· Fachbeitrag · Arbeit und Gesundheit
Setzen Sie sich für Ihre Interessen ein!
von Mihrican Özdem, Diplompsychologin, Landau
| Laut einer aktuellen Studie der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) sind Zufriedenheit und Arbeitsproduktivität besonders hoch, wenn die Beschäftigten am Arbeitsplatz ihre eigenen Interessen berücksichtigt sehen. Damit ein Praxischef die Interessen seiner MFA berücksichtigen kann, muss er diese aber erst einmal kennen. Doch viele Mitarbeiterinnen scheuen gerade davor zurück, eigene Interessen zu äußern. Grund ist oft Angst, sich bei der Praxisführung oder den Kolleginnen unbeliebt zu machen. Dieser Beitrag zeigt, wie Sie sich professionell für Ihre eigenen Interessen einsetzen. |
Ergebnisse der aktuellen Arbeitnehmerbefragung
Die von der BAuA durchgeführte Umfrage bestätigt: Wer seine Interessen am Arbeitsplatz berücksichtigt sieht, klagt seltener über depressive Symptome und ist seltener arbeitsunfähig. Wer sich also für die eigenen Interessen einsetzt, handelt sowohl zum eigenen Vorteil als auch im Interesse der Praxis. Ein weiteres Ergebnis der Untersuchung ist: Mitarbeiter, die ihre Vorgesetzten als unterstützend wahrnehmen, sind zufriedener mit ihrer Arbeit und fühlen sich ihrem Unternehmen stärker verbunden. Als leitende MFA sollten Sie daher neben Ihren eigenen Interessen auch die Bedürfnisse Ihrer Mitarbeiterinnen im Blick haben.
Trauen Sie sich, die eigenen Interessen mitzuteilen
Denken Sie nicht, dass eine bestehende Arbeitsorganisation etwas Starres ist. Oft können leichte Veränderungen vorgenommen werden, ohne die Praxisabläufe zu beeinträchtigen. Trauen Sie sich also ruhig, zum Beispiel mitzuteilen, wenn sich in Ihrem Lebensalltag etwas verändert - zum Beispiel, wenn Ihre Mutter plötzlich pflegebedürftig geworden ist - und dass Sie Ihre Arbeitszeiten gern diesem neuen Lebensumstand anpassen würden.
Gerade Menschen, die einen helfenden Beruf ausüben, neigen zu einem Helfersyndrom. Sie richten Ihre Aufmerksamkeit mehr auf die Bedürfnisse der anderen. Sie selbst bleiben dann häufig auf der Strecke. Das Ergebnis ist oft, dass Sie ausbrennen und dann niemandem mehr nützen. Gesünder ist es, dafür zu sorgen, zunächst einmal selbst stabil zu sein. Das wiederum erfordert, sich für die eigenen Belange einzusetzen.
Menschen, die nicht darin geübt sind, eigene Wünsche zu äußern, können sich allerdings schnell im Ton vergreifen. Achten Sie darauf, dass Sie nicht in eine überzogene Anspruchshaltung geraten. Wer aggressiv fordert, provoziert zwangsläufig Widerstand bei den Kollegen. Äußern Sie Ihre Vorstellung vielmehr als offene Anfrage. Seien Sie nicht „beleidigt“, wenn Ihrem Wunsch nicht nachgekommen werden kann. Was in der Praxisorganisation nicht geht, geht eben nicht. Das müssen Sie akzeptieren.
PRAXISHINWEIS | Sich für sich selbst einzusetzen ist ein Zeichen von Selbst-sicherheit. Konkret bedeutet dies:
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Nehmen Sie auch Rücksicht auf die Interessen der anderen
Sich für die eigenen Belange einzusetzen, bedeutet freilich nicht, dass Sie das große Ganze aus den Augen verlieren dürfen. Achten Sie auch darauf, welche Interessen Ihre Kolleginnen haben und ob diese mit Ihren eigenen zu vereinbaren sind.
Sich zum Beispiel vor unbeliebten Arbeiten drücken zu wollen, wäre ungerecht. Ebenso sollten Sie vermeiden, allzu viele Forderungen zu stellen. Zum einen wird beides auf Widerstand bei den anderen stoßen, zum anderen verträgt auch die beste Arbeitsorganisation kein Übermaß an Veränderung.
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Weiterführende Hinweise
- Quelle: Arbeit und Gesundheit - Ergebnisse der Untersuchung in Bochum im Dezember 2011. Eine Zusammenfassung der Ergebnisse der Umfrage kann auf der Homepage der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) heruntergeladen werden: www.baua.de/de/Publikationen/Fachbeitraege/artikel40.html
- Besseres Teamklima ohne Hintergrundgeräusche: Hören Sie auf zu lästern! (PPA 09/ 2011, Seite 15)
- Fairer Umgang im Team - Voraussetzung für den Erfolg der Praxis (PPA 11/2008, Seite 16)
- Lernen Sie, auch einmal „Nein“ zu sagen - aber tun Sie es diplomatisch! (PPA 02/2009, Seite 16)
- Vorausschauende und „gerechte“ Urlaubsplanung in der Arztpraxis (PPA 01/2009, Seite 1)