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26.01.2009 | Teammanagement

Lernen Sie, auch einmal „Nein“ zu sagen - aber tun Sie es diplomatisch!

Eine Kollegin will den Dienst mit Ihnen tauschen. Obwohl Sie für Ihren freien Tag bereits eine Verabredung mit Ihrer Freundin getroffen hatten, erfüllen Sie ihr den Wunsch. Innerlich jedoch ärgern Sie sich, weil Sie sich - wieder einmal - nicht getraut haben, „Nein“ zu sagen. Grundsätzlich hilft man sich in einem Team natürlich gern aus, wenn es möglich ist. Selbstverständlich tauschen Sie den Dienst, wenn die Kollegin mit ihrem Kind zum Arzt muss. Für solche Ausnahmesituationen hat sicher jeder Verständnis. Sofern man dann im Gegenzug auch Ihnen entgegenkommt, wenn Sie Hilfe benötigen, gehört das in die Kategorie „Geben und nehmen“. Was aber, wenn Sie das Gefühl haben, dass immer nur Sie diejenige sind, die kollegial aushilft? Folgende Tipps sollen Ihnen helfen, Ihre eigenen Interessen nicht immer zurückzustellen.  

Erbitten Sie sich Bedenkzeit

Sagen Sie Ihrer Kollegin, dass Sie ihre Bitte eventuell erfüllen können, Sie aber Zeit zur Prüfung benötigen. Beispiel: „In der Mittagspause sehe ich in meinem Terminkalender nach, ob ich den Dienst mit dir tauschen kann.“ So können Sie in Ruhe über die Bitte nachdenken. Dies ist wichtig, damit Sie nicht „Ja“ sagen, wenn Sie „Nein“ meinen. Vielleicht merken Sie erst während der Bedenkzeit, dass die Kollegin schon sehr häufig mit Ihnen den Dienst getauscht hat.  

 

Wenn Sie bereits einen anderen Termin haben, gehen Sie nach der Mittagspause auf die Kollegin zu und teilen ihr mit, dass es nicht geht. Rechtfertigen Sie sich nicht umständlich, sondern teilen Sie ihr lediglich mit, dass Sie bereits einen Termin haben, den Sie nicht verschieben möchten. Ihr Verhalten signalisiert der Kollegin Ihre grundsätzliche Bereitschaft, den Dienst mit ihr zu tauschen, da Sie in Ihrem Terminkalender nachgesehen haben, ob dies möglich ist.  

Stimmen Sie nur unter einer Bedingung zu

Erklären Sie Ihrer Kollegin, dass Sie ihre Bitte nur unter einer bestimmten Bedingung erfüllen können. Beispiel: „Ich kann den Dienst am nächsten Mittwoch nur mit dir tauschen, wenn du den Donnerstag für mich übernimmst.“ Diese Eingrenzung zeigt Ihre grundsätzliche Bereitschaft zu helfen, aber nur bis zu einem gewissen Umfang.  

Suchen Sie nach einer Alternative

Wenn Sie Ihrer Kollegin helfen möchten, aber am vorgeschlagenen Tag nicht den Dienst tauschen können, suchen Sie gemeinsam nach einer Alternative. Beispiel: „Den Mittwochsdienst kann ich leider nicht mit dir tauschen, weil ich selbst etwas vorhabe. Ich könnte jedoch am Donnerstag deinen Spätdienst übernehmen, wenn dir das helfen würde.“ Diese Bereitschaft, eine andere Lösung für das Problem zu suchen, beweist der Kollegin Ihre Hilfsbereitschaft.  

Die klare Absage: freundlich, aber bestimmt

Wenn Sie sofort wissen, dass Sie der Kollegin den Gefallen nicht tun können, sagen Sie ihr freundlich und bestimmt, aber klipp und klar ab. Beispiel: „Natürlich hätte ich den Dienst mit dir getauscht, habe aber leider am nächsten Mittwoch selbst schon etwas vor.“ Wenn Sie dies freundlich, aber doch mit fester Stimme und Augenkontakt formulieren, wird die Kollegin das akzeptieren müssen.  

Anlässe für ein klares „Nein“ und Tipps zur Vorgehensweise

Für ein klares „Nein“ gibt es häufig Anlässe in der Praxis. Die folgenden Situationen kommen Ihnen sicher bekannt vor:  

 

Wie können Situationen konfliktfrei gelöst werden?

Standardsituation  

Ihr eindeutiges „Nein“  

Tipp zur Vorgehensweise  

Ihre Kollegin will kurzfristig frei haben.  

„Durch die Krankheit von Ute sind wir derzeit ohnehin unterbesetzt. Wenn sie wieder da ist, wird es sicher eine Gelegenheit geben, den freien Tag zu nehmen.“  

Appellieren Sie an das kollegiale Verhalten.  

Sie wollen unbefriedigende Arbeitsergebnisse nicht annehmen.  

„Das EKG kann so nicht abgenommen werden, die Ableitungen sind falsch platziert. Bitte wiederhole es noch einmal.“  

Seien Sie konkret in Ihrer Kritik, damit die Kollegin etwas aus der Situation lernt. Bleiben Sie jedoch konsequent in Ihrem „Nein“, wenn die Arbeit inakzeptabel ist.  

Die Kollegin möchte gern Blut abnehmen, hat aber wenig Talent für diese Tätigkeit.  

„Sarah, die EKG-Abnahme kannst Du sehr gut, für die Blutabnahme brauchst du aber erst noch mehr Training. Im Augenblick sehe ich da keine Möglichkeit für dich, in diesen Bereich hineinzukommen.“  

Nennen Sie einen konkreten Grund für die Ablehnung, das hilft der Kollegin bei ihrer weiteren Entwicklung, und betonen Sie, was die Kollegin gut kann, um sie nicht völlig zu demotivieren.  

Die Kollegin beschwert sich in unangemessenem Ton über andere Teammitglieder.  

„Alina, ich möchte nicht über Kolleginnen herziehen. Da im Moment keine Lösung für das Problem in Sicht ist, bitte ich dich, dass wir später darüber reden.“  

Bleiben Sie auch dann gefasst, wenn die Kollegin unverschämt wird. Sagen Sie „nein“ und bieten ihr ein klärendes Gespräch zu einem anderen Zeitpunkt an.  

Fazit: Es macht keinen Sinn, „Ja“ zu sagen, wenn Sie „Nein“ meinen. Solch ein Verhalten fördert nur Konflikte und Missstimmungen. Ein begründetes „Nein“ wird in der Regel verstanden werden.  

 

Quelle: Ausgabe 02 / 2009 | Seite 16 | ID 124013