkennen Sie, was in Ihrer Verantwortung liegt und was nicht

Verantwortliches Handeln in einer Sache bedeutet so zu handeln, dass die Sache gut verläuft und dass Schaden verhindert wird - in Ihrem Fall also die Genesung eines Patienten bzw. die Nichtschädigung des Patienten. Nun gibt es Situationen, auf die Sie gar keinen Einfluss haben. Einer hoch schmerzempfindlichen Person können Sie bspw. die Spritze noch so behutsam setzen, der Person wird es dennoch wehtun. Übernehmen Sie also keine Verantwortung, wenn die Verantwortung nicht bei Ihnen liegt. Die Burnout-Gefahr ist bei Menschen hoch, die sich für alle und für alles verantwortlich fühlen.  

 

Wenn Sie einen Hausbesuch bei einem Patienten haben, der auch Zuwendung - das heißt vor allem Ihre Zeit - möchte, Ihre Zeit aber begrenzt ist, dann ist das Gesundheitssystem dafür verantwortlich, nicht Sie. Als wahrscheinlich sehr hilfsbereiter Mensch werden Sie versuchen, dem Patienten trotzdem zu geben, was seiner Genesung dienlich wäre (zum Helfersyndrom finden Sie einen Artikel in Ausgabe 1/2009 von „Praxisteam professionell“). Sie werden also versuchen auszugleichen, was dem System nicht gelingt. Machen Sie sich klar, dass Sie damit zu viel Verantwortung auf die eigenen Schultern nehmen. Vielmehr sollten Sie versuchen, eine Mitte zu finden zwischen ihrem eigenen Anspruch und den Möglichkeiten, die Sie haben.  

 

Machen Sie sich damit vertraut, dass auch Ihnen einmal ein kleiner oder großer Fehler unterlaufen wird, wenn es nicht schon passiert ist - denn das ist menschlich. Akzeptieren Sie dann diesen Fehler als den ihrigen, statt ihn auf andere oder auf Situationen zu schieben. Verantwortung bedeutet eben auch, für das eigene Tun einzustehen. Wenn Sie die Blutproben von Patienten vertauschen, dann ist das gravierend und lässt sich durch nichts entschuldigen. Seien Sie so stark, dass Sie die Konsequenzen aushalten. Beginnen Sie nicht, sich als Person infrage zu stellen und sich vor Schuldgefühlen selbst zu kasteien.  

Hüten Sie sich vor dem Perfektionismus

Viel Verantwortung zu tragen und gleichzeitig perfekt sein zu wollen, wird über kurz oder lang zu Stress und Überforderung führen. Der Ihnen übertragenen Verantwortung werden Sie besser gerecht werden können, wenn Sie zufrieden sind mit Ihren guten Arbeitsergebnissen. Eine 95-prozentig gute Arbeit ist besser als eine 150-prozentige, die Sie nach fünf Jahren lahmlegt.  

 

Checkliste

  • Qualifizieren Sie sich, um Ihre Arbeit gut bewältigen zu können und sich vor der Angst vor Fehlern zu schützen.
  • Wenn Sie generell Angst vor Fehlern haben, sorgen Sie dafür, dass Sie sich von dieser Angst befreien.
  • Übernehmen Sie keine Verantwortung für Dinge, für die Sie keine Verantwortung tragen.
  • Übernehmen Sie Verantwortung für Dinge, für die Sie verantwortlich sind.
  • Verantwortung für Fehler zu übernehmen bedeutet nicht, in Schuldgefühle zu verfallen, sondern die Konsequenzen zu akzeptieren.
  • Finden Sie eine Balance zwischen Ihren Ansprüchen und den gegebenen Möglichkeiten.
  • Seien Sie nicht perfektionistisch.

 

Quelle: Ausgabe 03 / 2010 | Seite 6 | ID 133838