31.07.2009 | Teammanagement
Konstruktives Feedback geben und nicht einfach sofort meckern
Im Praxisalltag kommt es immer wieder vor, dass Fehler gemacht werden, Verabredetes nicht eingehalten wird oder das Verhalten eines oder mehrerer Teammitglieder störend ist. Sprechen Sie solche Probleme konstruktiv an - „Praxisteam professionell“ zeigt Ihnen wie!
Ärger sollte sich nicht aufstauen
Es ist wichtig, Unstimmigkeiten möglichst direkt zu klären und nicht so lange zu warten, bis sie zu echten Problemen werden. Doch viele Menschen tun sich schwer damit, negative Dinge anzusprechen und einen anderen möglicherweise damit zu verletzen. Umgekehrt gefällt es auch den wenigsten von uns, auf seine eigenen Fehler angesprochen zu werden. Das führt häufig dazu, dass Kritikpunkte so lange gesammelt werden, bis eine bestimmte Toleranzgrenze überschritten und die Kritik über der anderen Person ausgeschüttet wird. Entsprechend heftig fällt sie dann aus und der Empfänger hat nicht selten große Schwierigkeiten, diese zu „verdauen“. In der Zwischenzeit werden die Kritikpunkte häufig auch noch mit Unbeteiligten besprochen, was sich zerstörerisch auf das Team auswirkt.
Acht Grundregeln für ein konstruktives Feedback
Machen Sie es besser! Dabei ist die gegenseitige Rückmeldung für das gesamte Team sehr wichtig. Da, wo es richtig gemacht wird, verbessert sich sowohl die Leistung als auch die Stimmung im Team, weil man aus Fehlern lernen und sie in Zukunft vermeiden kann. Wenn auch Sie sich in einem Spannungsfeld befinden - zwischen der rationalen Einsicht, dass es sinnvoll ist, Probleme zu klären, und dem emotionalen Wunsch, Ruhe zu haben oder die Harmonie zu wahren -, können Ihnen folgende acht Regeln helfen:
1. Missbrauchen Sie das Feedback nie, um sich zu profilieren!
Das Feedback vermittelt in erster Linie die persönliche Sicht auf die Dinge und ist subjektiv. Erfolgt eine Rückmeldung vom Chef an eine Mitarbeiterin oder von einer ausgelernten Fachkraft an eine Auszubildende, dann geht es häufig auch um eine fachliche Korrektur, die dem anderen helfen soll, Anforderungen besser zu erfüllen. Spielen Sie sich nie als „Besserwisser“ auf, denn damit erreichen Sie meist nur, dass Ihr Gegenüber „dicht macht“.
2. Beachten Sie die Bereitschaft Ihres Gegenübers!
Überfordern Sie Ihren Gesprächspartner nicht mit zu viel Feedback auf einmal und beachten Sie, ob er im Moment in der Lage ist, die Rückmeldung anzunehmen. So wird zum Beispiel eine Mitarbeiterin, die sich nach Feierabend beeilen muss, um ihren Bus nicht zu verpassen, kaum in der Lage sein, zuzuhören und konstruktiv mit der Kritik umzugehen.
3. Bleiben Sie immer konkret!
Nur mit konkreten Aussagen bezüglich des eigenen Verhaltens kann Ihr Gegenüber etwas anfangen. Sprechen Sie daher immer ganz bestimmte Verhaltensweisen an. Kritisieren Sie nicht die ganze Person in allen Situationen, sondern nur bestimmte Merkmale in bestimmten Situationen. Wenn möglich, geben Sie konkrete und realisierbare Änderungsvorschläge.
4. Interpretieren Sie nicht, sondern beschreiben Sie!
Beschreiben Sie das konkrete Verhalten Ihres Gegenübers. Liefern Sie keine Interpretationen. Nicht: „Sie mögen die Auszubildende XY nicht!“ Sondern: „In Ihrer Schicht assistiert Frau XY nie bei OPs. Warum ist das so?“ Schimpfen und Beleidigen ist nicht nur unangebracht, sondern führt auch zu keinem positiven Ergebnis.
5. Achten Sie auf den aktuellen Bezug!
Beziehen Sie sich mit dem Feedback auf möglichst aktuelle Situationen. Der Betreffende weiß bei Verallgemeinerungen und pauschalen Aussagen nicht, was das Problem ist und wie er es beseitigen kann. Rechnen Sie nicht das Verhalten in der Vergangenheit auf, auch dann nicht, wenn es sich um ähnlich gelagerte Fälle handelt. Damit erleichtern Sie es Ihrem Gegenüber, das Feedback anzunehmen und es nicht als Meckern zu interpretieren.
6. Heben Sie positive und negative Aspekte hervor!
Feedback geben bedeutet nicht nur, Verhalten (konstruktiv) zu kritisieren, sondern auch die Dinge zurückzumelden, die positiv aufgefallen sind. Das soll dem anderen nicht „den Bauch pinseln“, sondern hilft ihm, aus seinen eigenen Ressourcen heraus das Problem zu lösen.
7. Bleiben Sie ehrlich und verbindlich!
Nicht nur was man sagt, sondern auch wie man es sagt, ist entscheidend. Verwechseln Sie Schonungslosigkeit nicht mit Ehrlichkeit. Feedback ist sinnlos, wenn es Ihr Gegenüber nicht annehmen kann.
8. Beugen Sie Missverständnissen vor!
Achten Sie auf die Reaktionen Ihres Gegenübers. Fragen Sie nach, wie das Feedback angekommen ist, dies beugt Missverständnissen vor. Fragen Sie gegebenenfalls auch nach, wie der andere die Situation erlebt hat, und lassen sich selbst ein Feedback geben.
Steigern Sie Ihre Fähigkeit, konstruktiv zu kritisieren!
Fördern Sie die Bereitschaft Ihrer Mitmenschen, Kritik anzunehmen, indem Sie selbst gut zuhören, sich nicht herausreden und für Rückmeldungen dankbar sind, falls Sie selbst kritisiert werden.