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· Fachbeitrag · Qualitätsmanagement-System

QEP in der Hausarztpraxis

von Monika Pohlkamp, Qualitätsmanagerin und Q-Auditorin, Sendenhorst

| Im Herbst 2015 wurde das Qualitätsmanagement-(QM-)System „QEP -Qualität und Entwicklung in Praxen ® “ (QEP) zehn Jahre alt. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) und die Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen) haben QEP gemeinsam entwickelt. Ziel war es, niedergelassene Arztpraxen bei der Erfüllung der Vorgaben zum QM im Sozialgesetzbuch Fünftes Buch (SGB V) zu unterstützen. PPA fasst die Details zu Nutzen, Inhalten, Zertifizierungsablauf und Kosten für Sie zusammen. |

Maßgeschneidertes QM-System für die Arztpraxis

Neben den üblichen Nutzenargumenten eines QM-Systems wie Qualitätssicherung, Erleichterung der Personalschulung und der positiven Wirkung einer Zertifizierung auf das Praxisimage bietet QEP den besonderen Vorteil, dass es genau auf die Arbeitsabläufe von Arztpraxen zugeschnitten ist. So wird Ihre Praxis nicht nach denselben Standards zertifiziert wie z. B. ein Industrieunternehmen. Außerdem erfüllt QEP alle Anforderungen der aktuellen QM-Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA). Diese schreibt u. a. als QM-Maßnahmen die Patienteninformation und -aufklärung sowie ein System zur Sicherheit für die Therapie mit Arzneimitteln vor.

 

PRAXISHINWEIS | Ein Einführungsvideo der KBV zu QEP finden Sie online unter http://www.kbv.de/html/9830.php. Die G-BA-Richtlinie finden Sie als achtseitiges PDF online unter https://www.g-ba.de/informationen/richtlinien/18/.

 

Modularer Aufbau des QM-Systems

QEP ist ein modulares QM-System für alle niedergelassenen Arztpraxen (und Psychotherapiepraxen). Es ist sowohl für kleinere Einzelpraxen als auch für größere Medizinische Versorgungszentren geeignet.

 

Qualitätszielkatalog und Manual

Der QEP-Qualitätszielkatalog bietet auf 160 Seiten Anregungen zum Aufbau eines praxiseigenen QM-Systems und zur Formulierung von Qualitätszielen. Das QEP-Manual ist der Baukasten für die Erstellung eines eigenen QM-Handbuchs. Hier finden Sie über 200 Arbeitshilfen wie Prozessbeschreibungen, Arbeitsanweisungen und Checklisten. Sie decken alle QM-relevanten Themen ab wie z. B. Behandlungsabläufe, Festlegung der Verantwortlichkeiten, Hygiene, Fehler- und Risikomanagement, Patientenaufklärung, Datenschutz, Fort- und Weiterbildung. Alle Dokumente sind auf CD-ROM hinterlegt. So lassen sich die Unterlagen leicht auf die eigene Praxis umschreiben.

 

PRAXISHINWEIS | Sie müssen nicht alle 200 Arbeitshilfen in der Praxis einsetzen. Dokumentieren Sie nur so viel wie nötig, aber arbeiten Sie konsequent danach!

 

QEP-Einführungsseminare

Zusätzlich bieten die meisten KVen auch QEP-Einführungsseminare an. Diese dauern 1,5 Tage. Hier erhalten Sie einen Überblick über die einzelnen Bausteine von QEP und praktische Hilfen für die Umsetzung.

 

QEP-Zertifizierung (optional)

Zurzeit gibt es noch keine allgemeine Zertifizierungspflicht. Wenn Ihre Praxis ein Zertifikat anstrebt, kommen unabhängige QM-Sachverständige (sogenannte „Visitoren“) in die Praxis und prüfen, ob Ihr QM-System den QEP-Anforderungen genügt und ob Sie das System regelgerecht umsetzen.

 

  • Wie läuft der Zertifizierungsprozess für Ihre Praxis ab?
  • 1. Zunächst sollte die Praxisleitung (Praxischef, QM-Beauftragte) Ihre Praxis per Eigenbewertung überprüft haben (Ist-Analyse).

 

  • 2. Anschließend müssen Sie Ihr QM-System bei einer akkreditierten Zertifizierungsstelle zur Prüfung einreichen. Das geht natürlich auch in digitaler Form. Eine Liste der anerkannten Zertifizierungsgesellschaften finden Sie auf der KBV-Website online unter http://tinyurl.com/hw7jcge.

 

  • 3. Ein Visitor überprüft nun, ob Ihr QM-System die Anforderungen des QEP-Qualitätszielkatalogs erfüllt.

 

  • 4. Anschließend kommt der Visitor zu Ihnen in die Praxis und prüft, inwieweit die praktische Umsetzung der Anforderungen erfüllt wird. Dabei achtet er besonders auf Nachweise (z. B. Schulungsnachweise) und Indikatoren (z. B. Anteil der Patienten über 60 Jahre, denen in den letzten 12 Monaten eine Grippeschutzimpfung angeboten wurde). Auch Gespräche mit den Praxismitarbeitern geben dem Visitor ein Bild des gelebten Qualitätsmanagements.

 

  • 5. Wenn alle Anforderungen erfüllt sind, stellt die Zertifizierungsgesellschaft das Zertifikat aus. Dieses ist drei Jahre gültig.

 

  • 6. Nach der Zertifizierung muss die Praxisleitung jedes Jahr prüfen, wie sich die Praxis mithilfe von QEP weiterentwickelt (Managementbewertung). Dabei dienen selbst gesteckte Ziele als Vorgaben (z. B. Reduzierung der Wartezeit um 50 Prozent, Erhöhung der Zahl der Beratungsgespräche um 20 Prozent).

 

  • 7. Nach drei Jahren erfolgt die Re-Zertifizierung. Besonderes Augenmerk gilt dabei der kontinuierlichen Weiterentwicklung des QM-Systems.
 

Kosten

Der QEP-Qualitätszielkatalog kostet 29,95 Euro, das QEP-Manual 199 Euro, QEP-Einführungsseminare je nach Umfang der Schulungsunterlagen zwischen 150 und 230 Euro. Die Kosten für die Zertifizierung liegen bei 1.200 Euro aufwärts. Dies ist abhängig von der Größe der zu zertifizierenden Praxis.

 

PRAXISHINWEIS | Holen Sie von mindestens zwei Zertifizierungsgesellschaften ein individuelles Angebot für Ihre Praxis ein. Vergleichen lohnt sich!

 
Quelle: Ausgabe 02 / 2016 | Seite 15 | ID 43834250