Praxiswissen auf den Punkt gebracht.
logo
  • Meine Produkte
    Bitte melden Sie sich an, um Ihre Produkte zu sehen.
Menu Menu
MyIww MyIww

08.01.2008 | Qualitätsmanagement

„QM“ – Was ist das eigentlich?

von Monika Pohlkamp, Qualitätsmanagerin und Medizinische Fachangestellte, Sendenhorst

Gemäß § 135a des Fünften Sozialgesetzbuches (SGB V) sind Ärzte dazu verpflichtet, die Qualität ihrer erbrachten Leistungen zu sichern und weiterzuentwickeln. Seit dem 1. Januar 2006 ist die „Richtlinie zum einrichtungsinternen Qualitätsmanagement in der vertragsärztlichen Versorgung“ verbindlich. Sie zwingt jeden niedergelassenen Arzt, bis zum Jahr 2010 ein Qualitätsmanagementsystem (QMS) nachweislich aufzubauen. In dieser und in den kommenden Ausgaben informiert Sie „Praxisteam professionell“ über die Möglichkeiten und Vorteile von Qualitätsmanagement (QM) und Sie erhalten nützliche Tipps zur Umsetzung in Ihrer Praxis.  

QM ist Pflicht

Mit der Einführung eines QMS soll Transparenz für Patienten, Mitarbeiter, Krankenkassen und Politik geschaffen werden. QM dient dem nachhaltigen Nachweis und der Sicherung des erbrachten Leistungsniveaus eines Unternehmens. QM soll Verbesserungspotenziale aufdecken, Kosten einsparen und somit zu langfristigem Geschäftserfolg führen.  

 

QM bedeutet zwar einerseits mehr Dokumentation. Aber das Ziel von QM liegt darin, allen Praxismitgliedern die Arbeit zu erleichtern und Sie dahin zu bringen, Freude bei der Arbeit zu haben. Im Mittelpunkt steht daher zum einen die Patientenzufriedenheit und zum anderen die Mitarbeiterzufriedenheit. Wenn Sie in Ihrer Praxis beides erreicht haben, sind Sie auf dem besten Weg zu einer leistungsstarken, kompetenten Praxis und sichern gleichzeitig Ihren Arbeitsplatz.  

 

Merkmale des QM

  • Transparenz der Arbeitsprozesse
  • Klare Regeln für Zuständigkeiten und Verantwortlichkeiten
  • Strukturierte Arbeitsabläufe
  • Verbesserung der internen Kommunikation
  • Motivierte Mitarbeiter
  • Fehlerquellen werden minimiert
  • Höhere Effizienz
  • Durch Patientenorientierung steigende Patientenzufriedenheit

Der Patient im Mittelpunkt

Durch standardisierte Arbeitsabläufe werden Fehlerquellen eliminiert und Arbeitsgänge effizienter gestaltet. Mitarbeiter profitieren von den Erfahrungen der Kollegen, die interne Kommunikation verbessert sich und die Motivation des Teams steigt. Das Einsparen überflüssiger Arbeitsschritte setzt Personalressourcen frei, die an anderer Stelle sinnvoll eingesetzt werden können wie zum Beispiel für die Patientenberatung. Dies steigert wiederum die Patientenzufriedenheit.  

Wie geht man vor und was muss wann beachtet werden?

Haben Sie keine Angst vor neuen Anforderungen – QM wird Schritt für Schritt eingeführt.  

 

Planungsphase (sollte 2006 bis 2007 erfolgt sein)

  • Maßnahmen zur Planung eines einrichtungsinternen Qualitätsmanagement werden ergriffen
  • Schriftliche Selbstbewertungen werden durchgeführt
  • Konkrete Ziele für den Aufbau des QM-Systems werden festgelegt
  • Eine Mitarbeiterin wird zur QM-Beauftragten (QMB) ernannt

Umsetzungsphase (2008 bis 2009)

  • Durchführen von konkreten Maßnahmen zur Umsetzung aller QM- Grundelemente (Patientenversorgung, Praxisführung, Mitarbeiter, Organisation)
  • Einführen von Teambesprechungen (Kommunikationsprozesse)
  • Strukturieren von Behandlungsabläufen
  • Festlegen von Verantwortlichkeiten (Organigramm, Stellenbeschreibung)
  • Mitarbeiterorientierung anbieten (Fortbildungsplan)
  • Anwenden des Praxismanagements (Hygieneplan, Fluchtplan, Datenschutzmaßnahmen)

Überprüfung des bestehenden QM-Systems (2010)

  • Visitationen, Audits vor Ort in der Praxis
  • Messungen der Prozesse (Patientenbefragungen, Beschwerdemanagement)
  • Zertifizierung, wenn es gewollt ist, da zurzeit keine gesetzliche Verpflichtung

Welches QMS ist für meine Praxis das richtige?

Es gibt eine Reihe von geeigneten QMS. An dieser Stelle erläutert Ihnen „Praxisteam professionell“ in einem kurzen Überblick die drei gängigsten, die gut einzuführen und umzusetzen sind.  

 

Beachten Sie: Der Gesetzgeber schreibt kein bestimmtes QMS vor!  

 

Die ISO 9001:2000

Das QMS ISO 9001 kommt aus der Industrie und ist weltweit einsetzbar, auch für den Dienstleistungsbereich. Es ist sicher die beste Möglichkeit, ein QMS aufzubauen, aber leider auch die teuerste und aufwendigste Lösung. Möchte sich eine Praxis zertifizieren lassen, kann das nur durch eine akkreditierte Gesellschaft wie zum Beispiel den TÜV-Nord geschehen. Hierzu kommt ein Qualitätsauditor ins Haus. Die Kosten liegen je nach Größe der Praxis zwischen 2.000 und 5.000 Euro. Eine Rezertifizierung erfolgt alle zwei Jahre.  

 

QEP und KPQM

Das Kürzel QEP steht für „Qualität und Entwicklung in Praxen“. Hierbei handelt es sich um das QM-System der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV). KPQM (KV Praxis-Qualitätsmanagement) und QEP orientieren sich an den Vorgaben der Richtlinie „Qualitätsmanagement“ des Gemeinsamen Bundesausschusses. Somit sind diese Systeme speziell für die niedergelassenen Arztpraxen geeignet. Sie führen zu einem hochwertigen Nachweis des praxisinternen Qualitätsmanagements. Beide Systeme sind kompatibel, zukunftsfähig und vor allem auch zertifizierungsfähig!  

 

Hinzu kommt, dass hier die Kosten niedriger liegen als beim System ISO 9001. Wer sich nach KPQM zertifizieren lassen möchte muss mit einer Summe von ungefähr 700 bis 800 Euro rechnen. Bei QEP liegen die Kosten bei ungefähr 2.000 Euro. In beiden Fällen kommen speziell dafür geschulte Visitoren in die Praxis, die von der KV des jeweiligen Bundeslandes und der KBV berufen und eingesetzt werden.  

In Eigenregie oder mit QM-Berater?

Es ist grundsätzlich möglich, eigenständig ein QMS in der Arztpraxis einzuführen. Das notwendige Know-how können Sie sich über Schulungen oder im Selbststudium durch Literatur aneignen. Diese Methode kostet allerdings viel Zeit und Geduld. Es gibt natürlich auch die Möglichkeit, einen externen Berater mit der Erstellung des QMS für die Praxis zu beauftragen, der wahlweise Beratungen, Schulungen, Erstellung des Handbuches bis hin zu Komplettlösungen anbietet.  

 

Praxistipp: Bevor Sie sich an die Arbeit machen, sollte sich jede Praxis darüber Gedanken machen, wie sie mit dem neuen Gesetz umgehen will und ob als Ziel eine Zertifizierung gewollt ist. Denn die Zertifizierung des QMS ist freiwillig.  

Fortsetzung folgt ...

„Praxisteam professionell“ möchte dazu beitragen, Ihnen die Angst vor zu viel Bürokratismus und Mehrarbeit zu nehmen. In den kommenden Ausgaben erhalten Sie daher konkrete Ratschläge, die Ihnen bei der Erstellung des QMS helfen werden.  

Quelle: Ausgabe 01 / 2008 | Seite 11 | ID 116796