29.01.2010 | Qualitätsmanagement
Worin liegt eigentlich der Sinn eines Qualitätsmanagementsystems?
von Monika Pohlkamp, MFA und Qualitätsmanagerin, Sendenhorst
Viele Praxisteams sind der Meinung, dass ihre qualitativ hochwertige Arbeit nicht durch die scheinbare Bürokratie eines Qualitätsmanagementsystems (QMS) unnötig erschwert werden müsse. Sie sehen keinen Sinn in den Vorschriften des Gesetzgebers zur Umsetzung eines QMS in ihrer Praxis. Doch Qualität zeichnet sich nicht nur durch eine gut organisierte Praxis aus, sondern vor allem durch die Nachweisbarkeit dieser Qualität! Dieser Nachweis scheint im Praxisalltag keine große Rolle zu spielen, er kommt jedoch insbesondere bei Streitigkeiten und/oder Haftungsfragen zum Tragen - nämlich immer dann, wenn Fehler passiert sind.
Qualitätsmanagement strukturiert den Praxisalltag
Je größer eine Praxis ist, desto wichtiger ist ein funktionierendes QMS. Wo viele Menschen zu unterschiedlichen Zeiten miteinander arbeiten, kann nur eine gute Dokumentation der Arbeitsabläufe helfen, Fehler zu vermeiden und wirtschaftlich zu arbeiten. Wenn diese Arbeitsabläufe nicht geklärt und für alle Teammitglieder festgelegt sind und dadurch die rechte Hand nicht weiß, was die linke tut, kann es schnell zu kleineren oder größeren Katastrophen kommen.
Oft sind es nur Kleinigkeiten. Doch was ist, wenn Injektionen den falschen Patienten gegeben oder Hygienevorschriften nicht beachtet werden - und dies in Zeiten von „Schweinegrippe“ und „MRSA“.
Beispiel
Bei einem Patienten mit MRSA werden die benutzten Materialien, die zwingend sofort und endgültig entsorgt werden müssten, wegen eines hohen Arbeitsaufwands in der Praxis von der zuständigen MFA zunächst einfach stehen gelassen. Sie vergisst die Materialien und eine Kollegin entsorgt diese, ohne die nötigen Hygieneregeln einzuhalten. Eine Infizierung vieler Beteiligter ist vorprogrammiert. Lesen Sie zum Thema „MRSA“ ausführlich den folgenden Beitrag. |
Qualität muss nachweisbar sein
Ein funktionierendes QMS trägt dazu bei, die Sicherheit der Arbeitsabläufe zu erhöhen und Fehler zu vermeiden. Dieser Grundgedanke steckt hinter der Qualitätsmanagement (QM)-Richtlinie, die am 1. Januar 2010 in die Phase III (Überprüfung) eingetreten ist (lesen Sie dazu Ausgabe 1/2010 von „Praxisteam professionell“) und nicht der Wunsch nach noch mehr Bürokratie.