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29.09.2010 | Selbstpflege

Wie steht es mit Ihrer Arbeitszufriedenheit?

von Mihrican Özdem, Diplompsychologin, Landau

Laut aktuellen Untersuchungen liegt die Arbeitszufriedenheit von Mitarbeitern in Deutschland sehr im Argen. In der bundesweiten Befragung von „DGB-Index Gute Arbeit“ im Jahr 2009 gaben nur 12 Prozent der Mitarbeiter an, eine gute Arbeit zu haben, 33 Prozent bewerteten ihre Arbeit als schlecht und 55 Prozent als mittelmäßig. Wie sieht es mit Ihrer Arbeitszufriedenheit aus?  

Warum ist Arbeitszufriedenheit so wichtig?

Ein Großteil unserer Lebenszeit besteht aus Arbeit. Wenn wir mit unserer Arbeit unglücklich sind, lässt unsere Motivation nach, wir entfremden uns von der Arbeit, stumpfen ab und werden krank. Gemäß der genannten Befragung geht jeder zweite Beschäftigte davon aus, seine Tätigkeit unter den jetzigen Arbeitsbedingungen nicht bis zum Rentenalter ausüben zu können.  

 

Unzufriedenheit mit der Arbeit wirkt sich stark auf das private Leben aus. Es bleibt nicht mehr genügend Zeit oder Energie für private Verpflichtungen (Haushalt, Familie usw.), geschweige denn für das Vergnügen. Davon mitbetroffen sind dann immer auch die Familie und Freunde.  

 

Zufriedenheit hingegen steigert die Motivation. Man ist aufmerksamer, hat mehr Freude an der Arbeit, identifiziert sich mehr mit ihr und erbringt mehr und bessere Leistung. Man ist ausgeglichener, auch in der privaten Zeit.  

Was bedeutet Arbeitszufriedenheit genau?

Man könnte meinen, dass ein Mitarbeiter schon sehr zufrieden sein müsste, wenn er ein gutes Gehalt bekommt, Anerkennung für seine Tätigkeit erhält, selbstbestimmt arbeiten kann und nette Arbeitskollegen hat. Aber so einfach ist das nicht.  

 

Es kommt nämlich darauf an, was einem persönlich wichtig ist. Menschen sind verschieden. Die einen legen Wert auf hohes Einkommen, die anderen auf die Arbeit an sich, wieder andere auf größtmögliche Autonomie. Es gibt solche, die glücklich sind mit Routinearbeiten, andere brauchen Abwechslung und möchten kreativ sein. Jene, die ein starkes Gerechtigkeitsempfinden haben, werden unzufrieden sein, wenn sie eine Gehaltserhöhung erhalten, aber die Kolleginnen, die die gleiche Arbeit leisten, nicht.  

 

Dennoch kann man Faktoren identifizieren, die bei den meisten Menschen die Zufriedenheit mit der Arbeit steigern.  

Arbeitswissenschaftler haben festgestellt, dass folgende Faktoren die Arbeitszufriedenheit steigern: Der Arbeitnehmer ...  

 

  • sieht einen Sinn in seiner Arbeit (Arbeit ist wichtig für die Gesellschaft, für die Selbstverwirklichung usw.),

 

  • erhält Anerkennung für seine Arbeit (durch Vorgesetzte, Kollegen, Patienten usw.),

 

  • hat die Möglichkeit, auf die Arbeit Einfluss zu nehmen (Mitspracherechte, Teamsitzungen usw.),

 

  • kann von seinem Gehalt gut leben.

 

Zufriedenheitskiller sind jeweils das Gegenteil der oben aufgeführten Punkte sowie  

 

  • zu viel Arbeit (arbeitsbedingter Stress, ständige Störungen bei der Arbeit, ein zu großes Tagespensum usw.),

 

  • schlechtes Betriebsklima (schlechte Umgangsformen, Konflikte im Team bzw. mit dem Chef/der Chefin usw.),

 

  • das Gefühl, ungerecht behandelt zu werden,

 

  • aufseiten des Mitarbeiters: falsche Berufswahl (die Arbeit passt nicht zu einem, man hat sie sich anders vorgestellt).

Analysieren Sie Ihre Arbeitszufriedenheit

Sicher wissen Sie bereits, ob Sie mit Ihrer Arbeit zufrieden sind oder nicht. Wissen Sie denn auch, woran das genau liegt? Anhand der Fragen auf der nächsten Seite können Sie Ihre Arbeitszufriedenheit analysieren. Einige Fragen sind aus dem „Fragebogen zur Messung der Bedürfniszufriedenheit bei der Arbeit (FMBZ) nach Porter“ von Ansfried B. Weinert entnommen.  

 

Gehen Sie die Bereiche systematisch an. Ergibt Ihre Analyse zum Beispiel, dass Sie unzufrieden mit der Zusammenarbeit im Team sind? Dann sprechen Sie das bei der nächsten Teambesprechung an und bitten um Konfliktgespräche! Ist es auch der Zeitdruck? Dann prüfen Sie im Team, ob Sie ein gutes Zeitmanagement praktizieren oder ob Sie eine zusätzliche Kraft gut gebrauchen könnten!  

 

Merke!

Ihre Praxis wird nicht erfolgreich geführt werden können, wenn das Team vorwiegend unzufrieden ist. Über die Zeit häufen sich Probleme, die nicht mehr zu lösen sind. Packen Sie die Probleme also am besten noch heute an!  

Analyse der Arbeitszufriedenheit

 

 

gar nicht  

 

 

 

sehr  

1.  

Finden Sie, dass Ihr Gehalt für Ihre Arbeit angemessen ist?  

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Wie wichtig ist Ihnen Einkommen?  

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2.  

Macht Ihnen die Arbeit an sich Freude?  

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Wie wichtig ist Ihnen Freude an der Arbeit?  

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3.  

Sehen Sie Sinn in Ihrer Arbeit (wichtig für die Gesellschaft, für die Selbstverwirklichung usw.)?  

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Wie wichtig ist Ihnen Sinnhaftigkeit der Arbeit?  

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4.  

Glauben Sie, dass Sie in Ihrer Arbeit Ihre Fähigkeiten genügend einbringen können?  

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Wie wichtig ist Ihnen das Einbringen Ihrer Fähigkeiten?  

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5.  

Wird Ihnen berufliche Fortbildung ermöglicht?  

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Wie wichtig ist Ihnen Fortbildung?  

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6.  

Haben Sie Einfluss auf die Ausübung Ihrer Arbeit (Mitspracherecht)?  

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Wie wichtig ist Ihnen der Einfluss auf die Arbeit?  

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7.  

Arbeiten Sie unter hohem Zeitdruck?  

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Wie stark belastet Sie das?  

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8.  

Haben Sie das Gefühl, zu viel unnütze Arbeit zu verrichten („die eigentliche Arbeit bleibt auf der Strecke“)?  

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Wie stark belastet Sie das?  

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9.  

Ist der allgemeine Umgang Ihrer Vorgesetzten mit Ihnen gut?  

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Wie wichtig ist Ihnen das Verhalten von Vorgesetzten?  

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10.  

Erhalten Sie Anerkennung für Ihre Arbeit?  

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Wie wichtig ist Ihnen Anerkennung?  

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11.  

Ist die Zusammenarbeit mit Ihren Kolleginnen gut?  

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Wie wichtig ist Ihnen gute Zusammenarbeit?  

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12.  

Bleibt Ihnen nach der Arbeit Zeit oder Energie für
private Verpflichtungen?  

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5  

 

Wie wichtig sind Ihnen private Verpflichtungen?  

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13.  

Bleibt Ihnen Zeit oder Energie für privates Vergnügen?  

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Wie wichtig sind Ihnen private Verpflichtungen?  

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Auswertung

Liegen die Punktzahlen bei den einzelnen Rubriken weit auseinander? Haben Sie also zum Beispiel bei Frage 7 angekreuzt, dass Sie der Zeitdruck belastet und bei Frage 9, dass der Umgang mit Ihrem Chef gar nicht gut ist? Dann sind Sie mit Ihrer Arbeit sehr unzufrieden und sollten etwas unternehmen. Ansonsten laufen Sie Gefahr, ein Burn-out zu entwickeln!  

 

 

Quelle: Ausgabe 10 / 2010 | Seite 6 | ID 138855