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28.03.2008 | Qualitätsmanagement

Am Anfang eines jeden QM-Systems steht die QM-Politik der Praxis

von Monika Pohlkamp, Qualitätsmanagerin und Medizinische Fachangestellte, Sendenhorst

Der Begriff „Politik“ bezeichnet allgemein formuliert ein vorausberechnendes Verhalten, das auf ein bestimmtes Ziel gerichtet ist. Politisches Handeln umfasst demzufolge alle Aktivitäten, die zur Vorbereitung und Herstellung verbindlicher Entscheidungen dienen, kurz: Es müssen Ziele festgelegt werden. Bezogen auf das Qualitätsmanagement (QM) in Ihrer Praxis bedeutet dies, dass vor dem Beginn des Aufbaus eines QM-Systems (QMS) im ersten Schritt die QM-Politik der Praxis festgelegt werden muss.  

Wer bestimmt die QM-Politik in der Praxis?

Die QM-Politik muss unbedingt von der ärztlichen Leitung geplant, festgelegt und dokumentiert werden. QM-Politik ist die Aussage der Praxisleitung darüber, wie das eigene Unternehmen im Hinblick auf Qualität auf dem Markt positioniert sein soll.  

 

Aufgabe des gesamten Praxisteams ist es, diese im Sinne des QM festgelegten Ziele zu erreichen. Zu diesem Zweck müssen von der Praxisleitung Vorgaben festgelegt werden, an denen sich das Praxisteam orientieren kann und an die sich jeder halten muss. Der Praxisleiter wird also quasi zum Politiker.  

Was ist Inhalt der QM-Politik in der Praxis?

Mit Hilfe der folgenden Punkte kann die Praxisleitung – am besten zusammen mit dem QM-Beauftragten der Praxis – die Vorgaben der QM-Politik Schritt für Schritt erarbeiten. Es sind einige Fragen zu klären, bevor mit der Einführung des QMS begonnen werden kann.  

 

  • Für welches QMS entscheiden wir uns (KPQM, DIN EN ISO, QEP ...)?

 

  • Die Kosten-Nutzen-Analyse:
  • Was bringt uns QM?
  • Mit welchen Kosten muss die Praxis rechnen?
  • Welcher Zeitaufwand ist notwendig und angemessen?

 

  • Wie sind die einzelnen Normenkapitel in der Praxis umzu- setzen?
  • Anhand der geforderten Richtlinien des GBA und
  • bei DIN EN ISO anhand der acht Normenkapitel.

 

  • Ist eine Zertifizierung vorgesehen?

 

  • Soll ein externer Berater hinzugezogen werden?

 

  • Muss Literatur zum Thema QM als Hilfestellung angeschafft werden?
  • Zum Beispiel Vorgaben verschiedener Pharmafirmen?
  • QEP- Manual und Praxishandbuch von der KBV Berlin?
  • KPQM-Handbuch der zuständigen KV?

 

  • Wie soll die Organisation und Projektbearbeitung aussehen?

 

  • Wie soll die Dokumentenstruktur aussehen?
  • Kopf- und Fußzeile der Dokumente.
  • Logo Ja – Nein? usw.

 

  • Inwieweit kann der Praxiscomputer mit eingesetzt werden?
  • Werden fertige Programme von Softwarefirmen genutzt oder nicht?

 

  • Schwerpunkte der Praxis müssen festgelegt werden, zum Beispiel:
  • In der Gynäkologie die Sterilitätsbehandlung
  • In der Inneren Medizin die Diabetologie
oder die Gastroenterologie
  • Beim Hautarzt besondere Lasertechniken
  • In der Radiologie MRT/CT usw.
  • In der Psychotherapie Entspannungstechniken
  • In der Orthopädie ambulante Operationen

 

  • Neben den Behandlungsabläufen müssen auch die technischen und strukturellen Möglichkeiten von der Praxisleitung dargestellt werden. Besondere Techniken sollten erläutert werden:
  • Ultraschallgeräte
  • Knochendichtemessgeräte
  • Ambulante Operationstechniken

Welche Ziele werden konkret festgelegt?

Sobald die Richtung der QM-Politik in der Praxis festgelegt wurde, muss die Praxisleitung entscheiden, welche konkreten Ziele für das QM festgelegt werden und wie diese zu erreichen sind. Hierzu ist eine systematische und planmäßige Vorgehensweise erforderlich.  

 

Beachten Sie: Qualitätspolitik muss immer patientenorientiert ausgelegt sein. Um in diesem Bereich optimale Ergebnisse erzielen zu können, sollten Sie eine Patientenbefragung durchführen. Eine Vorlage für eine solche Befragung steht für Sie im Internet unter www.iww.de im Online-Service in der Rubrik „Musterschreiben“ zum Download bereit.  

 

Beispiele für Ziele von QM

Ziel 1: Erfolgreiche Behandlungsabläufe (zum Beispiel die Endoskopie des Knies) sollen mit weniger personellem und zeitlichem Aufwand optimaler erreicht werden.  

Mögliche Lösungen:  

  • Terminplan optimieren – dadurch Wartezeiten minimieren
  • Neue Techniken einführen – dadurch schnellere Heilungsprozesse
  • Anästhesieverfahren optimieren – dadurch kürzere Verweildauer nach den OP´s

 

Ziel 2: Wir wollen bis zum Juli unsere IGeL-Einahmen um 15 Prozent steigern!  

Mögliche Lösungen:  

  • Durch Flyer, Poster oder Flipchart auf IGeL aufmerksam machen, um leichter mit den Patienten ein Aufklärungsgespräch führen zu können.
 

Tragen alle Mitarbeiter die QM-Politik der Praxis mit?

Der wichtigste Punkt der Qualitätspolitik sind die Mitarbeiter! Nur wenn alle an einem Strang ziehen, kann die Einführung von QM gelingen. Doch wie kann man feststellen, ob alle Mitarbeiter die QM-Politik der Praxis verstanden haben? Hilfreich könnten hier folgende Wege der Kommunikation sein:  

 

  • Mitarbeitergespräche
  • Teambesprechungen
  • Schriftliche Informationen an alle Mitarbeiter
  • Die Mitarbeiter werden bei der Festlegung der QM-Ziele möglichst oft einbezogen
  • Die Ziele müssen messbar gemacht werden, zum Beispiel durch die Auswertung einer Patientenbefragung, die Überprüfung der Zielvorgaben usw.
  • Interne Audits können durchgeführt werden. Audits sind Untersuchungsverfahren, die dazu dienen, Prozesse innerhalb eines QMS zu bewerten.

Fazit

Der Beitrag macht deutlich: Qualitätspolitik ist wichtig und ohne die Führung der Praxisleitung kann in keiner Praxis Qualität gelebt und praktiziert werden. Aus diesem Grund ist es umso wichtiger, dass die Praxisleitung die Ziele und Verfahren des QMS klar und deutlich dokumentiert. Weisen Sie Ihre Ärzt(e)/innen unbedingt darauf hin, dass QM nur „Top down“ (engl. „von oben nach unten“) funktioniert und Sie werden bald merken, wie Sie alle sich zu einem professionellen Praxisteam entwickeln.  

Quelle: Ausgabe 04 / 2008 | Seite 14 | ID 118317