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27.05.2010 | Qualitätsmanagement

Benchmarking: Was können wir von anderen Praxen lernen?

von Monika Pohlkamp, MFA und Qualitätsmanagerin, Sendenhorst

Wenn eine Praxis erfolgreich ein Qualitätsmanagementsystem (QMS) eingeführt und die Zertifizierung erworben hat, ist dies ein guter Grund, sich zu freuen. Aber wer glaubt, er hätte genug getan, wenn ein dickes Qualitätsmanagementhandbuch im Regal steht, der irrt gewaltig. So wichtig und richtig es sicher ist, Arbeitsanweisungen und Prozessbeschreibungen erarbeitet zu haben: Sie sollten nie vergessen, sich permanent zu verbessern - zum Wohl Ihrer Patienten und Ihrer Praxis. Eine Möglichkeit der ständigen Verbesserung ist das sogenannte „Benchmarking“ - der Vergleich mit anderen Praxen.  

Benchmarking

Der Begriff „Benchmarking“ (engl. Benchmark = „Maßstab“) bezeichnet in der Betriebswirtschaft eine Managementmethode, mit der sich durch den Vergleich mehrerer Unternehmen das jeweils beste als Referenz zur Leistungsoptimierung herausfinden lässt (Orientierung an den Besten im Lande). Beim Benchmarking geht es also darum, für Praxisprobleme Lösungen in anderen Praxen aufzuspüren, eigene Leistungslücken aufzudecken und diese zu schließen.  

Wie sieht ein Praxisvergleich aus?

Gleich aufwendig Kennzahlen zu vergleichen, ist nicht unbedingt nötig und sollte nur in Ausnahmefällen durchgeführt werden; zum Beispiel wenn Ihre Praxis finanziell schlecht dasteht. Ein Praxisvergleich sollte daher zuerst im kleinen Kreis beginnen. So haben viele Ärztinnen und Ärzte vor Ort bereits Qualitätszirkel und Zweckgemeinschaften eingerichtet, die sich regelmäßig zum Austausch oder zu Fortbildungszwecken treffen. Und auch für MFAs gibt es mittlerweile Info-Treffs auf der Basis von Qualitätszirkeln. Organisiert werden diese u.a. vom Verband medizinischer Fachberufe e.V. (Kontakt zu Ihrem Landesverband über www.vmf-online.de).  

 

Am Anfang einer Phase des Benchmarkings sollten sich vor allem Mitarbeiter aus Praxen gleicher Fachrichtungen zusammentun. Später kann es auch interessant sein, sich fachübergreifend auszutauschen. Ganz wichtig ist es, dass das ganze Praxisteam von Anfang an mit einbezogen wird.  

 

Doch wie geht man am besten vor? Welche konkreten Daten zu den Themenfeldern der „Struktur-, Prozess- und Ergebnisqualität“ sollte ein Vergleich beinhalten? Hier einige Beispiele:  

 

Beispielfragen zum Benchmarking

  • Welche Unternehmensstruktur liegt vor?
  • Wie sieht die Qualifikation von Arzt und Mitarbeitern aus?
  • Welche Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen werden genutzt?
  • Welche Diagnostik wird regelmäßig durchgeführt?
  • Welche Maßnahmen gibt es zur Qualitätssicherung?
  • Erfolgt die Teilnahme an DMP- Programmen?
  • Gibt es IGeL-Angebote (welche und wie viele)?
  • Wie läuft die Praxisorganisation?
  • Wie sieht die Praxiseinrichtung aus?
  • Welche Dokumentationsmöglichkeiten gibt es?
  • Besteht eine Zertifizierung (ja/nein), wird sie angestrebt?
  • Wie hoch ist die Mitarbeiterzahl?
  • Welche Patientenklientel liegt vor?
  • Wo liegt die Kosteneinschätzung für das QMS?
  • Wie erfolgt die Messung des Erfolgs der QM-Maßnahmen?
  • Wie häufig werden Patientenbefragungen durchgeführt?
 

Kommunikation

Ein Benchmarking-Austausch hinterfragt die Umsetzung des QMS und der dabei eingesetzten Instrumente der verschiedenen Praxen. Die Benchmarking-Analyse vergleicht Vorgehensweisen, eingesetzte Methodiken und Systeme sowie Ergebnisse. Im Dialog werden Ideen und Anregungen ausgetauscht und Potenziale in den Praxen erschlossen. Teilnehmer erhalten Transparenz hinsichtlich ihrer Darstellung und praxiserprobte Verbesserungspotenziale.  

 

Praxistipp: Haben Sie keine Angst, andere in Ihre Karten schauen zu lassen. Optimal ist es sogar, die QM-Beauftragten der Praxen untereinander tageweise zu tauschen und hospitieren zu lassen. Gerade wenn man an einem Punkt angekommen ist, an dem die erste Euphorie des zu implementierenden QMS verflogen ist und sich eine gewisse „Betriebsblindheit“ eingeschlichen hat, kann so ein Einblick durch die Kolleginnen aus anderen Praxen helfen, den kontinuierlichen Verbesserungsprozess neu anzugehen und das QM weiterhin interessant zu gestalten.  

Fazit

QM leben heißt, sich ständig und kontinuierlich zu verbessern. Auf gar keinen Fall sollte eine Praxis sich mit dem einmal erreichten und erarbeiteten Zustand zufrieden geben. Nutzen Sie Benchmarking, um ihr QMS zu optimieren und vergessen Sie nicht, darüber zu reden. Informieren Sie Ihre Patienten über Erreichtes und beziehen Sie diese, wenn möglich, immer mit ein. Denn gerade Ihre Patienten haben durch ihre Meinungen und Daten großen Einfluss auf ein erfolgreiches Benchmarking. Werden Patienten und Mitarbeiter ernst genommen, trägt das immer dazu bei, diese langfristig an die Praxis zu binden.  

 

Quelle: Ausgabe 06 / 2010 | Seite 9 | ID 135967