31.08.2010 | Qualitätsmanagement
Die Zertifizierung der Praxis: Sicherheit im Praxisalltag und Marketinginstrument
von Monika Pohlkamp, MFA und Qualitätsmanagerin, Sendenhorst
Mittlerweile ist auch der letzten Praxis klar, dass sie um das Qualitätsmanagement (QM) nicht herumkommt. Fast alle Praxen sind mehr oder weniger damit beschäftigt, die Vorgaben des Gesetzgebers zum QM zu erfüllen oder haben diese bereits erfüllt. Immer öfter stellt sich daher auch die Frage nach der Zertifizierung. „Praxisteam professionell“ informiert über die Vorteile der Zertifizierung.
Die Zertifizierung ist keine Pflicht ...
Muss die Praxis überhaupt zertifiziert werden? Nein! Zwar befinden wir uns seit Beginn des Jahres in der ersten Überprüfungsphase. Doch mit größeren Sanktionen muss keine Praxis rechnen, die ihr Qualitätsmanagementsystem (QMS) noch nicht vollständig eingeführt hat. Gerade einmal 2,5 Prozent der Praxen von niedergelassenen Ärzten werden überhaupt kontrolliert. Das führt dazu, dass viele Praxen das Thema QM erst einmal für erledigt erklären, sobald das QM-Handbuch im Regal steht. Und doch könnte diese Haltung gefährlich werden!
Spätestens 2011 wird der G-BA das Thema „QM“ wieder auf die Tagesordnung setzen. Was dann geändert oder beschlossen wird, weiß zurzeit zwar noch niemand. Fakt ist aber, dass Praxen, die in Sachen QM noch nichts vorweisen können, die Zeit davonläuft. Sie sollten deshalb darauf vorbereitet sein, dass von irgendeiner Seite strengere Anforderungen an ein QMS gestellt werden oder zertifizierte Praxen bei der Honorarverteilung besser dastehen.
Abgesehen davon steht jede Praxis auch aus Gründen der Haftung mit einem funktionierenden und gelebten QMS besser dar und gibt dem gesamten Team Sicherheit im Praxisalltag. Der mündige Patient scheut sich heute nicht mehr, bei Bedarf sein Recht vor Gericht zu erstreiten. Und genau dann kann eine zertifizierte qualitätsbezogene Dokumentation sehr wichtig sein.
... aber die Kür am Ende der Einführung eines QMS
Insbesondere Praxen, die die Einführung des QMS sehr ernst genommen haben, fragen sich, welchen Sinn und Zweck es macht, ein QMS aufzubauen, ohne die Praxis am Ende zertifizieren zu lassen. Und in Zukunft wird es immer wichtiger werden, ob Sie Ihr QMS zertifizieren lassen oder nicht. Schon jetzt ist es so, dass Praxen von den Vorteilen einer Zertifizierung profitieren. Hier einige Beispiele:
- Praxen, die eng mit Krankenhäusern zusammenarbeiten oder Belegbetten nutzen, werden immer häufiger nach einer Zertifizierung gefragt. Denn Krankenhäuser müssen schon sehr lange Qualitätsnachweise erbringen und fordern diese daher auch von ihren Belegärzten.
- Auch in Bezug auf das Praxismarketing ist es bereits heute ein Vorteil, ein Zertifikat in der Praxis auszuhängen. Das gilt insbesondere für Großstädte und Ballungszentren.
- Patienten sind heute durch das Internet in der Lage, Vergleiche zwischen einzelnen Arztpraxen zu ziehen (Stichwort: „Arztbewertungsportale“). Gerade der Patient, der sich Informationen einholt, bevor er eine Praxis aufsucht, wird auch darauf achten, wie eine moderne Praxis ihren Qualitätsstandard nachweist. Denn immer häufiger muss er für bestimmte Leistungen Zuzahlungen akzeptieren und möchte natürlich auch Qualität für sein Geld bekommen.
- Stichwort „Hausarztmodell“: Auch hier haben Sie, wenn Sie zertifiziert sind, eine bessere Verhandlungsbasis gegenüber der Krankenkasse und können höhere Honorare aushandeln.
Fazit
DIN EN ISO - Qualitätsmanagement - TÜV - Zertifizierung - Prüfsiegel usw. sind für Ihre Patienten keine Fremdwörter mehr. Tagtäglich begegnen ihm diese Begriffe - egal in welchem Bereich. Und wenn wirklich einmal etwas dabei ist, was er nicht versteht, wird gegoogelt - spätestens dann kennt er die Unterschiede.
Genau deshalb kann eine Empfehlung nur lauten: Bauen Sie Ihr QMS so auf, dass es allen Anforderungen der heutigen Zeit standhält. Das erspart Ihnen später viel Zeit, Ärger und Kosten.
Praxishinweise
| Sollten Sie sich für eine Zertifizierung entscheiden - egal nach welchem System -, sollten Sie unbedingt wenigstens zwei bis drei Angebote von verschiedenen Zertifizierungsgesellschaften einholen. Es bestehen mittlerweile recht große Unterschiede in Bezug auf die Kosten. Welche Zertifizierer es gibt, können Sie bei der Deutschen Akkreditierungsstelle (DAkkS) erfragen oder auf der Homepage herunterladen (www.dakks.de).
Verschiedene Zertifizierer bieten mittlerweile auch eine Verbundzertifizierung an, was sich sehr günstig auf die Kosten auswirkt. Je nach Anforderung können Sie dann entscheiden, ob so etwas für Ihre Praxis möglich ist und ob Sie Kollegen finden, die mitmachen. Grundvoraussetzung ist, dass mehrere Verbundpartner ein gemeinsames Managementsystem nach DIN EN ISO 9001:2008 nachweisen können. |