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02.12.2010 | Schmerztherapie

Schmerztagebuch - Tipps zur Anwendung

von Bernd Hein, Fachjournalist Gesundheitswesen, München

MFA können ihre Patienten bei einem individuellen Schmerzmanagement unterstützen. Ein besonders wichtiges Hilfsmittel hierfür ist das Schmerztagebuch - ein standardisiertes Dokumentationssystem, in dem die Patienten am besten mehrmals täglich ihr Befinden, die eingenommenen Medikamente sowie deren Wirkung eintragen. „Praxisteam professionell“ gibt Tipps, wie MFA die Patienten zur Führung eines Schmerztagebuches anleiten können.  

Nutzen eines Schmerztagebuches

Die Aufzeichnungen im Schmerztagebuch liefern dem behandelnden Arzt vielfältige Informationen, mit deren Hilfe er die Therapie optimieren kann. So zeigt sich anhand der Angaben, ob die verordneten Medikamente optimale Wirkung entfalten, oder ob sie etwa unerwünschte Begleitwirkungen entstehen lassen, die durch eine Umstellung zu beheben wären. Das Tagebuch hilft auch, den Schmerz genauer zu charakterisieren, als es zum Beispiel durch eine mündliche Schilderung möglich wäre. Es identifiziert Schmerzauslöser und zeichnet den Schmerzverlauf über den Tag nach.  

 

Neben diesen wichtigen Aspekten, die der Ausrichtung der Therapie dienen, kommt auch der unmittelbaren Wirkung des Schmerztagebuches auf den Patienten hohe Bedeutung zu. Indem er sich selbst beobachtet und mit dem Schmerz auseinandersetzt, sammelt er Hinweise, welches Verhalten oder welche begleitenden Maßnahmen sich günstig auswirken und welche Faktoren eher zu einer Verstärkung der Schmerzen führen. Durch die Beobachtung lernen die Patienten sich besser kennen. Außerdem bringt das Führen eines Schmerztagebuches die Betroffenen in eine aktive Rolle. Dies vermindert das Gefühl des Ausgeliefert-Seins und kann so (im besten Fall) therapeutische Wirkung erzielen.  

Aufbau von Schmerztagebüchern

Schmerztagebücher liegen in vielfältigen Varianten vor. Hersteller von Arzneimitteln stellen sie oft kostenlos zur Verfügung. Es kann aber auch notwendig sein, selbst ein Dokument zu entwerfen, um den Bedürfnissen der Patienten bzw. den Bedingungen der Therapie genauer zu entsprechen. Dabei ist es wichtig, die Balance zwischen einer möglichst detailgenauen Abfrage der täglichen Situation und einer einfachen Handhabung zu finden. Das Tagebuch soll dem Patienten so wenig Mühe wie möglich machen und Missverständnisse ausschließen. Ein Beispiel für ein Schmerztagebuch finden Sie in „myIWW“ unter www.iww.de im Bereich „Online-Service/Downloads“ in der Rubrik „Musterschreiben“.  

Anwendung eines Schmerztagebuchs

Das Schmerztagebuch ist konsequent - also täglich - zu führen. Nur eine lückenlose Dokumentation erlaubt, den Zustand des Patienten sowie die Wirksamkeit der Behandlung zu beurteilen. Auch wenn die meisten Schmerztagebücher sehr einfach und für Laien leicht verständlich aufgebaut sind, kann es doch zu Unsicherheiten kommen. Patienten scheuen sich oft, einen aktiven Part in der Behandlung ihrer Leiden zu übernehmen. Da MFA als kompetente Gesprächspartner wahrgenommen werden, können sie mit einer einfühlsamen Erklärung der erforderlichen Eintragungen viele Hindernisse beseitigen.  

 

Praxishinweis

Wenn der Schmerzpatient selbst nicht in der Lage ist, das Tagebuch zu führen, übernehmen pflegende Angehörige oder professionell Pflegende diese Aufgabe. Kann der Patient nicht sprechen, ist es erforderlich, die Schmerzstärke anhand nonverbaler Signale einzuschätzen. Dafür wurden Fragebögen entwickelt, zum Beispiel der ECPA-Bogen.  

Checkliste zur Verwendung von Schmerztagebüchern

Aktuelles Blatt des Schmerztagebuches immer dabeihaben, um jederzeit Eintragungen vornehmen zu können (verhindert, dass Details verloren gehen).  

 

Schmerz genau beobachten. Situation, in der der Schmerz auftrat, skizzieren; Art des Schmerzes beschreiben, dabei insbesondere auf Veränderungen achten.  

 

Alle schmerzlindernden Maßnahmen nennen.  

 

Tagebuch täglich führen, spätestens am Abend vervollständigen; Eintragungen zur Nacht am nächsten Morgen machen, täglich ein neues Blatt verwenden.  

 

Alle Blätter des Schmerztagebuches, die seit dem vergangenen Arztbesuch ausgefüllt wurden, in die Sprechstunde mitbringen.  

 

Besonderheiten im Tagesablauf nennen, etwa Feste, freudige oder traurige Ereignisse, Besuche, körperliche und geistig-seelische Verfassung.  

 

Datum eintragen.  

 

Merke!

Schmerzen sind ein individuelles und nach außen schwer zu vermittelndes Geschehen. Hilfe bei der Beschreibung geben die folgenden fünf W-Fragen:  

 

  • Wo tut es weh? (Körperstelle möglichst exakt beschreiben)
  • Wann tritt der Schmerz auf? (Tageszeit, Situation/ Tätigkeit nennen, in der Schmerz entsteht)
  • Wie stark ist der Schmerz? (Skala zwischen 0 und 10 verwenden)
  • Welche Qualität hat der Schmerz? (etwa: ziehend, drückend, pochend, bohrend, dumpf, wellenförmig, kolikartig, elektrisierend, stechend, brennend)
  • Welche weiteren Beschwerden treten im Zusammenhang mit dem Schmerz auf?
  • Womit lässt sich der Schmerz beeinflussen?

Weiterführende Hinweise

  • Schmerzpatienten in der Arztpraxis („Praxisteam professionell“ - PPA - Nr. 11/2010, S. 6)

 

Quelle: Ausgabe 12 / 2010 | Seite 10 | ID 140533